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dann der Herzog seine unwandelbare Anhänglichkeit an Ihrekaiserliche Majestät und das heil. römische Reich, und schlieftendlich mit der Bitte, der Kaiser möchte den alten Beschwerdenabhelfen und alle seine Völker aus Pommern zurückziehen. Manmuß in der That darüber erstaunen, daß der Herzog von solchenpapiernen Mitteln noch einigen Erfolg erwarten konnte. Es gibtnichts Widersprechenderes, als sich mit einer fremden Macht gegeneinen einheimischen Obcrherrn verbinden, und doch denselben imNämlichen Augenblicke versichern, daß man ihm treugehorsamstergeben sey! Der Kaiser würdigte den Brief keiner Antwort,dagegen wurden die kaiserlichen Truppen in Pommern angewiesen,das Land feindselig zu behandeln. Es bedurfte nicht erst eines Be-fehls, um Conti zu dieser Maßregel zu bewegen. Sonst eintapferer Soldat und erfahrener Feldherr, war er als Mensch durchden schändlichsten Geiz befleckt. Keiner von den fremden Blut-igeln, die damals in des Kaisers Dienst Teutschland ausplünderten,kam ihm an habsüchtigem Erfindungsgeist gleich. Der ZtalienerConti trieb den Krieg im Großen mit derselben Erwerbgier,wie seine Landsleute bei uns den Mausfallen- und Dintenhandel imKleinen. Schon vorher hatte er das Mark von den armenPommern erpreßt, jezt warf die Gier vollends Schaam undZügel ab. Grausamkeit kam zur Habsucht, Bürger und Bauern,bei denen nichts mehr zu finden war, wurden ermordet; Contibefahl, keinem pommerschcn Soldaten in Gustav AdolphsDienst Quartier zu geben, wenn einer gefangen würde; als Re-bellen wider den Kaiser mußten sie sterben. Der König sah sichgenöthigt, zur Wiedcrvergeltung alle gefangenen Kroaten alsRäuber niederstechen zu lassen. Dieß wirkte. Die Kaiserlichenverstanden sich, je mehr das Glück die schwedischen Waffen be-günstigte, wieder zur Beobachtung der Gesetze des Krieg- undVölkerrechts.
Wir fahren mit Erzählung der Kriegsthaten GustavAdolphs fort. Seit der Landung in Usedom vermehrte sichsein Heer täglich. Noch auf dieser Insel stieß Oberst Leßleyvon Stralsuud aus mit zwei Regimentern zu ihm; in Stettinnahm Damih mit seinen 1200 Mann schwedische Dienste.Dieses ehemals pommcrsche Regiment hieß man von nun an,wegen der Farbe seiner Fahnen, das weiße, es wird oft genanntim Laufe des Kriegs. Viele alte Soldaten, die früher unter