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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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schlechten ehre, Massen sich dee Prmtz schon an andere ergebenhatte, erschossen, woraufman seinen cörper, wie emtge mey-nen, mm schimpf, doch, nach anderer meynung, ohne beson-ders absehen, und weil die Oberste damals mit andern dingenbescbäfftiaet waren, aufeinem esel nach Iarnac schaffte, gerau-me reit rur schau liegen ließ, und endlich selbigen dem Printzenvon Navarra auslieferte, der ihn zu Vendome begraben ließ.Er hat sich zweymal vermählet gehabt, einmal mit Eleonoravon Roye, und das andere mal mit Francifca von Longueville.Von der ersten hat er Henricum von Conde, Francifcum vonConto, und Carolum, welcher nachgehends Cardinal worden;von der andern aber Carln,Grafen vonSoissons,hinterlassen. Erwar klein von person, hatte aber einen grossen muth,der ihn alleszu unternehmen geschickt machte.Die kriegs-wissenschafft besaß erin einem hohen grade, war ungemein tapfer, daben aber imgeringsten nicht wilde, sondern vielmehr treflich leuthselig, fren-gebiq, mitleidig, aufrichtig, ein feind aller schlimmen räncke.Er fchertzte sehr gern, und war in allen gelegenheiten ausbündigberedt. Wenn er nicht stets so viel Widerwärtigkeiten gehabthätte, würde er sich vielleicht die Wollüste und insonderheit diefrauen-liebe haben einschläfern lassen, gestalt er denn in der Kö-niglichen Frau Mutter ihrem frauenzimmer zwey berühmte lie-bes-abentheuren gehabt, welche die Regentin, um ihn an crnst-hafftern gedancken zu hindern, oder auch durch solches Mittel sei-ne geheimen Vorschläge auszuforschen, selbst befördern helffen,auch nach seiner ersten gemahlin tode sich beynahe durch desMarschalls von St. Andre willwe berücken lassen, um solche zuheurathen ; wiewol sonst die liebe dieser Dame dem Printzen inseinem vorhaben nichts geschadet, sondern vielmehr ihr grossesguth, wovon sie ihm ein ansehnliches stück zukommen lassen, garwohl aufgeholffen hat. Es will ihm von einigen, wiewol ohnegenügsame gewißheit, beygemessn werden, daß er sich durch dieHugenotten auf den Königlichen thron zu schwingen gesucht,und an. 1367. müntzen mit seinem bildnisse und der Überschriftschlagen lassen : Ludovicus XIII. Dei gratia Francorum Rexprimus Christianus. Tbuanus. Mezeray. P. Daniel. Da.vila. Brantome , Capit. Franq. tom. III. Le Blanc , memoires deFrance. *

