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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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des volckS gunst zuletzt den köpf schwindlich machen, daß ernicht mehr mit solcher behutfamkeit, wie im anfange, mit sei-nem vorhaben fortfuhr, und dadurch feinen Untergang selbstbeförderte. Er befaß auch viel ncigung zur Wollust, war stetslustig, und hieng «onderlich der liebe zum fraucnzimmer ge-waltig nach, wiewol ihm dieses zu seinem zweck zugleich vielgehvlffen , indem ihm von den Damen diewichligsten geheim-nisse offenbaret wurden. Ob er nun wol auf diese weiseseiner gemahlin schlechte färbe hielt, konnte, er doch ihre lie-bes-händcl nicht wohl vertrage» , und ließ einen von ihrenliebhabcrn, St. Maiqrin genannt, heimlich hinrichten, ihrselbst aber richtete er einen gewissen tranck zu, mit dem vor-geben , daß es gift sey, wiewol es nicht dem also, und vonihm blos zum schrecken also angestellet war. (Stehe Henri-cus III. König in Franckreich, ingleichen L 1 GUE.) Thuanut.

Meieray. 1. Daniel. DAvtla. Journal de Henri III. Bayle ,critique de lhist. du Calvin, de Maimburg, tom. 1. lerer. ;.Bayle , Diction. *

Henricus II. von Lothringen , Hertzog von Gusse, war Ca-roli Hertzogs von Guise söhn, und an. 1614. gebohren, einHerr, dessen leben wegen vieler Ritterlichen abenlheuer be-rühmt ist. Ob er schon bey lebzeiten seines ältern druders-zum geistlichen stände gcwiedmet ward , auch viel reiche Ab-teyen und so gar das Ertz-Bißlhum Rheims bekam, wollteer doch, weil er immer eine grosse Neigung zu weltlichen din-gen bey sich empfand , sich niemals weyhen lassen, sondernließ sich mit der Printzeßin Anna von Gonzaga in ein ehe - Ver-löbnis ein, um deswillen er seine Äbteyen nebst dem Ertz-Bißthum Rheims aufgeben, und sich nur die Abtey St. Remi-gii behalten wollte. Allein, weil ihm hierinn der Cardinal Ri­ chelieu zuwider war, begab er sich gantz mißvergnügt nach Se-ban. Er legte gleichwol nach seines ältesten druders tobe dengeistlichen stand völlig ab, und folgte also hernach seinem vat-ter in dem Hertzogthum Guise, Fürstenthum Jomville undGrafschaffl Eu. Hingegen verwickelte er sich in verdrieslicheHändel, indem er sich mit dem Grafen von Sotssons, Hertzogevon Bouillon und den Spaniern einließ, welches ihn nachdem tode des Grafen, da der von Bouillon frieden machte,seinetwegen aber der Venetiantsche Gesandte vergeblich bemühetgewesen war, nöthigte nach Cöln zu gehen, dahin ihm zwarseine obgenannte verlobte in manns-kleidern folgte, die eraber, weil er seinen sinn schon gegen sie geändert, nun nichtmehr annehmen wollte. Er war untcrdeiien zu Paris als einverräkher verdammt worden, und brach von Cöln nach Brüs­ sel auf, wo er seine meiste zeit bey der Hertzogtn