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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Fiderius, ein Papst, war von geburt ein Romer, undfolMNnTer Päpstlichen würde dem Julio l. an.; 5 2. So balder diese würde "rbalten, »ahm er sich des Zustandes der kirchegar eifrig an, und obgleich die Orientalischen Bischöfe, d,e esmit den Ariancrn hielten, sich deMuheten , ihn auf ihre fette,n bringen, so schrieb er doch wieder an sie, daß er keineswegesmit ihnen halten, noch weniger Athanasium verdammen konnte,welchen feine feinde mit allerhand »»gegründeten auflagen beydem Libcrio verhaßt zu machen sich bemühet hatten. An.wurde er von dem Kaystr Constantio nach Mayland beruffen,der ihn bald mit allerhand Vorstellungen, bald mit verhels-snngen , bald mit drohungcn aufdie Arianischc partey zu ziehensuchte. Allein weil Liberius beständig und gantz unbeweglichwar, relegirle er ihn »ach Beroeam, ein« r stadt in Thracren,und Acacius L«lareen68 ließ den ArLkläiALonum ^elicem,der z>var der rechtgläubigen religion zugethan war , doch auchkein bedencken trug, die Arianer in die gemeinschafft der kirchemit aufzunehmen , an seine stelle zum Bischof verordnen.Da nun Liberius zwey jähr in dem exilio zugebracht, wollteihm endlich die zeit zu lange werden, und wurde sein Verdrußnicht wenig vermehret, da er Felicem an feine stelle aufdem Römischen stuhle sehen muste. Dannenhero eines theilsdie Versprechungen , andern theils die bedrohungen der Arm«ner desto leichter einen eingang in sein gemüth gefunden , so ,das; er endlich an. ,57. die Verdammung des Athanaili, unddas glaubens-bekännlnis, welches ihm die Arianer vorlegten,unterschrieb: Was dieses für ein glaubens-dekänntnis gewe-sen , davon sind unterschiedene meynungen, doch ist zu mcr-cken , daß er zweymal unterschrieben, einmal da er nochzu Beroea in dem exilio war, worzu ihn insonderheit Demo-phllus bewegte, dann auch zu Sirmio, wohin ihn der Kay-jer Constantius beruffen ließ. In der ersten unlerichreibungist dieses zwar ausgemacht, daß ihm das 8ymb»Ium 8ir-micnse ist vorgeleget worden. Allein es befinden sich dreySymbola, die in der stadt Sirmium von den Arianer» undverfertiget worden. Das erste an. ;;i. wider Photinum, wel-ches von Hilario , und von andern für orthodox gehaltenwird. Aufs wenigste wollen einige, daß nur blos das Wortconsubstantialis darinneff mangele. Das andere ist dasjeni-ge, welches an. 3,7. Osius untersthrieben, und darin» dergreuel der Arianischen lehre gar deutlich ausgedrucket war;denen noch hinzu gcfüget wird dasjenige, welches an. 339.Marcus Arerhullus verfertiget, welches dem Ooncilio Ari-minensi ist exhibiret worden. Daß das dritte 8ymboIuinnicht könne verstanden werden, ist ausser allem streit.Was aber die beyden erstern anlanget, wollte zwar Baro-nms und andere gerne beweisen, daß Liberius das allererstesubscridiret, damit er nur einiger Massen dessen grossen verfallzur ketzerey der Arianer beschönigen möchte. Andere aber wol-len darthun, daß es allerdings das andere 8ymbolum gewesen,welches Liberius unterschrieben, und daß er sich also deutlich zudem grösten irrthum der Arianer bekannt habe. Andere findensowol bey dem ersten als bey dem ander» Symbolo noch grossefchwierigkeiten, und wollen deninach behaupten, daß man nichteigentlich wissen könnte, was es vor eine formul gewesen, wel-cher Liberius subscridiret. Nicht weniger aber wirb auch ge-stritten , was es vor eine formul, welche Liberius zu Sirmiumin gegenwark des Constantii unterzeichnet. Dv viel ist ausge-macht , daß er zu beyden malen eine solche formul unterschrie-ben , die ausser streit die Arianischc lehre in sich begriff, denn sol-ches bezeugen die kirchen-scridenten einhellig, und schellen Libe-rium aufs heftigste deswegen aus , ohne daß er sich je dieser de,schuldigung deutlich entladen. Auch weiß man >a genug vondem heftigen etfer des Kayses Constantii für den Arianischenirrthum, welchem zu folge dieser einen Bischof, den er an-fänglich darum entsetzt, weil sich derselbige nicht wollte fürgut Arianisch erklären, nachmals nicht so leicht wieder wurdein sein Bißthum eingelebt haben, wo sich der nicht nach sei-nem willen erkläret hätte. Da nun Liberius solche Unter-schrift an. 338. zu Sirmio verrichtet, chal er solches in einemschreiben den Orientalischen Bischöffen, und insonderheit demUrsatio und Valenti kund. Hierauf kam er »ach Rom mit grossem triumph, und wurde von dem volcke mit freu-den aufgenommen, Felix hingegen von dem Rath und volckeaus der stadt vertrieben. Was dieses bey den rechtgläubigenfür eine grosse alterakion verursachet < ist leicht zu erachten, undhat sich insonderheit Hilarins Pictaviensis sehr eifrig wider ihnbezeuget, so daß er ihm als einem Apostatas das Anathemaangekündiget, und bemühet sich Barvnius vergeblich zu be-weisen , daß diese worte von jemand anders in den text desHilarii eingeschoden worden. Einige wollen fürgeben , daßer diesen seinen fehl-tritt wiederuin verbessert, und nicht alleinsolchen bereuet, sondern auch das Ariminensische glaubens - be-känntnis verdammt , und ein schönes glaubens - bekänntnisan Athanasium geschickt, welches zivar unter seinem nahmennoch heutiges tages vorhanden ist, davon aber, ob es auf-richtig sey, noch gezweifelt wird. Er lebte nach seiner Wie-derkunft noch 9. iahr» und starb den 24. fcpt. an. ,66. Atba-najius , epist. ad Solitar . Hilarius , in fragm. column. 426.Epiphanius, haeres. 75. Baß/ius, epist. 74. Ambrosius , üb. VI.devirg. S.Hierouymui & Marccümus , in chron. Theodaretus,jib. II. Rocrates, lib. II. Sozomenut , üb. IV. Anastaßus. Onu-jibrius. Cusccomut. Platina. Du Chlne , in vit. Laberii. Barg.