Eudovicus von Bourbon, der II. dieses nahmens, Printzvon Conde, Henrici II. Printzen von Conde und Charlottä Mar-garethä von Montmorency söhn, gebohren zu Paris den 8. sept.an. 1621. war an. 1640. mit bey der belagerung vor Arras ,und 2. jähr hernach bey Perpignan . Hierauf wurde er zumGeneral über die Königliche armee gemacht, und erhielt den19. may an. 164z. im 22. jähre seines alters den berühmten siegbey Rocroy . Im folgenden jähre schlug er die Bayern m demtreffen bey Freyburg den 3. und 3. aug. und eroberte Philipps­ burg , Mayntz und andere örter. An. 1*543. den 3. aug. ge-wann er die schlacht bey Nördlingen , und eroberte im folgendenjähre Dünkirchen . An. 1646. starb sein vatter, welchem er so»wol in der würde eines Königl. Hofmeisters , als auch in demGouvernement von Burgundien, Bresse und Berry succedirte.An. 1647. commandirte er die Königl. trouppen in Catalonien ,allwo er bey der belagerung der stadt Lerida unglücklich war,hernach aber das castell Ager an den Aragonifchen grentzen ero-berte , und Constantin entsatzte. An. 1648. gewann er dieschlacht bey Lens in Flandern . Als gleich darauf die Partsischeunruhen vorfielen, da sowol das Parlement als gantze volck denCardinal Mazarin kurtzum von den geschäfften und aus demReiche weg haben wollten , erklärte fich der Printz großmüthigfür den Hof, und versprach der Königin , den Mazarin wiederin die stadt einzuführen. Worauf er dann Paris bloquirte, Cha-renton, so die Pariser mit einigen linien umgeben hatten , inanqeficht dieser mit stürmender Hand eroberte, und sonst diestadl von den meisten feiten dergestalt einsperrete, daß sie end-lich fast nach des Hofes willen einen vergleich treffen muste, undder Cardinal würcklich in begleitung des Printzen fast imtriumphe zurück kam. Welche that an dem Printzen um so höherzu schätzen , als ex kaum zwölf, die stadt Paris aber aufdiehundert lausend mann in den waffen hatte. Allein es entspan-ne sich gleich nach diesem , vielleicht eben wegen grosse der gelei-steten gutthat, und weil der Printz allzu viel danck fordern moch-te , zwischen ihm und dem Cardinal ein ziemlicher Widerwillen,welcher endlich, da Mazarin einmal bey der Königin alles ver-mochte , dahin ausfchlug, daß der Printz nebst seinem bruder,dem Printzen von Contn, und dem Hertzoge von Longueville,seinem schwager,den 18. jan. an 1630. zu PariS in arressgenom-men , und nach Vincennes gebracht, von dannen ferner genMarcoußi, und endlich nach Havre de Grace geführet wurde;allein sowol die liebe gegen den Printzen, als der haß wider Ma­ zarin , wie nicht weniger ein gewisser zwischen dem Prmtzen unddenen Frondeurs heimlich geschlossener vergleich, machte baldalles wiederum rege, dergestalt, daß der Cardinal die un-mogllchkcir vorsehend einem so grossen Wetter zu widerstehen, denschluß fasste, den Printzen im nahmen der Königin selbst wiederauf freyen fuß zu stellen , und für fich auf einige zeit aus demKönigreiche zu weichen. Also kündigte er den gefangenen Prin-tzen am 13. ftbr. zu Havre de Grace ihre erledigung selbst an,und dem von Conde ward kurtz hernach das Gouvernement vonGuienne gegeben. Allein, weil doch das mißtrauen allezeitfortwahrete, und der Pr.ntz , wegen der grossen gemalt, dieMazarin allezeit bey Hofe hatte, als welchen er, odfchon ab-wesend , durch seine einsendende rathschläge beständig fortfuhr

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zu regieren, sich besorgte, von neuem gefangen genomm-n »>werden ; gieng er endlich auf einen hierüber empfangenen, in?,wol falschen bericht, neuer dingen von Paris , allwo sich h-mals der Hof aufhielte, hinweg ; welches sogleich zu einemneuen kriege anlas gab. An. 1632. den 2. jul. ließ er einem-derbare probe seiner tapferkeit in dem gefechte bey der vvMvon Paris , St. Antoine, sehen, und weil er mehr und mistvon dem Hofe verfolgt, seine partey in dem Reiche sichverim-dert, Mazarin hingegen wieder an den Hos zurück buchnwurde, gieng er in die Niederlande , allwo er den Evnnmngute vier ste that, nicht allein durch den succurs, den er,»(jam,bray brachte, sondern auch durch die retirade, die er beydementsatz der stadt Arras den 23. aug. an. 1634. nahm. An.nöthigte er die Franzosen vor Valenciennes die belagerung»znheben, indem er das eine davor stehende laqer, so der M«-schall de Hocquincourt commandirte, aufschlug; und an. i§;z.den 14. tun. legte er eine sonderbare probe seiner tapferkeit 11tden» treffen bey Dünkirchen ab; obschon zuletzt der ßeg aus derFranzösischen feite blieb. An. 1639. da der Pyrenäifche friedegeschlossn wurde, kam er, vermöge dessen in Franckreich, undwurde wiederum in des Königs gnade aufgenommen. An.stund er bey dem Könige in eroberung der Franche-Lomee, in;gleichen an. 1672. bey dem einfall in Holland , allwo er im über-setzen durch den Rhein bey Tollhuys verwundet wurde, undlegte sonderlich grosse ehre ein in der berühmten schlacht der gt·.neff, den 10. aug. an. 1674. Bald hernach entsetzte er Auden«-de, contribuirkc an. 1673. viel zur eroberung Cimpurg, undcem;mandirte nach des Turenne tode in Tenlschland. Seine gemh-lin war Clara Clementia de Mache, Hertzogin von Fronjac, mitwelcher er Henricum Iulium von Bourbon, den Hcrtzog mEnguien, gezeuget. Er starb an. 1687. den n. dec. zu Fm-tainebleau. Sein leben ist doppelt beschrieben durch Pierre6»;ste, unter dem titul: lHistoire de Louis de Bourbon II. du nomPrince de Conde. Cologne chez 1693. und durch In Bm-ne unter dem titul: Memoires pour servil ä lhistoire de Louis de Bourbon Prince de Conde . Cologne chez Pierre Marteau,1693. in 2. theilen. *

