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IV. Fortsetzung von 1746 bis 1750.
sein grosser Veförverer war damals als Residentseines durchlauchtigsten Herzogs in Hamburg, undübergab daselbst dem Herrn Kohlreif die Unterwei-sung seiner Kinder, sonderlich seines einigen Soh-nes, nahm ihn daher ins Haus und überhäufte ihnmit Wohlthaten. Nachdem er von denHerren Haupt»Pastoren die Erlaubnis zu predigen erhalten, übte ersich auf den vornehmsten Eanzeln im öffentlichenVortrage der göttlichen Wahrheiten , besuchte auchsowol Herrn D. Johann Fciedr. Mayers Eol-tegia, als auch Herrn Senior Joh. Winklershermenevtische Vorlesungen mit vielem Fleisse, underwarb sich dadurch bey diesen Männern grosseLiebe.
Ob nun aber wol solchemnach Hamburg bey ihmdie Stelle einer Akademie gnugsam vertrat; so warddoch die Begierde, Kiel zu besuchen, bey ihm nichtausgelöschet, sondern er begab sich dahin, sobaldnur die Zwistigkeiren zwischen den dortigen Herr«fchaften beygeleget waren, und hielte die erste Di'sputation nach wiederhergestelltem Frieden. Gleich-wie er nun allda theils unter Herrn D. Mayern,theils als Präses, einigemal öffentlich disputiret,und unter jenem einst in einem Tage zwey von ihmselbst ausgearbeitete Disputationen gehalten, so truger auch in seinen Vorlesungen die vornemsten Merk-würdigkeiten aus der Kirchenhistorie vor.
Nachdem er hierauf nach Hamburg zurück kom-men, ward er bey einer erledigten Diaconatstelle zuSt. Michaelis mit auf die weite und enge Wahl gesetzet. Ohngeachtet ihn nun dieselbe nicht traf, soerhielte er doch bald hernach einen andern Berufdurch Ihro Hochf. Durch!, den ältern Herrn Her-zog von Mecklenburg, Adolph Friedrich den II.Denn nachdem die wegen des FürstenthumS Güstrauentstandene Streitigkeiten beygeleget waren, undDieselbe die Regierung angetreten, fand sich, daßHerrn D. Joh. Ernst Pfuhls stargardische Su-perintendur und Primariat zu St. Marien in Neu-brandenburg andern muste aufgetragen werden, weiler schon einige Jahre ohne alle Hofnung der Gene-sung bettlägerig gewesen. Also gaben Ihro hochfürstl. Durchl. dem Vaterunsers HerrnBohlreifsdie stargardische Superintendentur; ihn selbst aberernanten sie nach so vielen andern geschenkten fürst-lichen Gnadenzeichen zum Pnmario in Neubranden-burg und zum Haupte der dasigen Geistlichkeit, undliessen dem kranken Herrn Superintendenten ausder fürstl. Kammer seinen Unterhalt anweisen. Weilnun Dieselben unserm Herrn Aohlreif in dem Be-rufschreiben zugleich zu verstehen gaben, daß es Dcnenselben zum gnädigsten Wohlgefallen gereiche,würde, wenn er auf einer unverdächtigen Universi-tät sich zum Ucentiaten der Theologie erklären liesse,
so suchte und erhielte er solches zu Kiel 1701. un-ter dem DecanatHerrn D. Joh. Fiiedr. Mayers.Darauf that er am «. Advent 1701. seine AnzugS-predigt in Neubrandenburg, von da er im Jahr1704. an den Dom zu Ratzeburg als Probst, Pa-stor und Eonsistvrialaffeffor berufen, welchen Aem-tern er bis an sein Ende mit vieler Treue vorgestan-den. Im Jahr 1742. den n. August, erlangte erdie Würde eines Eonsistorialraths.
Er hat sich dreymal verheyrathet und aus derzweyten und dritten Ehe verschiedene Kinder hinter-lassen. Sein Alter brachte er bey nahe auf 74.Jahre. Er besas eine sonderbare Kcntnis der mor-genläudischcn Sprachen, der biblischen Zeitrech-nung, und der AuslegmigSkunst der heil. Sännst,ob nian gleiä, nicht läugncn kan, daß er sich oft alseinen Liebhaber dessen , was selten und ungewöhn-lich ist, bewiesen. Dennoch aber tonte er bey an-dern nicht leiden, daß sie etwas neues vorbrachten.Der gegenwärtige Geschmack, und besonders dieneuere Weltwcisheir waren ihm äusserst verhaßt.In der Vertheidigung der Orthodone und in derBestreitung und Bestrafung solcher Lehren, die ihmanstößig schienen, war er ungcmeln eifrig. Er ei-ferte aber auch oft ohne Ursache Seine Schreib-art war jederzeit so heftig und gleichsam gebietend,daß ihm deswegen ein sinnreicher Kopf auf einemCouvert einsmals den Titel gegeben; LurinkenäanrOcncrsl äe 1a äcxstrine ckrcricnne, wie er selbst aneinem Orte n) erzehlet.
Seine Schriften bestehen in folgenden:
r. Compendiciise Anweisung zur lakrinischen Sprache,mit unterschiedenen neuen, anderswo nicht befindli-chen /^aminicul« Hamburg 1700. in 8-
r. Grundsätze deS wahren Christenthums Ratzeburg.»7c».
g. Grosser und berühmter l'Keologorum Urtheile vonficimliclren Nactubegräbnulen, wenn dieselben ebneNoth mit den erblaßten Leibern gläubiger Christenvorgenommen werden Ratzeburg ,7-». m 8.
4- Zeugnisse aus rvangelischlutherischen Kirchenordnun-gen wider die heimlichen Nachlbrgräbnisse, nebst e»-nlqen auch dawider gerichteten theologischen Fragen.Ratzeb. ,716. m 8.
5. Auserlesene Oerter aus den Suchern Samuelis, wiedieselben m gewissen Secunden erläutert worden,nebst verschiedenen für Gelehrte hin und wieder ein»qestrrueren Obi'crurliombu;. »blä. »714. in s. »6.Sogen, o)
«. Nöthiger Bericht von dem in der evangelifchlutheri-schen Kirchen üblichen Alkarbrod«, oder denen ausder ersten christlichen Kirche fogruanteu «Nblaren, wie
sie
n) 2 » den unsäglich grossen Trübsalen berRtchtgläubl-,en i>- -08 L»nf Jac. Loch» Läuterung der wichtigstenLescbick-tordnung s> >7.
r> Unschuld. Nachr. '714. p. Lornii theologisch«Schatzkammer 1 . II. x. ,5. 5 g.