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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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garetha verliebt, und mochte von ihr auch nicht gehaßt wer-den , welches aber dem Könige um vieler ur,achen willen nichtanstund, wie er denn deswegen beseht ertheilt, den von Gutftauf der jaqd hinzurichten. Solches ward ihm jedoch verkund-schafftet, deswegen er sich an. 1570. über hals und köpf mitEaiharina von Cleves vermählte, dem ungeachtet aber seineliebe gegen die Printzeßin von Franckreich nicht ablegte, undselbige an dem tage ihrer Vermählung mit dem Könige vonNavarra dergestalt blicken ließ, daß der König dadurch abcr-mal zum zorn bewogen ward. Indessen half er eifrig anUnterdrückung der Hugonotten arbeiten , und hatte nicht nuran allen den geheimen anschlagen theil, die wegen der Pari-sifchen blut-hochzeit gemacht worden , sondern eS ward ihmdas commando bey dem gantzen blut-bade aufgetragen, wel-ches er mit vieler grausamkeil führte, und den ersten anfall aufdes Admirals Wohnung that. Folgends suchte er seine gemaltund ansehen je mehr und mehr zu bcvestigen < und hieng sichanfänglich an des Königs andern bruder Henricum, weil der-selbe der Catharinä von Medicis liebster söhn war, gewannihn auch dergestalt, daß selbiger fast nicht ohne den Hertzogleben konnte. Er galt auch in der that am Hofe sehr viel ,und erhielt sich baden, obgleich zuweilen Cathartna von Me-dicis feiner allzugrosscn gemalt überdrüßig ward, und Carl IX. zuletzt nicht übel willens war, sich des Guisifchm Hauses undinsonderheit dieses Hertzogs zu entledigen, dessen zorn aberdurch einen frühzeitlgen tod an seinem ausbruche gehindertworden. Im anfange von Henrtci III. regierung fuhr der Her­ tzog fort am Hofe dle gröste gemalt zu haben, indem er desKönigs vollends durch seine Lothringische gemahlin mächtigward, Catharina von Mebiciü aber seiner wegen der Unru-hen nicht entbehren konnte, die ihr von ihrem jüngsten söhneund dem Könige von Navarra bevor stunden. An. 157;.schlug er bey Chateau-Thierry einige Teutsche hülfs-völcker, wel-che dem Hertzog von Alengon zugeführt wurden, bekam aberdabey eine so tiefe wunde in das gesichte, daß man ihn her-nach deswegen nur le Balafre nennte. Allein die Vertraulich-keit mit dem Könige veränderte sich nach einiger zeit, da Hen-ricus III. auf die macht des Guisifchen Hanfes eifersüchtig zuwerden anfieng, und seinen lieblinqen wider den Hertzog vielgehör gäbe. Deswegen dieser andere stützen suchte, sich anSpanien und das Catholifche volck in Franckreich hieng, undunter dem vorwande, daß der König den Reformirten zuviel nachgegeben, zu Vertheidigung des glaubenü an. 1 ^ 6 . diesogenannte Ligue auf das rapel brachte, nachdem er den Hofmißvergnügt verlassen. Unter diesem scheine aber suchte erseine eigene und seines Hauses Vortheile, die er durch unter»haltuna der innerlichen Verwirrungen am besten zu befördernmeynte, deswegen er alles, was unruhig war, an sich zog ,keinem aber sich gantz vertrauere, sondern einen jeglichen vonseinem vorhaben etwas beredete, dadurch er ihn am besten zugewinnen meynte. Von derselben zeit an entstund zwischenihm und dein Könige ein tödllicher haß, der bey allen gele-genheiten ausbrach. An. i;8°. hatte der Hertzog einen an-schlag auf die stadt Straßburg ; allein der König warnte dieStraßburger, und also ward derselbe zu nichte. Im gegen«theil arbeitete der Hertzog unter der Hand mit Spanischemgelde, schmeichelhasften beredungen und verhaßten Vorstellun-gen von allen thaten des Königs, an dessen verderben , undnachdem das feuer lange in der asche geglimmet halte, braches endlich an. i;8;. mit gemalt aus, da Guise sich öffentlichals das Haupt der Ligue erklärte, und den