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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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ort in kurtzer zeit zu einem ansehnlichen dorfe angewachsen seyn/weil Adelheit Fridenci II. uhr - groß - Mutter schon an. l°, 7 .etliche Edelleuthe von Hcilbronn bey ausnchtung des Stiftszu Oehrinqen als -engen erfordert , und deren vma der stifttuna selbiger kirche hat einverleiben lassen. Nachmals hatdieses dors Henricus IV. Bellicosiis zu einer stadt zu machenangefangen, Fridericus II. ziemlich vermehret, und mit ho-hern mauren und thrirnen urnfangen ; dessen fchwester - söhnaber Wolfram , ein Graf im Graichgau , mit vieler muhebevesttget. Conradus III. hat hernach diese stadt zu einerReichs-stadt gemacht, und Fridericus Barbarossa ihro die dreyfärben , blau, roth und weiß, auch zum wapen einen schwar-tzen adlcr im gelben felde gegeben. Eberhard III. Graf zuWürgburg , bekam das schutz-recht , es wurde, aber solcheswegen verübter gewaltthätigkeit an. 1)64. von Wurtzdurg wie-der abgenommen , und der Chur -Pfaltz übergeben, so jedochnunmehr» auch aufgehört. Die regierungs-form ist Arlstocra-tisch , und wohl eingerichtet; sie hat unter sich vier schone dor-fcr, Flcin, Böckinqcn , Neckergartach und Franckenbach.Von den Kaysern erhielte sie unter andern herrlichen pnvdegiisauch diese: Kein Kayfer solle diese stadt zu versetzen oderzuvcr-kausscn macht haben; wer einen Rath schädiget, den mögensie auch schädigen, nach ihm greiffen und wrdersetzige burgerstrafen; kein bürger kan an fremde Gerichte geladen werden ;ein Rath kan ihre bürger, die an fremde, geistliche und welt-liche Gerichte geladen worden, abfordern und versprechen;der Kayfer soll keinen bürger der steuer und bürgerlichen be-schwerden von seinen güthern freyen , sie sind vom Land-Gerich-te und allen andern fremden Gerichten, auch vom KayferlichenHof-Gerichte befreyet; kein Jud solle keinem von.Heilbronn leihen, und da es geschähe, ist man ihm nichts dafür schuldig,es mag auch kein vroceß krafft haben. Sie haben auch die frey-heit den Necker hinzuwenden, wohin eS dem Rath gefällig, auchin den Necker zu bauen und brücken zu machen ; sie dorfennach der freyhett der stadt Franckfnrt messe halten. Das lichtdes Evangclii ist durch die Reformation zeitlich allhier aufgegan-gen , wie dann schon an. 1520. I). Johann Kroner, von Scher-dittgen gebürtig, der messe öffentlich widersprochen, auch nachihm an. 1^25. v. Johannes Lachmann mit zwey andern Ca-planen die Lutherische lehre, mit heftigem Widerspruch des Bi-schoffs zu Würtzburg , predigten. Sonsten ist auch die stadtwohl gebaut; und ist unter den kirchen wohl zu sehen diePfarr-kirche zu St. Kilian, so von treflicher structur ausgear-beitet ist, und ziemliche antiquitätcn hat; an dem krantz dergroßen glocke dieser kirche ist mit Longobardifchen duchsta-he» geschrieben : Matthasus. Marcus. Lucas. Johannes. * Ma-ria. * ium. vas. ex. ere. tria. nuncio. funera. flere. festa. cele-brare. tempus. nocuumque. sedare. An einer andern glockestehet an vier orten ein klein bildnis eures sitzenden Bischoffs, mitder Umschrift: Osonna heiß ich: unser Frauen und St.RiUans ehr leit ich: Bernhard Lachmann goß mich 1419.Auf der spitze des höchsten thurns steht ein grosser steinerner rie-fe, auf dessen Haupt die schifer-decker, maurcr rc. zuweilen sichhinauf wagten , eine sahne zu schwingen und sich sehen zulassen. In einer andern ehemals den Minoriten zugehörigenkirche, die an. -688. von den Franzofen verbrannt wurde,stund ob dem eingange in einem gewölbe um eine besondere fi-gur herum geschrieben :

Ich leb, und weiß nicht, wie lang,

^jch sterb, und weiß nicht, wann ,

Ich fahr, und weiß nicht, wohin,

Mich wundert, daß ich so frölich bin.