von Chr-vreuse zubrachte, die ihn aber, um dem Ertz-Hertzog LeopoldWilhelm, von dem sie sich geliebt wissen wollte, keinen Ver-druß zu erwecken, mit der verwittibten Gräfin von Bossu inbekannkschafft brachte. Weil er nun derselben öfters aufwar-tete , und sie sich mit ihm zu verheurathen wünschete, brachtesie ihn dereinst dahin, daß er ihr sie zu ehlichen versprechenmuste, dabey sie ihn denn also übereilte, daß sie den äugen,blick von einem darzu bestellt gewesenen Gastlichen zusam-men gegeben wurden. So sehr als man wünschte, daß die-se Heurath verschwiegen bleiben möchte, brach sie doch aus,desivegen ihin das von den Spaniern versprochene jahr-geldausblieb, auch die kriegs-dienste, so ihm unter der Kayserli-chen armee zugesagt waren, abgesagt wurden. Dieses aberbewog ihn seinen feinden zum verdruß die Gräsin nun öffent-lich vor seine gemahlin zu erkennen, und sich mit ihr erstlichnach Holland , von dar aber nach Lüttich zu begeben. Nachdem tode deö Cardinals und des Königs Ludwigs XIII. warder durch einen Parlements-schluß vor unschuldig erklärt, undkam an. 164;. wieder nach Paris , daselbst duellirle er balddarauf wegen einer Dame mit dem Grafen von Coligny ,den er überwand, dessen ungeachtet aber doch der gerechtigkeitnicht aus dem wege gieng, sondern in den folgenden feldzuge derervberung Grävelingen beywohnte, und hernach die General-Lieutenants-stelle unter dem Hertzoge von Orleans würde an-genommen haben, wofern er nicht unter dem Marschall vonGaßion hätte stehen müssen. Gleichwol mochte dieser Handelzum theil ursach seyn, daß er an. 1646. nach Italien gieng,wiewol er dazu auch noch eine andere Veranlassung bekam.Denn weil er der Gräfin von Bossu feind worden , und sichin Mademoiselle de Pons aus der Königin frauenzimmer ver-liebt hatte, wollte er seine scheidting von der Gräfin zu Rom persönlich suchen,darinnen ihn aber die Französischen Gesandtengewaltig hinderten. Bey solcher seiner anwesenheit in Rom kam ihn eine lust an, sich in den damals Neapolitanischenaufruhr zu mengen, und erhielt auch endlich nach einigen ver-geblichen bemühungen so viel, daß der schwürige pöbcl da.selbst sich entschloß, Französischen schütz, und ihn zum an-führet anzunehmen, wozu ihm die Französischen Gesandten undKardinäle auch riethen. Er bedung sich zwar dabey ausFranckreich eine flotte mit 4000. mann zu fuß und 1500. zupferde nebst nöthiger Munition und 200000. krönen an gelb,wartete aber auf keines, sondern gieng, nachdem er zu Rom eine kleine summe von einem kaufmann empfangen,, mitschlechter begleitung nach Neapolis , da er auch nach über,stehung gefährlicher abenlheuer, wie zum wenigsten er selbstin seinen Memoires die fache crzehlet hat, mitten durch dieSpamsche schiffe und galeeren, die ihm aufzupassen bestellt