König nöthigte,wider die Reformirten die Waffen zu ergreiffen, und ihm, wenner friede vor der Ligue haben wollte, viele Vortheile einzuräu-men. Vornemlich aber ließ er sich eine besondere armee un-tergeben, mit welcher er sich in Chamvagne veste setzte, den Her-tzog von Bouillon bekriegte, und hernach die Teutsche armee,die den Reformirten zu hülffe gekommen war, schlug, und siebis auf Mümpelgard und die Elfaßuche grentzen verfolgte.Nach dieser that ward der Hertzog überall von dem volckbis in den Himmel erhoben. Der Papst schickte ihm einschwerdt, darauf feuer-flammen gegraben waren, und derHertzog von Parma seine rüstung mit dem compliment, daßunter allen Europäischen Printzen keiner würdigsey, «passen zutragen, und die kirche zu vertheidigen, als er. Man will auch,daß er an. is87- in grosser Heimlichkeit und verkleidet einereise nach Rom gethan, allwo er sich nur drey tage aufgehal-ten , und mit dem Cardinal Pelleve rath gepflogen. Mit demiahre 1; 88. wurden die Ligisten so übermüthig, daß sie sichdem Könige fast öffentlich widersetzten, und anschlüge wider ihnmachten, daher derselbe endlich beschloß, die sogenanntenstchzehncr, welche Paris aufwiegelten, zu gebührender strafezu ziehen. Allein diese rüsten den Hertzog von Guise zu hülf-fe, welcher auch, ob ihm gleich der König befohlen , zu Sois-svns zu bleiben , den 9. may an. is88. zu Paris ankam, undmit unglaublichem zurnf von den eimvohnern empfangenward. , Er demüthigte sich dem äusserllchen ansehen nach vordem Könige, lief aber in grosse gefahr seines ledens, weil derKönig mehr als einmal willens war, ihm vom brodt helffenzu lassen, davon ihn aber des Königs unentschlossenheit, sei-ner leuthe muth und des volcks offenbarer anhang besreyten,gestalt denn die Pariser dereinst den garten, darinnen Gmsemit dem Könige war, umringten, und auf die mauren stie.gen, um zu sehen, was mit ihrer stütze, wie sie ihn nennten >

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vorgienge. Gleich daraufkam es zu den barricaden in Pa­ ris , welche Guise, wiewol er sich öffentlich nichts mercken ließ,doch in geheim angestellt; dadurch wurden die Königlichen f»ins enge gebracht, daß der Hof des Hertzogs Vermittelung beyden Parisern suchen muste. Er ließ dabey seine gewalt, die erüber das volck hatte, zur gnüge sehen, that aber doch, als ober derselben nicht mißbrauchen wollte, sondern erklärte sich,dem Königlichen willen in allem uuterworffen zu bleiben, wennman ihm genügsame sicherheit für die religion lind für seineeigene person schaffte. Er spannte aber diese forderungen sohoch, daß der König darüber aus Paris wich. Hierauf rich.tete der Hertzog das regiment in dieser stadt zum besten derLigue ein, und bemächtigte sich der lnnliegenden Plätze. End-lich nöthigte seine gewalt den König, baß er sich mit ihm ver-gleichen, und wider die Hugonotten abermals vereinigen, jagar den König von Navarra auf gewisse masse von der Cron«folge ausfchlteffen muste, dabey dem Hertzoge zugleich, wie-wol unter dem titul eines General-Lieutenants ä'sscar , sogrosse gewalt bey den armeen verliehen warb, als sonst derConnetable zu haben pflegt. Hierdurch erwarb er sich beyallen, die mit religions-eifer eingenommen waren, vollendsgrosse Hochachtung, so gar , daß ihn der Papst in öffentliche»schrelben Mlt den Maccabäern verglich. Damals mcnnte man,soll sich der Hertzog in köpf gesetzet haben, mit Unterdrückungdes Bourdonischen Hanfes selbst auf den thron zu steigen, wiedenn verschiedene schristen an den tag kamen, darinnen dasrecht der Lothringer an die Cron Franckreich nach ihrer ab-siammung von den Carolingern ausgeführt ward. Indessenwar Guise wieder nach Hof gekommen, allwo der König under einander mit verstellter freundlichkeit bezahlten. Allein