Band 
Vierdter Theil
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Wal

iSrzSttalstMd. Ob ihm schon der Kayser, aus gethane vorstel«lunq der stadt, anbesoht, die belagerung aufzuheben , that er eSdoch nicht, ließ sich vielmehr vernehmen, solche, wenn sie auchschon mit ketten a» den Himmel gebunden wäre,einzunehmen,mustesie aber doch, nachdem ihr von den Schweben iuccurs zugeschicktworden, verlassen. Er verlohr auch zooo mann vor Glückstadt ,muste vor Magdeburg wieder abziehe«/ und ob er gleich auf der ost«see eine siotte auszurüsten meynte, und desdalben von den see.städ«ten schiffe begehrte, so ihm aber abgeschlagen wurde, auch selbst 8kriegs»schche bauen ließ, vermochte er doch damit wenig auszurich«ten. Weil er aber fortfuhr den Teutschen Stäuben grosse überlastHU thun / lind daher »ur inroleranclu8 (jerrnLMZL clickAror benennetwurde, liessen an dem Kayfcrltchen Hofe gar nachdrückliche beschwer»den wider ihn ein, wesbalden es oornemlich durch des Churfürstenvon Bayern und der Spanier Vermittelung dahin gebracht wurde/daß aufdem am i6;o zu Regenspurg gehaltenen Churfürstlichencollegialttage belchlosseu wurde,ihn des Generalats zu erlassen. Eswurde ihm solches durch r Freyherren, den von Werdenberg undden von Questenberg , angejagt, und ob gleich jederman meynte,er würde sich bierbey gar übel bezeigen, nahm er es doch gar willigauf, bat nur, daß der Kayser sein gnädiger Herr bleiben, und ihnbey dem erlangten lande und stände erhalten wolle. Insgemeinwird geglaubet, daß er dieses so geschehen lassen, weil ihm sein s-Krologu;, Johannes Bapktsta Seny, eine weit rühmlichere re-Kimriun prophezeyet. Jedoch soll er bey der gebrachten Nachrichtvon seiner entsttzung mit kreide aufden tisch geschrieben haben:

Der Pfaffen reformatwn

Bringt den Kayser um seine cron

Uuv mich um meine reputakion,;

Die Churfürsten werden bekommen ihren lohn.

Er begab sich hierauf in Böhmen zu ruhe, bauete einen schönen pal»last zu Prag , und lebte fast Königlich. Als aber die Kayserlichenan. i6;i bev Leipzig geschlagen worden, war man wegen eines Ge«nerals bedacht, dein man dem Kömge von Schweden entgegen se»tzen könle. Die Spanier riechen, man solle dem Könige Ferdi«naudo von Ungarn die armee übergeben, allein die Teutschen hattenkeine lust darzu, weil sie sich desorqte» , die Spanier würden denTeutschen vorgezogen werde«. Es wurde also resolvirek, dem Wal»lensteiner das Generalat wieder aufzutragen. Seine besten freunde,die Freyherren von Werbenverg und Questenberg , nebst dem Für»sten von Eagcnderg, wurden zu ihm nach Znaim in Mähren ge»schickt, maßen er wegen des ranges nicht sechsten nach Wien kom«wen »volle. Zu erst schlug er es den besagten Gesandten rund ab,und redeie von deö Kaysers undanckbarkeit, ingieichen von desChurfürsten von Bayer» und des Tilly ungerathenen anschlagen,endlich aber bewilligte er diesen seinen freunden zu gefallen, biß inden mariium zu werden, inzwischen möchte der Kayser sehen, wener über die armee setzte, oder, welches er vor ralhjamer hielte, frie«den mawen. Die Werbungen giengen, weil Wallenstcin brav geldhatte, auch bey den wldaten sehr beliebt war, glücklich von statten,und endlich nahm Wallenstein das Generalat unter folgenden con»hitionen über sich: baß er über die gantze armee vollkommene gemalthaben , und weder der Kayser noch sein Printz sich des Generalatsanmassen folten; der Kayser solle nach wieder erlangtem KönigreichBöhmen zu Prag resiviren, ihm zu seiner belohnung eine Pro»vintz von seinen erblanden geben, auch das obcrcecht über die Pro»vintzen, welche er erobern würde, überlassen; über die krtegs»raffe wüste er freye macht haben, auch alle zu dem kriege beuöthig»te kosten ungesäumet angeschafft werde» ; alle Kayserliche erblandesollen ihm zu seiner und der armee sichcrheil offen , und ihm frey»stehen, mit den confistirten gittern nach seinem aesallen umzugehen,und den Verbrechern die straffe nach seinem gefallen zu erlassen; kei«ne salve guard, oder erlaß-brief solle ohne des Wallensteins confir»Marion gellen ; es solte auch in dem künffligen friedens-Wuß dasHertzogthnm Mecklenburg ihm bestätiget werben. Er jagte dieSachsen bald zu ansang des jabrs lüzr wieder aus Böhmen , cou-jlingirre sich hierauf mit der Cbur-Bayertschen armee, rückte vorNürnberg , wogegen sich Gustaphus Adoiphus setzte, unv ats derFriedlänbcr den ;o jnn. seine armee bey Neumarck musterte, jagteer: innerhalb 4 tagen soll es klar werden , ob der Kayjer oder derKönig von Schweden Herr über die weit sey. Allein er bemühetesich mehr, den Schweden den Proviant abzuschneiden , als solchezu einer rechten schleicht zu bringen, und es würde ihm auch sonderzweiffel gelungen seyn, wofern die Schweden nicht aus der stadtNürnberg mit aller nothdurffc wären versehen worden. Daher» la«gen sie etliche wochen gegen einander, und obgleich der Konig denWallenstein im august in seinem iager angriff, war ihm doch nichtsabzugewinnen. Hieraufzogen sie sich durch Thüringen in Meisten,da es den 6 nov. zu einer blutigen Wacht bey Lutzen kam, in wel»cher Wallenstein das seid, die Schweden aber ihren König verlob»ren. Er gieng hierauf, um die schuld von sich abzulehnen, nachPrag , und ließ über diejenigen, welche in der Wacht ihre pstWnicht gethan, ein scharffes kriegs.recht hallen. Er recolligirte sichauch bald wieder, rückte an. i5z; in Schlesien , bewrach sich mitdem Chur.Sächsischen GcnerakLientenant Arnheim, und suchtefriede zu machen; wie er denn öffentlich zu den Schwedsschen undSächsischen Depntirten sagte, er sey gekommen, nnt den Schwe»den und Reichs'Fürsten einen ewige» frieden zu machen, die solda»ten zu bezahlen, allen und jeden satisfaction zu geben, und stundealles dieses in seiner Hand, ja wenn der Kayser sich wegerte friede zumachen, wolle er zu den Evangelischen treten, und den Kayser vorden teuffel jage»; welches letztere er dem Schwedischen ObrikcnFels ins ohr sagte. Weil man ihm aber nicht trauete, zer,chlugsich der stillstand, worauf er die stadt Schweinitz vergebens belagerte,auch darauf seine gegner durch einen andern stillstand t>n au«