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»tut, ad an. 332. seq. Godeau , hist. eccles. Hermantiui , j ftvit. Athanas. lib. VII. VIII. seq. Dacherius, in spicileg. tom, V.p. 3,4. Heideggerur , in hist. Papat. La Pincette , in obs. hist!eccles. P. polier, obs. 4. Cave , &c. *

LIBERTAS, oder die freyhett, wurde von den Römernals eine göttin verehret, und hatte ihren tempel zu Rom . DieGriechen verehrten sie gleichfalls unter dem nahmen Eleutheria.Sie wurde unter der gestalt einer weiß - gekleideten weibs-personabgebildet,welchen in der rechten Hand einen scepter,in der linckmaber einen Hut hielte, und kommt sie auf diese weife auch inverschiedenen alten müntzen vor. Was aber die katze antust,weiche einige zu den füssen der freyhett gemahlt legen; so ha-ben die Alten davon nichts gewußt, und kommt es lediglichvon einer neuen eindildung her, so davon entlehnet ist, daßdie katzen vor andern thieren die freyhett lieben, und fast nichteingeschlossen bleiben wollen. Wenigst sollen die allen Bur.gunder aus dergleichen Ursache diß thier unter ihre feld-zeichengesetzt haben. Cicero , pro domo. Rip s, iconolog. Angc.nshist. Aug. p. 268. Struv. syntagm. antiq. Rom . *

Ü ibertat, (Petrus ) hat sich in der Historie durch seine treurvor den König Henricum IV. bekannt gemacht, indem er Mar­ seille , welches unter allen in der Istgue gewesenen (labten sichdessen regierung am hartnäckigsten widersetzt hatte, und im be-griff war, sich gar an Spanien zu ergeben, durch einen so klugangestellten , als hertzhassr ausgeführten anschlag wieder un«seinen gehorsam gebracht; weswegen ihm auch dasilbst (inestatue ausgerichtet worden , und sein gedächtnis noch heut zutage allda gefeycrt wird. (siehe gasaux.) Mezeray , in Henr.iv.