N)ann ich bedenck den tod und die cwig vein,

So möcht ich n,chl so frölich seyn.

Das hark anstehende gebäu war ein Minoriten-kloster, worinnjetzo das aus vier Ctaffibus bestehende Gymnasium ist , und eineansehnliche stadt-bibliotheck auf einem sehr schönen saale stehet.

Es ist auch allhier ein kostbar erbautes Teulstbes Haus, einFrauen-klostcr von St. Clara ordcn, und ein Schönthaler-hof.Ausser der stadt stund ein dosier und kirche der Carmeliten,welches an. i;oo. erbaut, an. 1632. aber auf des Schwedischen Fcld-Marschalls Horn ordre durch Herrn Obersten Ludwig vonSchmiedbcrq geschleift worden. An der thür stunden die Worte:An. 1442. am tag Marci des Evangelisten haben an die-sem ort wunderwerck anfangen zu leuchten. Es hat auchein wohl erbautes schönes Rathhaus, ,auf welchem ein künst-lich ubrwerck zu sehen. Sehenswurdig ist ebenfalls der soge-nannte Kirchbronn, eine sehr schöne und gesunde quelle, wel-ck von Carolo M. soll demeldter Massen gefunden worden seyn,und durch sieben mcßingene röhre arms-dick in solcher menge her-aus springt, daß in einem tage iü8». hiesige suder heraus lauf-fcn. Ferner ist auch hier ein dem Hertzvge von Würtcmberggehöriger Zehend-hof, und secularisirter Lichtensteiner-Hof, auchein Kaisersheimer - Hof. Der grosse marckt - platz präsentiretsich gar schön , und liegt auf demselben ein langer stein mitdieser schrift:

Der längste stein bin ich bekannt,

Zu Heilt». das wahr-zeichen genannt,

An lange z. zoll und 24. schuh ,

An breit und dick zwey schuh ich thu,

Bin auch zur zier hieher geleit,

Und den Wächtern zum sitz bereit.

In den Französischen kriegen ist diese stadt nicht allein fortist*cirt worden, sondern es wurde auch auf ordre Ihro Durch!.Printz Louis von Baden bey Heildronn ein solch vortheilhaffli«aes retranchemenk gemacht, daß die Franzosen 70000. mannstarck sich nicht unterstunden, die Alliirten, welche nicht wol20000. mann ausmachten, darinn a nzugreiffen , von welcherfortification aber ebenfalls wenig mehr übrig. An. i;88. istdie stadt in dem unglückseligen städte. bunde zwar belagert,aber nicht erobert worden, wiewol sie grossen schaden erlitten.An. 1408. den 24. jan. ist von Bayerischem , Schwäbischem,Fränckischem und Rheinischem Adel ein turnier gehalten wor-den,auf welchem neben Ludwig,Pfaltzgrafen bey Rhein und Ja-cob Marggraftn zu Baden auch Johann Burggrafen zu Nürn­ berg noch 19. Grafen, 16. Freyherren, Ritter, 16;. vomAdel erschienen. An. 1497. ist in dem Bockinger-see ein hecht,welchen Kayfer Fridericus II. den?. vck. an. i2;o. (lautderunter den ohren gefundenen Griechischen schrift an einem meßrn-aen ring) da hineingesetzet, gefangen worden, welcher unter dembrücken-thore auf einer tafel gemahlt zu sehen. An. 1525. habendie rebellische bauren das ausser der stadt gelegene Carmeliter-klo,ster übel mißhandelt, und sind, grossen schaden in den Weinbergenzujvcrhüten, in gewisser anzahl auch in die stadt gelassen worden.An. 15 z z. gieng das alte Rathhaus, welches , ivo ietzo das badbey dem Kirch-bronnen ist, gestanden, und damit das Archiv,nebst vielen schriften im rauch auf. An. 1547. wurde derRath von Carolo V. geändert, auch ein Bürgermeister, derenzuvor vier waren , abgethan. An. 1552. wurde von Carolo V.der Rath , welcher mit dem Gerichte ein Collegium von 52.Personen formirte, geändert, und in drey Collegia getheilet, als1?. in innern Rath , iz. im Stadt-Gerichte, und iz. im äus»sern Rath , welchem neuen Rath die bürgerschafft den 1;. jan.das erste mal gehuldiaet. An. 1584. war der neue wein so wol,feil, daß man viel fasser von geringen alten weinen um ein lee-res vertauschte, auch wol auslauffen ließ, oder zum maurenbrauchte, um den neuen aufheben zu können. An. 1614. istder Unions - tag hier gehalten worden von Chur-Pfaltz , Land»