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gusto zu berücken suchte, welches ihm so weit glückte, daß als Am»heim in Meisten gieng, er die bey Stemm, stehende» Schweden gautzlich ruimrte, daraus Liegnltz , Görlitz , Bautzen , Franckfurtan der Oder, wie auch Ohlau eroberte. Da man aber meynte,er würde gautz Pommern überschwemmen, giena er zurück in dieOder.Pfaitz, um Hertzog Bernharden einhalt zu thun, bald aberzurück in Böhmen , und quarlirle die armee in den Kayserlichen erd.landen ein. Allein er fiel mehr und mehr bey dem Kayser in miß»credit. Solcher wurde dadurch gehäuffet, daß er seine rückständigegage mit grossem ungestüm forderte, und die Kayserlichen befehleiin geringsten nicht respectirle. Die Jesuiten waren ihm auch seheaussätzig, weil er wider die Protestanten nicht scharff genug war,und einst von den Jesuiten gesagt hatte, man solle sie, als friedens»störer, aus dem Röm. Reiche jagen. Bayern und Spanien , alsderen anschlügen er allezeit zuwider gewesen, vcrunglimpfften ihnnicht wenig, wie denn auch der Spanische Gesandte, Graf vonOnnate , von der grossen summe geldes, welche« zu fortsetzung deskriegs aus Spanien erhalten, nichts hergeben wolle, als bis zuvorwegen des Feldherrn andre anstatt gemacht worden. AuS diesen,Ursachen wurde auf sein thun genau acht gegeben, auch er zum an»dernmahl abgesetzt, doch unter dem vorwaude, weil die Uugarnunter niemand , als ihrem Könige fechten wollen, so müstc derselbedie armee commandiren, und muste ihm solches anfänglich Que»stenderg, und hernach ein kluger Capuciner glimpflich beybringen.Wallenstein stellte sich zwar, als wolle er ohne des Kaysers willendas commando nicht länger behalten; doch weil ihn diese absttzimgaufdas allerhefftigste verdroß, ließ er durch seine vertrautesten freun«de Jllo, und seinen schwager Tertzky unter den Ofstcirern ausbrin«gen, die Kayserttchen bedienten suchten die belohnungen, die er ih.nen zugedacht, an sich zu bringen. Bey den soldaten aber ließ ervorgeben, man wolle sie zu der rauhen winters.zeit wieder ins fest)führen, wodurch beyde theile aufgebracht worden, seine adsetzungnicht zuzugeben. Sie baten ihn daher, die armee nicht zu verlas«ftn, worein er auch willigte; jedoch musten sie geloben, ihr gutund blut bey ihm aufzusetzen, er ließ sich auch 42 Obristen nebst au«dern Olßcirern schweren und einen revers unterschreiben. Es folgtehierauf vo» dem Kayserlichen Hofe ei» befthl, darinnen alle Obri«sten, Olsicirer und soldaten von Wallensteins gehorsam loßgespro«chen und an den GallaS verwiesen, anbey auch allen conjuranten,ausser zweyen, gnade versprochen wurde. Es mochte nun bey sogestalten fachen dem Wallenstein ein rechter ernst seyn, auf der Pro«testcmten feite zu treten, zu welchem ende er mit dem SchwedischenLeneralirssmo»Hertzog Bernharden von Sachsen , und Mit Marg»gras Christianen von Culmbach , auch mit den Frantzösischen Mi«nisteis zu Dreßden correspvndirte. Allein, indem man dem Wal«lenstein nicht recht trauete, und daher» Hertzog Bernhard mit derconiiinckton langsam und behutsam umgienge, ward Wallenstein zuEger maffacriret, womit es folgenvergestalt zugieng. Ais Wa!