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waren, tn einem kleinen fahr-zenge durchlief, und zu ende deSlahrs 1647. ankam, und ward von dem volcke unter vielenfreuden-dezeugungen zum Generalißimo und Vertheidiger ih-rer freyheit unter Französischen schütz ausgeruffen, und sollteeben so viel bey ihnen bedeuten, als der Printz von Oranien"'den vereintsten Niederlanden. Allein er ließ sich eine un-zeilige begierbe ankommen , Neapolis vor sich zu behalten ,und meynte, weil er am anfange ziemlich glücklich gewesenwar , daß er schon einen Konig daselbst bedeutete, deswegencr emen seiner verwandten schon mit vollmacht stach PariS schickte, die Mademoiselle de Dons in seinem nahmen zu Heu,rathcn. Dadurch aber warf er nicht allein den Französischen Hof aus der wiege, und machte, daß er ihm nicht aufrich-tig hulffe leistete; smmalien die flotte, so seinethalben auf denNeapolitanischen kusten ankam, doch in geheim beseht habenmochte, nicht gar viel für ihn zu unternehmen) sondern errechte auch das volck von Neapolis gegen sich, welches seinerlos zu werden unterschiedene anschlüge n,achte. Endlich warder von denen, welchen er sich am meisten vertraut, verra.then , die ihn zu einer Unternehmung ausser Neapolis veran.laßten, worauf die Spanier, so sich bis dahin noch inden schlossern gehalten und gewehrt hatten, in seiner ab.we,enheit die stadt fast ohne gegenwehr eingenommen. Dochmachen andere die fache noch weniger reputirlich für diesenHerrn, indem sie versichern wollen , daß selbiger von einerDame, die er geliebt, und welche mit den Spaniern einheimliches Verständnis gehabt, herangelockt, und also recht,wie Simson von der Delila, seinen feinden wäre verkauft wor-den. Dann so bald das gerächt von Überwältigung NeapoliSunter die bey ihm gehabte lcuthe kam , ward er von fast al-len Italränern verlassen, und die kleine anzahl Franzosenwurde sowol von dem land-volcke, welches bey dieser gelegcnheitauch zum gewehr gegriffen, als auch von den Spanischen parleyen dermapen in tue enge getrieben, daß sich schier al-les muste gefangen geben , unter welcher zahl er selbsten war.So sehr sich nun d»e Spanischen Ministers ihn um das lebenu bringen bemühelen, wollten doch die dem Don Juan d'Au,iria zugegebene Rathe , und Don Ina» selbst nicht einstim,men, und ward also der Hertzog , dessen sich über diß auchInnocentius X. annahm, von Capua auf der see nach demschloß zu Gaeta gebracht , wo er sich ohngeachtet des ihmvorgestellten todes-schreckens, immer lustig erwies. Auf.ntglichen befehl ward er endlich an. 1649. nach Spanien ge-führt , wo er zu Segovia bis an.;r. im gefängnis geblie-ben , da »hm der Pnntz von Conde ohne ranzion seine frey.heil bey dem Könige verschafft. Das absehen mochte aus Spa-nischer feite wohl seyn , durch ihn in Franckreich zum Vor-theil des Printzen von Conde einige Unruhe zu erwecken; alleiner nahin sich dessen nicht an, theils aus haß gegen die Spa-nier, theils aus danckbarkeit gegen den Französischen Hos,der seinethalben 4000. gefangeste Spanier los ließ, theils auch,weil er nach seiner Wiederkunft «nehr an liebes-händel als ernst,hasste fachen gedachte. Er setzte nemlich anfangs seine liebegegen Mademoiselle de Pons öffentlich fort, und gab ihr alsseiner braut kostbare qeschencke. Nachdem er aber aus eilt*chen aufgefangenen briefcn erfehen, daß sie ihm nicht färbehielt, fieng er mit ihr einen proceß an, und wollte seine ge-schencke wieder haben. Allein er verlohr denselben, und dar-über wollte er sie in ihrer Wohnung überfallen ; sie wichihm aber aus, und verließ nach einiger zeit gar das König-reich. Hierauf that der Hertzog an. 16*4. noch einen züzzur see nach Neapolis , konnte aber wegen schlechten an staltenauf seiner flotte, und weil es den Franzosen mit diesem han»bel kem rechter ernst seyn mochte, nicht vesten fuß fassen.Nach seiner Wiederkunft «n Franckreich, fieng er Mademoisellede Gorci an zu lieben, die ihm auch, ob sie gleich nicht sei-ne gemahlin hieß, getreu vechlieb, und nach seinem tode inein Carmeliter kloster gieng. Er aber ist von derselben zeitan mit nichts anders als mit Ritter-spielen und der Prachtdes Hofes beschäfftiget gewesen , an welchem er nach seinesdruders, des Hertzogs von Joyeuse, tode Ober-Cämnierer wvr.den war. In solcher bedienung starb er zu Paris den 2. ,un.an. 1664. ohne leibes-erden zu lassen, wie er auch nie rechtvermahlt gewesen, ob er gleich seine maitressen wie gemah-liimen hiell. L>onst war er ein Herr, der in leibs - und ge«müths-gaaben viel an sich hatte, so in die äugen fiel, sich auchgern durch prachl und Helden-thaten sehen ließ, aber in al-lem seinem vornehmen etwas suchte, das den abentheucrn derumschweifendcn Ritter gleichkam. F:i.nWn.s'm. MemoiresdnDuc de Guise. Anatme, hilt. des grands Offic. Memoines deMontresor. Grammond, liv. VIII. Intrigue! galantes de la Cour ttom. II. Amelot de la Houjsaye, notes hist. & polit. für Tacite.Gualdo , hist. des revolut. de Naples. Prtolta, üb. VIII. Ham-

bürg. hist. rcmarqu. an. 1699- Bayle. *

Henrtcus von Lothringen , Graf von Harcourt, rc. Sieh«unter Harcourt.

Senricus von Lothringen , Hertzog von Mayenne und Ai-gniuon, Pair und Ober-Cammer - Herr in Franckreich, warRitter der Köniql. orden, und Gouverneur von Guyenne, Hcr-tzogs Caroli von Lothringen ältester fohn, von der Henriettavoi» Savoyen . Er war den 2. dec. an. 1578. zu Diion geboh»reu, wohnte Königs Ludovici XIII. crönung an. 1610. bey,

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