Miscellen.
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Die Kenner wiss’n die Mode schon,
Und nehmen sich die Kost davon.
Ein Mannsbild, das nicht karesirtUnd das nicht liebt den Wein,
Verdient dass man ihn strangulirt,
Soll gar kein Mensch nicht seyn.
Der ist nichts anders in der That,
Als ohne Baumöl ein Salat.
Die Beeinflussung Goethes durch dieses Lied wird wohlnicht bestritten werden; wörtlich benutzt hat Goethe nur dieerste Zeile, wie er z. B. in seinem Gedicht: Der Goldschmieds-gesell ebenfalls die erste Zeile aus einem Liede Gleims 1 ent-lehnt hat. G. Ellinger.
6. Zum nTriumph der Empfindsamkeit «.
Im 5. Akt finden die Hoffräulein die Puppe des Prinzenund entdecken in ihrer Brust einen Sack, der verschiedeneempfindsame Schriften enthält. König Andrason will sie erstverbrennen lassen, dann besinnt er sich eines andern undbringt alles in die frühere Ordnung zurück.
Diese Scene erinnert an Don Quixote I, 6. Hier wiedort werden Bücher einer bestimmten Richtuug zum Feuertodverurtheilt, weil sie den Helden der Dichtung zum Narrengemacht haben und noch weiteres Unheil stiften könnten.Die Ähnlichkeit wird dadurch vergrössert, dass unter jenenBüchern Werke der Verfasser selbst mitaufgeführt werden;nur dass der »Werther« mit den übrigen verbrannt werdensoll, während Cervantes seiner »Galatea« eine Gnadenfristgewährt, bis der 2. Theil erschienen wäre und eine Beurtheilungdes Ganzen gestatte.
Bedenkt man, dass Bertuchs Übersetzung des Don Quixotex 775—1777, Mso nicht lange vor dem Entstehen des Triumphsder Empfindsamkeit erschien, so kann eine BeeinflussungGoethes durch den Don Quixote nicht als Zufall bezeichnetwerden.
M. H. Jellinek.
1 Das Lied Gleims (Werke, Körtes Ausg. Bd. I) beginnt: »Esist doch meine Nachbarin — ein muntres, kluges Weib«. Das Liedist mit geringen Änderungen auch in die fliegenden Blätter über-gegangen und findet sich z. B. in einem Einzeldruck: Vier schöne nagelneue Weltliche Lieder (Ende des 18. Jahrhunderts). No. 4.