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Lucca , eine Republick in Italien , zwischen dem Toscani-schcn, Modenesischen und Genuesischen gebiethe, und dem Mit-telländischen meer gelegen. Ihr territorium ist zwar kleinund nicht allzu fruchtbar an getreyde, hat aber viel wein,öl und castanien, und träget ungefehr 150000. scudi jährlicheseinkommens. Ihr Rath bestehet aus 26. Personen, nebst ihremOberhaupt, welcher Gonsaloniere genennet wird, und nur2. monate regieret, worauf er den pallast wiederum räumet.Der Habit, den er bey öffentlichen svlenniläten trägt, istein rock von rothem sammet, oder damast von gleicher fär-be, nebst einer dergleichen «nütze. Die Haupt-stadt Lucca liegtan dem fluß Serchio , hat ein bezirck von 2. bis;. Italiänischenweilen , und ist mit i r. bastionen bevestiger, welche allesamthohl und unterwölbet sind. Sie ist eine reiche handels-stadt,wegen der vielen seidenen zeuge, so daselbst gemacht werden,und hat einen Bischoff, welcher unmittelbar unter den Papstgehöret. Aus ihrem zeug-hause sollen 40000. mann bewaf-net «verden können, und ist sie 10. Italiänische Meilen vonPisa entlegen. Sie soll von den Thuscis A. M. ;r;S. 59.jähr nach Rom zu den zeiten Sennacherib und Hiskiä, desKönigs in Juda, erbauet worden seyn. Von den Thusciernist sie unter der Röiner botinäßigkeit verfallen, welche endlicheine Römische pstantz-stadt allda ausgerichtet, nachdem der ortvorher soivol in den Ligurischen kriegen, als dein feldzug Han-niballs durch Italien zieinlich mitgenommen worden. Folgendswurden die Gothen davon mcister. Doch in der mitte des VI.feculi eroberte sie Narses, des Kaysers Iustiniani General,dem es aber 15. jähr hernach die Langobarden wieder abge-nommen, von deren König Desiderio solche nachmals mit star-cken inauren aus grossen quadersteinen soll bevestiget ivordenseyn, «vie dann selbige die Longodarder in der that bis zu aus-gang des VIII. feculi behalten, da sie Carolus AI. sich unter-worffen. Von »velcher zeit an sie mehrentheils die TeutschenKay-ser vor ihre Ober-Herren erkennen müssen, «viervol jedoch dieseihre «vürckliche gervalt eben nicht zu allen zeiten allda ha-ben sehen lassen. Anfangs bemächtigte sich der stadl ein gewis-ser Graf, Bonifacius, der Bearricem eine tochter KaysersHenrici soll zur ehe gehabt, und soivol diese stadt als anderegrosse in Hetrurien und daherum besessene länder auf seine mitBealrice erzeugte tochter, die beruffene Gräfin Mathildis ge,bracht haben. Unter der regierung Papsts Honorri IV. «vollendie Italiäner, daß Lucca seine freyheil von« Kayser Rudol-pho I. für 12000. ducaten erkauft habe; welches, «vann esje nicht gantz falsch, doch von keiner völligen ausnahme oderentziehung von der Oberherrlichkeit des Teutschen Kayser-thums mag verstanden werden, wo man einmal die begeben-heit der folgenden zeiten darüber zu rath ziehen will. Lucca ge-nösse auch in der that ihrer freyheit gar nicht lange, MassenUgoccione della Faggiola solche unterdrückte, und als sich dasvolck durch dessen ausiagung zusamt seinem söhn Neri für eini-ge zeit wieder in freyheit gesetzet, der berühinte Castruccio Ca-ssracani sich deren beinächtiget, welcher eben durch die verjagungdes Ugoccione aus de«n gefängnis «var erlediget, und zum an-führer des volcks angenoinmen ivorden , doch war sonsten die-ses «eine herrschafft sehr gelind, und halten die Luccheser we-nigstens die Vergnügung unter dc«sen regierung, daß er sie überihre alte feinde triumphiren machte, «vie er dann nicht alleinPifa und Pistvia erobert, sondern auch Florentz selbst aufsäusserste gebracht hat. Castruccio starb in der blükhe seines al-ters und glücks eben zu der zeit, als der Kayser Ludovicus Bava-rus in Italien war. Nun hatte dieser zivar vorhero gute dien-ste von Castruccio genossen , und ihin wiederum ansehnlichewürden, worunter auch der titul eines Hertzvgs von Lucca ,zugelegt, war aber doch zuletzt aus verschiedenen Ursachensehr übel mit ihin zufrieden gewesen. Weswegen er sich durchdie kläqden derer von Pisa und anderer desto leichter «viderdie söhne Castruccii aufbringen ließ, daß er ihnen nicht nurin dieser stadt, sondern auch zu Lucca auf einmal alle ge-walt nähme. Er setzte hierauf den Lucchesern zum Gou-verneur einen gewissen Teutschen Grafen Burckhart, welchendie Italiäner II Lomte Porcaro nenneten, legte aber zugleichder stadt eine surnme von >50000. gold-gülden zu bezahlen auf,mit versprechen, solche nach deren erlegung völlig frey zu las-sen. Allein, ehe tiefer Handel noch richtig ward , fiel ein theildes Teutschen kriegs-volcks, so wegen nicht bezahltem sold sichempöret hatte, nach der abreise Ludövici in Lucca ein, und als esohne widerstand davon meister «vorden, sieng es an die gutestadt einem jeden, der sie kauffen «vollte, feil zu bieten, «vö erihnen nur ihren rückstand, so sich nach ihrer rechnung auf80000. ducaten, oder gold-gülden, wie«nan sie damals nann-te, belief, erlegen wollte. In der that, nachdem die Florenti-ner und Pisaner einige zeit darum vergeblich gemarcktet, schlostse zuletzt ein gewisser Genueser, nahmens Gherardino Spinola,den kauf nur für dreißig tausend ducaten, dem sich auch diestadt ohne Weigerung unterwarf. Selbiger hielte etwas zeitden krieg, welchen die Florentiner schon seit der regierung Ca-struccii «vider diese stadt führten, tapfer genug aus; übergababer zuletzt, als jene ihm zu starck «vorden , selbige mit ver-tust fast all seines ausgelegten gelds an den König Ivhan-nein von Böhmen , der eben zu selbiger zeit mit einiger machtin Italien kommen war, und sich nicht anders in die Hän del und geschaffte dieses lands mischete, als ob er selbst Kayserwäre, oder von dem würcklichen Kayser Ludovico dessen aus-Histor. Lexicon iv . Theil»
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drücklichen befiehl empfangen hätte, da doch in der that einesso wenig als das andere bey ihm platz hatte, auch deswegender Kayser hernach scharf genug rechnung von ihm fordernwollte. Doch «vie dem allem, so verbliebe König Johannewige jähre durch sich oder die seinige meister, soivol zu Lucca als «n verschiedenen andern wichtigen städtcn in Italien , erpreßtealler orten eiiie ziemliche sumine gelds, und da er letztlichd«ß land verlahen «vollte, rvard unter andern« Lucca für; 5000.ducaten von ihme an das Haus Roß« zu Parma versetzet. VonDiesem und nahmentlich von Pietro Roß, bekam es Mastinodella Scala oder Scallger, Herr zu Verona , «velcher darume«nen heftigen krieg «vider die von Florentz führte, und sie den-noch mit vorschlagung eines ihnen angebotenen Verkaufs die-ser stadt verschiedene jähre herum zog, bis endlich die Pisaneraus Mißgunst gegen die erstere vorzukommen trachteten, undLucca durch belagerung aufs äujserste gebracht hatten. Daward dem Mastino endlich mit dem Handel ernst, und warer dabey «roch so glücklich, und die Florentiner dagegen so blind,daß diese die schon fast in Hinzügen liegende stadt noch mn180000. ducaten von jenem kauften, da sie solche vor wenigjähren gantz sicher um den dritten oder vierten theil des Prei-ses hatten erlangen können. Anfangs zwar fände ihre dahingeschickte be,atzung noch Mittel sich in die stadt zu werffen,aber als hierauf ihre armeen, so den entsatz mit gewalt ver-richten wollten, von den Pisanern eine grosse Niederlage erlit-ten, der ort auch viel genauer umschlossen ward, muste er sichzuletzt den n. julii an. «542. an den feind ergeben, und bliebdenen von Florentz, «velche nur wenige monate ihre befehls-haber und soldaten darinn gehabt, nichts als der schimpf unddas nachsehen; wie