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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Marggraf zu Baden:

<1 mtibelmuo , Markgraf zu Baden , jfdDsem*

J? fn Μ TReichs Feld-MarstlM-Lieute-nant, ein tapferer und kluger Feldherr, war ein lohn Marg-araf Ferdinand, Maximiliani, welchen »hm.seine gemahlm Lom-fa Christina, des Printzen Thoma von Carlgnan aus Savoyen tochter zu Paris an. 165?. den 8. apnl gebohren. Nachdem«edachker sein vatter an. 1669. den 8. ftpt. auf der wgd durch ei-nen unglücklichen schuß das leben vcrlohrcn / folgte er lhinmder regierung, darüber ihm aber bald darnach die Französische aewaltthätigkeiten so grosse unruhcn verursachten , da,! er seinezuflucht zu dein Kayser nehmen muste / bey welchem er auch sehrwohl aufgenommen worden, und die wichtigsten bedlenungennachgehends erhalten. Die ersten proben seines helden-muthslegte er in Ungarn ab. Wie er denn an. 1686. Simontorna,Fünfkirchen , Zicklos und Darda, wie auch Caposwar hinwegnahm, und die wegen ihrer ungemeinen lange so beruffene Esss-cker-brücke verbrannte. Nach der erobcrung von Grrechtsch-Weisscnburg that er an. 1688. einen streif in Bosnien , allwoer mit 3000. pferden ein Türckisches corpo bey 13000. mannstarck auf das Haupt geschlagen, und einige Plätze erobert, wel-ches die Türcken in solches schrecken setzte, daß sie bald darnachdurch eine Gesandtschafft um friede anhalten liessen. Ob nungleich diese durch den etnbruch der Franzosen in das Reich wie-derum neuen muth bekamen, so gieng er doch als KayserlicherGencral-Feld-Marfchall nicht über i8°°°.mann starck denselbenbis mitten in Servien entgegen, da er einen Türckischen Gene-ral, der mit 40000. mann in einem verschantzten lager an demfluß Morava stund, den 20. aug. folgenden iahres völlig ruinir-te. Er verfolgte den sieg , und griff den feind den 24. sept. beyNissa so tapfer an , daß er mit sehr grossem Verlust die fluchtnehmen muste. Die stadt Nissa ergab sich alsbald an die Kay-serlichen, deren cxempel auch Widdin folgte. Hierauf wurdeder rest der camvagne zugebracht, sich der communication zwi-schen Nissa, Widdin und Belgrad , wie auch der winter-quar-tiere in Servien und Albanien zu versichern. Weil nun aufsolche art gantz Servien der Kayserlichen botmaßigkeit unter-worffen würde, so riethe sowol der MarggrafLudwig, als an-dere hohe Generals-personen, daß man eine considerable armeezusammen bringen, damit völlig über den berg Hämrrin paßi-ren, und mithin Sophiam und Nicopolin wegnehmen sollte,daß man ins künftige nicht nöthig haben möchte, mit einergrossen armee das flache land zu bedecken. Allein die im eingan-ge des iahrs 1690. zu Augspurg vorgegangene crönung desKönigs Josephi erforderte so viele kosten, daß man aufUngarnnicht allzu wohl gedencken konnte.Mittlerweile brachten dieTür-cken in Servien eine grosse macht zusammen, gaben auch dembekannten Töckeli 24000. mann , das Fürstenthum Siebenbür­ gen sich zu unterwerffen. Der Marggraf Ludwig hatte nichtmehr als 12000. mann beysammen, dessen ungeachtet aber eil-te er dem bedrängten Siebenbürgen zu, und jagte den einge-drungenen Töckeli darin» hin und her, bis er ihn endlich ausdiesem Fürstenthume innerhalb 4. Wochen gar hinaus trieb.Hierauf gieng er in Oder-Ungarn , daselbst den befürchtetenausstand bey Seiten zu dämpfen. In Servien hingegen spieltendie Türcken überall den meister, brachten auch an. 1691. einearmee von 100000. mann zusammen, in Hoffnung, damitgantz Ungarn sich zu unterwerffen Allein ihre Hoffnung schlugihnen so ivcit fehl, daß sie vielmehr bey Salenkemen bis aufsHaupt geschlagen wurden. So fort eroberten die Christen Lip-pa und die stadt Groß-Waradein , wie auch Brodt, Gradiskaund andere Plätze. Das folgende jähr wurde der MarggrafLudwig mit dem titul eines General-Lieutenants und Gouver-neurs zu Raab beehret. An. 169;. wurde er aus Ungarn indas Reich beruffen, die armee am Obcr-Rheinstrom widerFranckreich zu commandiren, da er bey lählingem einbrach derFranzosen sich zwar in etwas zurück ziehen muste, doch aberdurch eine von dem Schwartzwalde bis an Heilbrunn gezogenelinie, der feinde concevt so nachdrücklich verrückte, daß sie denWinter über nichts sonderliches tentiren konnte». An. 1694. er-schienen zwar die Franzosen abermals gar früh im selbe, ehe erseine völckcr zusammen bringen konnte; gleichwol that er mitdenen in aller eil zusammen gerafften Fränckischen und Schwä­ bischen trouppen mannhafften widerstand, so gar, daß, als erdie übrigen regimenter an sich gezogen, der Dauphin mit 70000.mann abziehen muste; ungeachtet sich die Franzosen von diesemfeldzuge »«gemeine Hoffnung gemacht, und gewiß ausgegebenhatten, bis an die Donau und noch weiter ins Hertz von Teutsth-land einzudringen, die Reichs-armee hingegen damals kaumdreißig tausend mann ausmachte. Einige meyntcn auch, eswürde ihm der Marggraf, welcher ihm auf dem fusse über denRhein in höchster eil nachgefolget, einen harten streich beyge-bracht haben z wäre aber an seinem vorhaben verhindert wor-den , weil die Sachsen aus mangcl der ordre nicht mit über denRhein gehen wollen. Das folgende jähr gieng man auf beydenfeiten nur defensive , und an. 1696. konnte gleichfalls nichtssonderliches ausgerichtet werben, bis endlich an. 1697. derRnßwicklsche friede erfolget, nach dessen schlicssung dem HauseBaden dre vestung. Kehl und der flecken daselbst, was nemlichden boden und die darauf hafftende land-herrlichkeit bctrift,wieder eingeräumet worden. In dem darauf erfolgten siic-ceßions - kriege bekam er «dermal das commando der Reichs-