kei-ner traute darum dem andern, und Guise wollte mit fleißnicht wieder vom Hofe weichen , damit er den König so vieleher in Händen behalten möchte. Währender zeit wußte er eSdurch seine creaturen dahin zu bringen, baß zu der Heranna.henden Versammlung der Stände meistentheils Deputirte vo»seiner partey erwehlel wurden. Auf diese weise halte er zweydrilkheile von den Ständen in seiner gewalt, und der Königmerckte an den unleidlichen forderiingen derselben wohl, wo-her sie ihren Ursprung hätten, rnmassen sie durchaus verlang-ten , daß Guise zum Connetable möchte erklärt werden, wo,bey der König a»ich noch entdeckte, daß er mit dem Hertzogevon Savvyen, der damals die Marggraffchafft Saluzcs einge-nommen, unter einer decke läge, zu geschweige», daß Klüsedem Könige von tag zu tage hoffärriger zu begegnen anfieng.Über das alles war der Hertzog seinen eigenen verwandtenund sonderlich seinem bruder, dem Hertzoge von Marne,mit demer sich kurtz vorher wegen eines ftauenzimmers soll gezanckthaben, unerträglich worden, daher sie selbst dem Könige al.lerhand feindselige Nachrichten gegen ihn einschickten, derden» auch endlich beschloß, den Hertzog aus dem wcge zu räu-men. Dieser ward zwar vielfältig davor gewarnct, er schlugaber alles in wind, weil er von seiner erlangten macht zu schceingenommei, war, und sich nicht einbilden konnte, daß de»König ihn anzugreiffen wagen würde. Er war so sicher, daßer noch die nacht vor seiner ermordung, ungeachtet er fast al-le stunden neue Warnungen empfieng, mit einer gewissen Da-me der liebe pflegen konnte. Als er aber den 2;. dec. an.1588. des morgens in die Raths-versiimmluiiq kam, ward erzum Könige in sein cadinet beruffen, unterwegens aber nachden vorher gemachten anstalten von den tradanten des Kö-nigs , so man die 4z. Edelleuthe nennete, und welchen er dochnoch unglaublichen widerstand that , ohngeachtet er seinen de-gen nie zucken konnte, ermordet. Seinen cörper hat man,damit , ihn die Ligisten nicht auf abergläubische weift mißbrau»chen könnten, zerstucket, daS fleisch in ungelöschtem kalck vcr.zehren lassen, und die gebeine verbrannt, wiewol der Königfeine mutier mit vielen detheurungen versichern lassen, daß erbegraben sey. Er hinterließ ausser einer lochter, die an denPrintzen von Conly vermählet worden, Carolum, Hertzog vonGuise; Ludovicum, welcher Cardinal worden; Claubium ,Hertzog von Chcvreust, und Alerandrum Paris, der nach sei-nem tobe gedohren war, und sich unter die Malthescr - Ritterbegab. Es war dieser Hertzog von Guise sonst von gantz vor-treflichen eigenschaffken. Er sahe sehr wohl aus, und könntesich fo geschickt stellen , dnß es ihm leicht war, aller menschengemüthcr an sich zu ziehen. Er erzeigte sich gegen icdermaafreundlich und fast ohne maas freygebig, er liebte ben pracht,und siel den leuthen gern in die äugen, er war oft auch ge-gen seine feinde großmüthig, aus allen schwicrigkeiten wußteer sich auf das geschickteste zu wickeln, und sahe man ihin be-ben vcrwirrtesten umständen keine unruhe an; vom kriege befaßer nicht nur gute wissenfchafft, sondern war auch, wenn eSzum Handgemenge kam, ungemein tavfer, in Staats - fachenaber wohnte ihm eine so sonderbare fährgkeit bey, daß er, foviel ihm auch auf dem halft lag, solches alles doch oyne de-schwerung besorgte. Hingegen war er von einem ungemesse-nen ehrgeitz, um deswillen er alles that, und wie es die Ligi-stifche reiten ausgewiesen, auch kein bedencken nahm, die un-rechtmäßigste dinge vorzunehmen. Es machte ihn diese nei-ung überaus arglistig und voller Verstellung, so da» manch auf sein wort und gute mine nicht gar sehr zu verlostenhatte, welches zuletzt viel von seinen freunden von «hm ab-wendig machte. Dabey aber ließ er sich durch sein glück und