«lenstein den 14 febr. an. iS;4 nach Eger gekommen, beschlossen Jv»bann Gordon,em Schottländer, Obrist-Lieittenant von des Tertzkyregimcnt und Commandant zu Eger, (zu welcher charge ihm Wal»lenstein aus einem gemeinen soldaten gcholffen hatte,) nebst Wal«kher Lesle, der gleichfalls ein Schvttländer und ObrissWachtmei»ster van dem besagten regiment war, und der Obriste Buttler, dersonst Wallensteins vertrauter gewesen, ihn aus dem wege zu räu«men. Damit es nun ohne tumulr geschehen könte, so bat Gordonfolgenden tags den Feldmarschall Jllo, die Grafen Adam EcdmauTertzky und Wilhelm Kinsty nebst dem Rittmeister Neumann und; andern Offictrecn auf das schloß zum adendeffcu. Als die mahl«zeit fast vollbracht war, wurden die wachen zwischen y und 10 nbrauf dem schlösse und marckte ziemlich verstärckl, und eine compagnievon Buttlerischen dragonern , so lauter Inländer waren, zumober»chorc hinein, und bald darauf inS schloß gelassen, welches al«sofort wieder zugemacht wurde. Ihr Major Robert GiraldinMidder Tamtam Äevereux stellten sich darauf nebst mann alle mitblossen degen in das gemach, und rieffen, wer ist gut Kayscrisch ?Buttler, Gordon und Lesle, so auf einer feite beysammen fassen,schrien geschwinde: vlvac Ferdinanbus! kehrten den tisch um, sta»chen und hieben aufdie gaste, da denn Jllo, ob er sich gleich anfangserwas gewehrt, nebst dem Kmsky bald blieben, Tertzky aber, wel«eher fest gewesen seyn soll, kam in das vorhauß, wurde aber von dendragonern mit mußqueten todt geschlagen. Der Rittmeister Neu»mann relirirte sich hart verwundet in die speist-kammer, allwo erauch gestorben. Hiernächst nahm Gordon die Wacht auf demschlösse,undLesle die aufdem marckl in achhButtler aber undDeve«reux giengen mit ir mann »ach des Hertzogs von Friebland Hause,welches anjetzo die Jesuiten innen habe». Es begegnete ihnen zwarein page mit einer güldnen schale voll vier, welcher sich nichts gu»tes einbildend, überlaut schrie: verräth««! er ward aber gleichniedergestoffen, und zum fenster hinaus geschmissen. Darauf ka«men sie an die thür des Wallensteinischen qemachs, welches sie mitden Partisanen eröffneten, und mit diesem geschrey: rebelten, re»bellen, hinein drungen. Der Hertzog sprang aus dem bette nachdem fenster, wurde aber von dem Haüptmann Devereux mit einerPartisan unter dem Hertz« i» den leib gestochen, daß er ohne ein wortzu sprechen, niedergesuncken. Der leichnam wurde in ein roth kuchgewickelt, und aus einem wagen aufs schloß zu den andern l eichengeführt, woselbst sie den dragonern frey gegeben, und bis aufdasHemde ausgezogen wurden. Der Rath und die Bürgerschafft wur«den des andern tags aufs neue in Kayserliche Pflicht genommen;Loch brauchte es nicht wenig mühe, die darauf entstandene verwir«rung zu stillen. Als dem Kayser dieser fall vorgebracht worden, soller in diese worte heraus gebrochen seyn: ach mein Wallenstein!Sem leichnam wurde in der Carthäuser.kirche zu Gyzschin in Böd«men gebracht; wiewohl vorgegeben wird, es habe her Königliche

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