Ludovicus von Bourbon, erstlich Graf, hernach Hcrmvon Montpenfier, war Ludovici, Printzen von Roche-lm-Jpn ,söhn, gebohren den 10. jun. an. 1313. Unter FrancifcolnnbHcnrico II. bedeutete er nicht viel,und ward weder bev Hosinochbey der armee befördert, ausser daß an. 1338. Monlpeniicr «imHertzogthum gemacht ward, und daß er eine comvagme @en<darmes zu commandiren kriegte, welche hindansttzung munde«Hass gegen das Haus Bourbon , wegen des Connelabels CarlSvon Bourbon zuschreibt. Nichts destowcniger ließ er sich maltengelegenheiten wohl sehen, und war stets bey den armeen, tra eswas zu thun gab, wie er sich dann in der schlacht den St. Qnm>tm vortreflich gehalten, auch daben gefangen worden. WerFrancifco II. gaben ihm die Guisen das Gouvernement von Ton-raine, um ihn einzuschläfern, daß er fich nicht zu dem KonMvon Navarra und Printzen von Conde schlüge, weil es ohne cizhieß, daß die Printzen vom geblüte überall nachgesetzt wurden,wie er es denn auch niemals mit gedachten seinen vettern gehnl-ten, sondern vielmehr unter den folgenden Königen, Carl IX.und Heinrich III. sich allezeit wider die Hugenotten gebrauchenlassen, und stets ein wichtiges commando gehabt, wieerbeimauch unter Carolo IX. nebst dem Cardinal von Bourbon Pfident des Königl. Raths worden, welche stelle man ihm gad,we>ler verdrieslich war worden, daß er nach dem tode des Mjgrvon Navarra als ältester Printz vom geblüte, nichtdesMg;Lieutenant durch gantz Franckreich werden sollte. Unter yeim-co III. ließ er an. 1374. zu grossem Mißvergnügen des Hot» rasschöne schloß Lusignan, nachdem er es den Hugenotten abgenoni.men, bis aufden gründ schleifen, und die Königl. Frau immerward wegen der hurtigen kriegs-verrichtungen, die er und Msöhn hatten, eifersüchtig auf das Haus Montpensier, trnwmeauch, wie sie desselben anwachsende macht hindern mochte.nach der eroberung von Lusignan gieng er nach Rbnms i» mKönigl. salbung, mit dem Vorsatz,dem Hertzoge von Guile our«'aus den rang streitig zu machen, dessen fich derselbe anm^woraus es zu grosser weitläuftigkeit gekommen wäre, wenn meuder König dem von Montpenfier verboten hätte, vollends tu®Rhcims zu kommen, worüber er sehr mißvergnügt ward, mnachgehends, da der Hertzog von Alencon die waffen ergnlt-n"'der König ihm das commando gegen denselben auftrug, m»nur den fuchs keineswegs recht betssn wollte, sondern auw »Hertzoge zu einem vortheilhafften vergleich half. Hewa« nrieth er einst über diese fache mit dem Hertzoge von Nevm m -nen harten wort-wechsel, der beynahe zu einer oitentltcpen rn -seligkeit ausgeschlagen wäre. Zum wenigsten bewog den yc 3^von Montpenfier dieser Handel sowol, als das mwverg« ^über den Hof, daß er fich auf die letzte mit den Hugenotlmger Massen verband, denen er sonst so gehäßig gewesen war,er in seinen kriegen ihnen selten die adgerebten verglenve vund die gefangenen manns - Personen gemcinigncv wdas frauenzimmer aber vcrunehren ließ. Er ltarv finnem schloss Champigni den 23. sept. an. 138-. er mtapferer Herr» der sehr viel auf seine ehre hrelk, aber Mtz gin seinen entfthlüssn unbeständig. In der Calheli wgion und deren Übungen war er ungemein enrig ·., u" 1 -: r

sich Ludwig dem heiligen gleich stellen, aber im renaw - ''bezeigte er viel grausamkeik. Anfänglich war er der armlw * ^

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