gras Moritzen zu Hessen , Christian Fürsten zu Anhalt, JohannPfaltzgrafen zu Zweybrücken , Johann Friedrich Marggraftnzu Baden , Joachim Ernst Marggraftn zu Brandenburg undden ausschreibenden städten. An. 1651- wurde sie von denSchweden erobert, an. 16)4. aber von den Kayserl. mit accordeingenommen. An. i< 588 . bemeifferten sich dieser stadt die Fran­ zosen , musten aber auf der Alliirten anzug sie wieder verlassen,und steckten die oben bcmeldte kirche in den brand. Nicht weitvon der stadt an der straffe gegen Neckarsulm stehen bey ,0. stei.nerne creutze, an welchen man hauen, ärte, messer rc. einge-hauen siehet; was solche bedeuten , ist wol den allerwenigstenallhier selbst bekannt,und geben zu verschiedenen ungleichen rela-tionen anlas. Die wahre geschichte aber habe man in einem ma-nuscripto also beschrieben gefunden: Vor 200. jähren habenauswandernde handwercks-bursche fpiellenthe und burgers-töch.ter mit sich dahin genommen, und allda getantzt; als aberverschiedene wein-gärtner und knechte aus dem felde auf demweg nach Haufe dazu gekommen, und die frcude stören wollten,ist es von den Worten zu einem solchen Hand-gemenge gekommen,daß ein jeder seinen bey sich habenden handwercks-zeug zumschlagen gebraucht, und also über einander so verbittert wor-den , daß, ehe die wacht dazu gekommen, von 47. Personennur noch 9. beym leben geblieben, aber also zugerichtet gewesen,daß noch 4. davon gestorben , die übrigeaber kümmerlich cu»rirt worden. Bey der St. Kilians-kirche über den handwcrcks-laden ist auch ein alter Römischer mauer-brecher oder bock (aries)«o.schuh lang zu sehen,der vorncn mit eisen sehr starck beschlagen,und an beyden feiten viel eiserne rinae hat, an welchen die stür-mende denselben hielten und anstießen. Es hat ehemals einenahmhaffte synagoge hier gehabt, deren erbaming noch unlängstan einer nun eingcrissenen mauer mit Hebräischer schrift bemer,cket war, die auf Teutsch heißt: Siehe Moses Eljakimssöhn hat diesen bau aufzuführen anczefangen im monatAdar des n7ten jahrs (wordurch aber die niedere zahl zuverstehen ) und steht noch daben eine andere Hebräische schrift,auf Teutsch : Gut stern und glück kommet oft undviel. Diese Nachricht miteinander uk aus manuscriptis & do-cumentis extrahirl , und von guter Hand , um in das Lexiconeingebracht zu werden, übersandt worden. Sonsten sind aiichvon dieser stadt wohl zu lesen Crusit annales Suev. Zeillers be-sthreibung Schwabcnlands. K»ipscbild. de civil. Imper.Mfriani topogr. Suev. *

Heilbrunner, (Jacob) wurde in dem Würtembergischendorfe Ebertingen an. 1548. gedohren. Sein vatter war Hft-ronymus Hcilbrunner, ehemals Pfarrer zu Lausten, nach»maliger Superintendent des Capituls zu Vaihingen . An. 1561.wurde er von dem Hertzoge zu Würtcmberg unter ke Alumnoszu Stuttgard aufgenommen, bis er auf die Tübingische Aca-demie ziehen konnte. An. 157;. wurde er mit Polycarpo Lyserovon deut Hertzoge zu Würtcniberg in llntcr-Oestcrrelch geschickt,und zu Wieiffvön den Lands-Ständen und andern empfangen,auch gleich nach seiner ankunft um eine predigt angespro-chen, welche er noch denselbigen tag aus dem 110. Psalmvon dein lcyden und der aufcrstehung JEsu Christi hielt. Allhiersprachen die Jesuiten häufig den ihm ein, und befragten sichmit ihm wegen der religion. Weil aber diese besuchung etwas

gefahr.