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Katholische Unterweisungen nach der Weise einer Christenlehre, in welchen, was immer zu der Religionsgeschichte, und den Lehren, Sitten, Sacramenten, Gebethen, Gebräuchen, und Uebungen der Kirche gehöret, insgesammt in einem kurzen Begriffe aus den heiligen Gründen der göttlichen Schrift und Uebergabe deutlich gezeiget wird / aus der französischen Sprache in die lateinische gebracht ... von dem Verfasser und auch Uebersetzer Franciscus Amatus Pouget ... ; aus der lateinischen Sprache in die deutsche übersetzet, und ... vermehrt von einem Priester aus dem Orden des heiligen Benedictus
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ro Kapitel. 2 Absaß. 245

den Rosenkranz, das Scapulier, ein Stricklein, oderleder-' ne Gürtel von andern unterschieden werden ?

A. r. Die solche Zeichen tragen, werden dadurch bestän-dig erinnert, daß sie fromm , heilig, und ohne Sünde leben,wie auch die Pflichten selber Bruderschaft nach Möglichkeiterfüllen sollen. Wer anders sich verhält, der lebet fürwahr'wie ein Jud , und nicht wie ein Christ.

2. Die selbe Zeichen tragen, sollen sich hüten, daß sieandere, welche solche nicht kragen , nicht für unchristlicheLeute halten : und die selbe nicht tragen, sollen sich hüten die-jenigen , welche selbe tragen, zu verachten nnd zu verlachen,alswenn sie auf solche Kleinigkeiten zuviel hielten. Die Kir-che überläßt solche Dinge eines jeden Andacht, und es ist ge-.wiß eine Vermessenheit, wo nicht gar eine Gottlosigkeit, je-nes verwerfen, was die Kirche gutheißt. Dieser Brauch selbeDinge zu tragen ist gottselig, heilig, und nicht gar neu ,wenn man den Ursprung desselben ansieht. Jedes Ding nurnach seiner eigenen Gemükhsbeschaffenheit oder seinem Ver-stände schätzen ist jenen eigen , die wenig im Kopfe haben.Welche solche Dinge tadeln , die gehören vieleicht unter jene,von welchen der Apostel Judas saget: was sie immer nichtwissen, das lästern sie. (Br. des h. Judas lo.) Es werd'netwa die Sachen nicht, wie sie an sich selbsten sind, sonderndie Misbranche , welche doch die Kirche verworfen hat, von! ihnen betrachtet. Wer die Sache recht eingesehen hat, der! wird gerne zugeben, daß es schon ein alter, gar nicht tadelhafrter, sondern vielmehr heiliger Brauch sey. Ich zeige dieses.

Es war vormals Nichts ungewöhnliches, daß besondersjene, bey welchen das Ende ihres Lebens nahe war, die Klei-dung der Mönche als ein Zeichen der Busse feyerlich anzogen.Dieses hat im Jahre uz? Ludovicus der vierte, mit demZunamen der Dicke, König in Frankreich gethan. Nacherlangter Gesundheit wurde die einmal angezogene Ordens-kleidung nicht abgeleget; doch trat deßwegen jener, welcheralso die Kleidung der Mönche angezogen hatte, nicht in denOrdensstand. Daher kömmt jenes alte Sprichwort, welches

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