sie dann in dem einige jähre hernach mitjenem Stande geschlossenen ftiedcn, sich aller gehabten ansprächean Lucca begeben musten, nur daß Pisa verhieß ihnen einentheil der mit Mastino verglichenen summe, und wofür dieserannoch Florentinische geisseln bey sich hatte, in gewissen ter-Minen gut zu thun. Jene behielten also Lucca einige zeit, undobschvn sie folgends bey anlangung des Kaysers Caroli IV.in Italien selbigen als ihren Ober-Herrn erkannten, auch ihmeine ziemliche gewalt über sich lasten musten, und dieser Herrso gar verschiedene mal schiene im vorschlag zu haben, die Luc-cheser gegen empfahung einer sumine gelds frey zu machen; soward jedoch zuletzt, da sich die fache verzog, und des Kaysers an-sehen und gewalt zu Pisa durch plötzliche cmpörung des volckSauf einmal gefallen war, alles zu Wasser. Auch schlugen nach-mals den ausgetriebenen Lucchesern verschiedene anschlüge fehl,durch welche sie sich unterstunden, ihr vatterland in freyheitzu setzen, und sich selbst dadurch wiederum den weg dahin zubahnen. Also blieben die Pisaner völlig meister von Lucca ,bis Carolus IV. an. 1368. das letzte mal in Italien kam ; daeiner seits die bürger der stadt die gelegenheit ergriffen, und sichwider ihre bisherige Ober-Herren empörten, andern theils aberder Kayser sie nicht nur in seinen schütz nähme, sondern auchletztlich gegen erlegung 25000. ducaten ihnen die so sehr ge-wünschte freyheit völlig zustünde; wiewol solches eben nochnicht von einer entledigung der Kayserlichen Oberherrlichkeitscheinet gelautet zu haben. Doch bie guten leuthe wurdenauch für dieses mal ihrer freyheit wieder beraubet, und zwardurch einen von ihren eigenen lands - leuthen, mit nahmenPaulus Grunisi, «velcher die stadt aber nicht lange behielt.Dann das volck griff, ehe er sichs versah, zu den Waffen, haupt-sächlich aus Verbitterung, «peil er, um sich desto mehr vestzu setzen, die freundschafft der Florentiner gesucht hatte, nahmihn mit 5. söhnen gefangen, und sendeten solche dem Hertzo.ge von Äayland, Philippo Visconti, der sie bis zu ihrem tobein einem harten gefängnis aufbehielte. Es gieng zwar nochferner zu Lucca ohne unruhe nicht ab. Doch ist die freyheitbis auf diesen tag seithero immer behauptet «voden, welchedie einivohner von derselben zeit an sorgfältig in acht genom»inen, zu »velchem ende sie an. 1626. die gegenwärtige vestungs.«vercke aufgeführet haben, ob sie gleich nichts tüchtiges vor.dringen kan, wordurch sie ein recht bekommen, sich von demTeutschen Reiche abzurcissen. Die wälle der stadt sind mitgrossen spatzier-gängen von pappel -bäumen gezieret, die ein.wohner sind von gutem vermögen, und zwar von dem grossenseiden-handel, ttf welcher manufactur sie so sinnreich und ar-beitsam sind , daß dahero diese stadt von den Jtaliänern nurindustriosa, das ist, die fleißige genennet wird. Unter dengeistlichen gebäuden ist die Haupt - Arche, «velche eine schönebibliothcck verwahret, und dem heil. Martino, der stadt Pa-tron, gewiedmet ist. In selbiger ist die capclle, Volto Santo,sehr berühmt, «velche von dein alldort befindlichen crucifix, s»von Nicodemo zu mahle» angefangen, von den engeln selbstaber vollführet ivorden seyn soll, also genennet wird. So istauch die Arche zu unserer lieben Frauen, und das darinn befind-liche Marien-bild wegen der vielfältigen «vunder nicht «venigerin grossem rühm. Strabo , üb. V. Livius , üb. XXI. Ackatius %üb. I. Plinius. Vilianus. Bionilus. Alberti Ital. Schauplatzdes kriegs in Italien , p. 694. feg. Hjst. rcmarq. ad an.1702. p. 209.
Lucedio, Abbatia Beatas Marfe Lucediae, eine reiche Abteyin dein Hertzogthum Montferrat, welche 20000. thlr. jähr'ieberevenüen hat, und von dc«n Cardinal Grimani, Vice-Königin Neapolis, besessen worden. Nach seinem tobe an. 1710. enl-A a a a 2 stund