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armee, da er dann an. 1702. die vestung Landan eroberte, au*in dem folgenden jähre alles anwandte, was zu wieder herbeibringung der allgemeinen ruhe dienlich seyn konnte. A». mmuste ihm bey der aclion am Schellenberge der rühm sonder'barer tapferkeit zugeschrieben werden, und Landau tonntegleichfalls seiner macht nicht widerstehen. Er starb den 4. man. 1707. nachdem er 26. feldzügen , 2;. belagernngen undHaupt-schlachten beygewohnet. Er vermählte sich an. 1690. mFrancisca Sibylla August«, Julii Franctsci des letztem jj»tzogs von Sachfen-Lauenburg tochter, die ihm 9. linder gedchren ,· davon aber 6. in zartem alter verstorben. Im leben wa-ren noch Wilhelmus Georgius, gebohren den 6. sept. an. 1703.so succediret; Augusta Maria, gebohren den 10. nov. an. 1704verheurathet mit Ludovico, Hertzoge von Orleans , erstenFrii--zösischen Drintzen von geblüt, und gestorben den 8. auguit. an.1724. Augustus Wilhelmus, gebohren den 14. ian. an. 1706.welcher an. 1721. Dom-Dechant zu Augspurg worden, imk·.N. P. Souveränen von Europa , rc. Üsleber, leben Lwdovici Wilhelmi von Baden. *

Fürst zu Anhalt:

Eudovicus, Fürst zu Anhalt und Urheber der ssölhistbu,linie, war ein söhn Ioachimi Ernesti, welchen ihm seine an-dere gemahlin Eleonora, Hertzogs Christophori zu Würleni-berg tochter, an. 1579. den 17. jun. gebohren. Beystühinn-gem an. 1 $86. erfolgten absterben seines vatters nahm sein älte-ster bruder, Fürst Johann Georg zu Dessau , dessen auftrzic-hung über sich , und ließ ihn durch seinen Hofmeister, Ernstvon Ketschau, sowol in philosophischen wissenschafften, als«der Lateinischen spräche unterrichten. Hierauf begleitete er an.1596. seinen jüngern bruder Fürst Johann Ernsten in die Rc-derlande, und gieng hierauf mit ihm nach Engelland, in nnl-chem Reiche er sich an der Königin Elisabeth Hofe einige zeitaufhielt, und von ihr mit grosser Hochachtung beehret wurde.Dergleichen ihm auch nachgehends in Franckreich von dem .stö-nige HenricoIV.widerfahren.Bey seiner rückreise durch Burgna-dien nach seinen landen besuchte er die Höfe zu Heidelberg undDarmstadt , und kam an. 1397. wiederum in dem FiirstenlbuinAnhalt an. Das folgende jähr gieng er in Italien , bauch-te die Königreiche Ncapoli und Sicilien, wie auch die mlMaltha, hielte sich aber die meiste zeit zu Florcntz auf, da ersich in sonderbare freundschaffl des Groß-Hertzogs Ferdinand! I.und dessen sohnes Cosmi gesetzet, so daß der letztere den eckig,tem absterben seines vatters solches durch die an den KaylerlichmHof deswegen abgefertigte Gesandtschafft zugleich in der Eöihi-schen residentz bekannt machen lassen. Als er aus Italien zurrstgehen wollte, trat er seine reise über Venedig und die Kavseckchen erb-lande wieder an, und besichtigte das in Ungarn hoPappa stehende Kayferliche lager, woraus er an. iäoj, überBöhmen glücklich zu Hanse angelanget, und mit grossem nutzenseiner Unterthanen die regierung antrat, darzu ihm dicGrai-schafft Wormdorff, samt den Aemtern Wulffen, Lothen, Nien-burg an der Saale und andere angewiesen wurden. Hierauftrat er abermals verschiedene reisen an, zu dem Kanssr Rudol-pho II. in Böhmen , wie auch nach Engelland, Dauemarckund in die Niederlande. Als der König Gustav AdolphSchweden den mehrern theil von Teutfchland mit seinen vdl-ckern überschwemmet, verordnete ihn derselbe an. x>;i. MStatthalter der Stifter Magdeburg und Halbersiabt, welchestelle er aber an. 163 4. niedergeleget. Gleichwie er aber aufset-nen reisen der Italiänischen und Französischen spräche sehr wob!mächtig worden, also hat er aus beyden, wie auch aus demLateinischen, sehr viel schriften in das Teutsche übeyetzt, laverschiedene bücher selbst geschrieben, als da sind: von den wei-sen Alten; eine geistliche Betrachtung eines langen und kurtzcn

Lebens; das Buch Hiob in Teutschen reimen; die L>cg^Brachten Petrarchä; das Leben des Tartarn-Königs L,amcr-lanis; den gecrönten David. Daben war er der Hedranebenspräche nicht unerfahren. Absonderlich hatte er gar grohcbe-gicrde die Teutsche spräche zu verbessern , wie er denn an. m:·zu Weimar , allwo er der beysetzung seiner schwestcr St#Maria, Hcrtzog Johannis zu Sachsen wittwe, beygewohm,auf Veranlassung des Hofmeisters, Caspar von Teutlcbe», diefruchtbringende Gescllschafft, so der Teutschen spräche w»feit und zierde zu ihrem endzweck hatte, gestiftet, und iw I«darzu zum Oberhaupt zu erklären kein bedrucken getragen1, wer dann innerhalb 32, jähren 427, Churfürstliche, GraM,Freyherrliche, adeliche und gelehrte Personen eingenommco.Im übrigen war er ein sehr scharfsinniger Herr, »nd oaomvon sehr grossem fleisse, ivelcher in seinen regicrungs-iacMalles viel lieber durch seine eigene als fremde hande gchmlassen wollte. Das Fürstliche schloß zu Cöthe», (o an·1398. zu erbauen angefangen worden, gleichwie auch's»daselbst befindliche gärten haben ihm ihre zierde zu daiureu.Er brachte auch das in dem Stifte HalbcrstadtAmt Winninqen auf gewisse Masse an sich, trat aber vm-acgen das Amt Wulffen nach einigen geführten Processen jcmcmaltern bruder Mgusto ab. Er starb an. 1630. den 7- >a"-alters 70. ,ahr, ö. monat und wochen. Er hatte r. gemao-linnen, Amöiiam Amaliam, Graf Arnolds zu BcntheiM locyi 1

und Sophiam, GrafSlinons zu der Lippe tochter. Dit crito ^