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XU. Die Architectur.
jeder machen muß, der ohne Grundregeln im Fin-stern herum tappt, und auf ein Gerathewohl unge-fähr fortarbeitet. Daher sehen wir so wohl geist-liche, als weltliche, so wohlgemeint, als fürstliche,und überhaupt Gebäude, welche ungeheure Sum-men gekostet haben, und die doch bey alle demKenner zum Mitleiden bewegen. Diese Bau-werke sind sophistisch, falsch, betrügerisch und spitz-findig. Man weis keine Ursache des Daseynsdieses oder jenes Stückes zu finden, weil sie ohneUrsache also gemacht worden; wie es in Holzver-schneidungen und Schnirkeleyen geschieht, derenman sich zu Verzierung der Spiegel, Wagenrä-der, Tischfüsse und Bettstatte zu bedienen pflegt.Dergleichen Schatzmeister machen einen Schnir-kel hin, biegen einen andern her, woran ein drit-ter kommt, der sich wiederum entgegen krümmt.Sie machen einen Drachen, euren Engel, eineHarpie, einen Vogel, Hund, oder Fisch, wasihnen ihre Einbildung ungefähr eingiebt; um dieUrsache aber lasten sie den Beobachter sorgen.Dergleichen Architecten giebt es, welche, wieVitruvius sagt, nicht von der Kunst, sondernallerdings im Mißverstand Architecten genenntwerden, und mit so verderbten und barbarischenGeschmack Gebäude aufführen und verzieren, daßsie mehr die verwerflichste Manier, als etwasGriechisches, Römisches, Antiques, Modernes, oderWahres blicken lassen, ihren Zeiten und sich sowohl,als dem Bauherrn zur Schande gereichen, wel-cher dabey ausrufen möchte; O wenn doch Eukli-