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Tagebuch
kaum bekannt war, und alle Missethäter erschossenwurden. Endlich kam diese Creatur, die ich sahe,ein Sicilianer, mit einem Boten zu Paoli. DerGeneral, welcher eine wundernswürdigc Gabe hat,die Gesichtsbildung zu beurtheilen, sahe den Men-scheu und sagte sogleich zu einigen, die bey ihm wa-ren : »Hier ist der Henker». Er befahl den Men-schen zu fragen, ob er dieses Amt annehmen wollte,und seine Antwort war: »Mein Großvater war ein„Henker, mein Vater war ein Henker. Ich bin„selbst ein Henker gewesen, und will es auch gerne„fernerhin seyn». Er wurde auch sogleich in seinAmt eingesetzt, und die schändliche Todesstrafe, diedurch seine Hände verrichtet wurde, machte weh-rern Eindruck, als zwanzig Hinrichtungen durchErschießen.
Es ist merkwürdig, daß kein Corse auf keineWeise sich zu einem Henkersdienst begeben wollte.Nicht die größten Missethäter, die doch vielleichtunter dieser Bedingung ihr Leben hätten erhaltenkönnen. Ja sogar der Vösewicht, der um einengeringen Lohn eine Frau erdrosselt hatte, wollte sichlieber hinrichten lassen, als .diese Handlung wie einScharfrichter an andern vollziehen.
Da ich alles um Corte herum besehen hatte,so machte ich mich zu meiner Reise über die Gebirgefertig, damit ich zum Paoli kommen möchte. DenAbend vorher, ehe ich abreisete, besann ich mich, daßich vergessen hatte, mir einen Paß geben zulassen,welches bey der gegenwärtigen Verfassung von Cor-
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