Soie>i, hist. de Marseille . *

LIBEK Tl, hiessen zu Rom , welche zuvor knechte gewestn,und nachgehends per imimimistionem frcygelasscn waren.«Oie konnten aber zu dieser freyheit auf verschiedene art gelan-gen. Wenn sie ihrem Herrn redlich gedient hatten , so ließ ersie von freyen stücken los. Manche hatten sich auch wol soviel geld verdienet, oder noch eigentlicher zu reden, von ihremdemenso oder dem wenigen, so ihnen zu ihrem täglichen un-terhalt gereicht wurde, ersparet, (als welches ihnen zu thunerlaubt, und das also zusammen gelegte geld peculium genen-net wurde) daß sie sich dainit selbst los kaussen konnten; oder siesteckten sich hinter einen von ihres Herrn guten freunden, daßer eine vorbitte vor sie einlegen muste. Sonderlich aber pgeg-ten viel eine grosse anzahl ihrer gewesten knechten durch ihre te.stamenter frey zu lassen, weil sie doch deren für sich selbst nichtmehr vonnölhen hatten z welche freyheit aber, weil durch diegrosse anzahl solcher freygeiassenen, welche mehrentheils gararm , und aus dieser Ursache geneigt waren, Händel und Un-ruhe anzufangen , durch Augustum eingeschränckt worden.Sie blieben aber mehrentheils in ihrer Herren familie, undhatten von ihren Patronen den gefchlechts-nahmen; zu welchemsie, um den nöthigen unterscheid zu machen, ihren vorigen nah-men , als einen zunahmen, setzten , als zum exempel des liiee-ronis zivey knechte Tiro und Laurea hiessen nach ihrer freylas-sung M. Tullius Tiro, und M. Tullius Laurea. Wenn ihrHerr starb, so giengen sie vor dem sarge her, und hatten pileos,als das zeichen der freyheit auf ihren Häuptern. Die Liberi, derKaystr wußten sich mehrentheils so auszuführen, daß ste jugrossem ansthen und vermögen gelangeten. *

Bey den Golhen, Francken und Longobarden hatte man ebe-ner Massen Libera« , welche aber, Ivie die Römischen, ihrerfreyheit ohngeachtet, ihrem Herrn oder kirche», oder wem stesonst zugehörten , immer noch dienste thun muste». PitijM.

Du Freine.

LIBERTINI , waren eben so viel als Liberd , ohnerachllteinige Gelehrte den unterscheid machen wollen, indem ste jagen,die Üben, wären selbst knechte gewesen, und deren ihre kinderhiessen Libertini. Doch ist viel gewisser, daß der nähme Lider,t, gebraucht worden, wenn man sie ihren l'anorns oder zuvorgewesenen Herren hat entgegen setzen wollen ; hingegen dernähme Libertini, wo man ihren stand andeutete, mit gegen,satz auf die sogenannte Ingen uo§, das ist: freye unbwitfreyen gebotene. Diese Liberti nun, ohnerachtet Jte siefreyheit besassen, konnten doch zu Rom keine ehren-stelle bekle^den, man nahm sie auch nicht einmal zu soldaten an. Jedochwurden sie unter gewisse Tribus gezehlt, und hatten auch beyden Lomitiis tributis ihre stimmen, doch damit ihre macht mden stimmen nicht allzugroß werden möchte, wurden ste allesamtin die vier sogenannte Tribus urbana? eingeschlossen; da dann,weil eigentlich nur die stimmen der qantzen zünfte gezehlet wur-den, die vollkommene zahl der zünfte aber sich bis auf;;..er-streckte , der Libertinorum gemalt so gar groß nicht hat lernkönnen. Allein eben aus der Ursache trachteten diefelbige immersich durch alle zünfte zu zerstreuen , und wurden auchdcsteadurch den Lensorem Appium Claudium an. 441. gewahret,als welcher durch dieses Mittel sich dergleichen leuthe für immerverbinden wollte. Es währete aber nur 9. jähr, so schränckie!>cQ. Fabius Rullianus, und als dessen ordnung, wir es scheinet,nicht allzuwohl beobachtet worden, die zwey andere CenforesL. Aemllius Papus, und C. Flaminius von neuem in ihre vieralte Tribus ein; welches auch in den folgenden zelten zu mehr«malen wiederholet worden. Im übrigen konnten sie bedientewerden bey dem Magistrat,als Accenü, schreibet, Lictores.u.Sie halten auch alle das übrige recht, das dem Plebi zu Roitt

zukam,