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i Kapitel. 2 Absitz.
sey, als daß es lebe, oder wirke. Alle andere Dinge, was im-mer für eine sie seyn mögen, sind in der Zeit erschaffen , ausdem Nichts hervorgezogen worden,und hangen von jenem höch-sten Wesen und Gott ab, von welchem sie einen Theil jenesLebens bekommen haben, dessen Vollkommenheit, und gleich-sam ganzen Begriff Gott ganz allein von sich hat, und alleinin sich einschließt. (6)
F. Warum hast du gesaget, daß man Nichts besseresals dieses sagen oder ausdeuten könne das göttliche Wesen zuerklären, soviel wir bey verfinstertem Verstände in diesem Le-ben begreifen mögen?
A. Weil aus dieser Beschreibung und Vorstellung Got-tes nothwendig folget, daß alles, was immer von einer Voll-kommenheit man sich vorstellen oder erdenken kann , alles die-ses, sage ich, und weit ein mehreres in Gott anzutreffen sey.
Denn aus diesem, daß Gott ein Ding von sich selbst ist,und welches von keinem andern abhängt, folget, daß er un-endlich sey; denn das heißt man unendlich,waö keilte Einschrän-kungen hat, und dem kein gewisses Ziel mag gesetzet werden.Nun was von keinem andern abhängt sowohl in dem, daß essey, als daß es wirke, eben dieses weis auch nichts von gewis-sen Einschränkungen, daß es also unendlich, und von unendli-cher Vollkommenheit ist. Denn wenn dieses nicht eine unend-liche Vollkommenheit hatte, wären desselben Vollkommenhei-ten gewisse Schranken gesetzet, und es wäre also nicht unend-lich, hätte einen Abhang von jenem, von dem es eingeschrän-ket würde, und hiemit wäre es nicht einDing von sich selbst,und welches von keinem andern abhängt.
Kurz zu sagen : unendlich seyn, und alle Vollkommenhei-ten insgesammt auf das uneingeschränkteste besitzen, sind einer-ley Ding.
Unendlich seyn, von keinem abhängen, und ein Ding vonstch selbst seyn, sind wieder einerley.
Aus diesem dann, daß Gott von sich selbst ist, und von
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