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bura und Eisenach , da er auf der schule war, sein brodt mit sin-nen vor den thüren verdienen muste. 2m 18. oder 20. zahre sei»iicö altcrs gieng er nach Erfurt auf dle Academie, alllvo er an.i coc. Magister wurde, die Philosophie eme zeltlang lehrte, undin willens hatte, sich auf die Rechtsgelehrsamkett zu legen; erward aber bald darauf durch ein heftig donnerwetter und durchdie ermordung eines guten freundes bewogen, den geistlichenstand anzunehmen, und ins Augustiner-kloster zu Erfurt zu ge-hen, wiewol sein vattcr damit nicht zufrieden war, und ihm zure-dete, er möchte sehen, daß sein schrecken nicht ein betrug des sa-tans sev. Er ward im kloster anfänglich ziemlich hart gehalten,bis der Provincial Staupitz ihm, in anfehunq, daß er ein Mit-glied der Academie sey, ruhe und zeit zum studiren schaffte, aufdessen cinrathen er sich auch sonderlich auflesung der H. Schriftlegte. An. 1507. ward er zum Priester geweyht, und an. 1508.auf die Universität nach Wittenberg beruffen, daselbst die Phi-losophie zu lehren, worauf ihn scin orden an. 1510. nach Rom schickte, um daselbst einige den orden betreffende dinge auszuma-chen, bey welcher gelegenheit er viele mißbräuche, so damals un-ter der Römischen kirche im schwänge giengen, wahrnahm. An.1512. ward er auf Veranlassung seines ordens vockor, dazu derChurfürst von Sachsen , der ihn mit vergnügen hatte predigenhören, die Unkosten hergab, und in eben diesem jähre erhielt erauch die theologische krofestion, da er denn alsobald die H.Schrift zu erklären, und gegen das verdienst der wercke bey Ver-gebung der fünden zu lehren anfieng, sich auch mit allem fleisse,um die Schrift besser zu verstehen, auf die Griechische und Latei nische spräche legte. An. 1516. und 1517. setzte er sich der ablaß,krämerey, welche insonderheit Johann Tetzel auf eine sehr un-verschämte weise trieb, entgegen, und schlug, nachdem er vorherden Ertz-Bischoff von Mayntz und Bischoff von Brandenburgschriftlich ersucht, dem übel zu steuren, den ;i. oct. an. 1517.einige sähe gegen den «blaß an die Wittenbergische schloß - kircheöffentlich'an, daraus denn alsobald ein groß lermen ward, indemder Römische Hof sich der fache sehr annahm. Es begehrte der-selbe schlechterdings, daß Luthcrus ausgeantwortet werdenmöchte, und da es der Churfürst nicht eingehen wollte, ward erzum wenigsten nach Rom geladen. Jedoch kam es endlich soweit, daß er sich an. 1518. nur blos vor dem Cardinal Cajetanozu Aligspurg stellen durfte. Dieser drang durchaus auf einenwiderruf, den Lutherus nicht thun wollte, bis er seiner irrthüm.mer überführt würde, hingegen sich zu schweigen erbot, wennseine Widersacher auch schweigen würden, womit aber der Cardi-nal nicht zufrieden seyn wollte, und dadurch verursachte, daßLutherus an einen besser unterrichteten Papst appellirtc, undwegen besorgter gefahr ohne abschied von Äugfpurg hinweg zog,nachdem ihn vorher der Augustiner-General Staupitz von demgehorsam, den er dem orden gelobt, losgezehlt. Eben dasselbeiahr noch appellirtc Lutherus, als er hörte, daß er zu Rom ver.dämmt sey, an ein Concilium , und hatte den schluß gefaßt, infremde länder zu ziehen, daran ihn aber des Churfürsten befehl,der ihm zu bleiben gebot, hinderte. Hierauf nun gieng er in er-känntnis der Materien, die er der Römischen kirche streitig mach-te, immer weiter, und trieb das angefangene werck mit grossemmuthe, hielt an. 1519. ein gespräch zu Altenburg mit demPäpstlichen Cämmerer, Carln von Miltitz, der mehrentheilsseinetwegen nach Teutschland geschickt war, und Tetzels unfugwohl erkannte, wohnte auch der auf dem schlösse zu Leipzig ange-stellten disputation zwischen Eccio und Carlstadten bey, da er sichdenn auch selbst mit Eccio einließ. Dazumal ward Luthers voneinigen Fränckischcn Edelleuthen schütz angeboten, er aber hattekeinen gefallen an ihren gewaltthätigkeiten, und blieb in Sach sen , allwo ihm auch der Churfürst, ungeachtet vom PäpstlichenHofe vielfältige anregung geschahe, kein leyd widerfahren ließ.Er verbrannte an. 1520. zu Wittenberg des Papsts wider ihn er-gangene bulle nebst dem Jure Canonico , weil man vorher hinund wieder seine schriften verbrannt hatte. An. 1521. stellte ersich unter Kayserl. sichern geleite zu Worms auf dem Reichs-tage, wollte aber ohne vorhergegangene Überzeugung seiner irr-thummer aus der Schrift durchaus nicht widerruffen, und zogalso mit nochmaligem Kayserlichen geleits-driefc wieder weg,ward aber bald darauf nebst seinen anhänaern von dem Kayserin die acht erklärt, deswegen ihn der Churfürst von Sachsen un-terwegens durch zwey vertraute Edelleuthe wegnehmen, und zuseiner sicherheil auf das schloß Wartburg bey Eifenach in Ver-wahrung bringen ließ, da er denn seine zeit nicht müßig, sondernmit Verfertigung allerhand nützlicher fchristcn und Übersetzungeiniger bucher aus der Bibel zubrachte, bis er zu anfanq des1522. jahres durch die Unordnung, so Carlstadt zu Wittenberg mit dem bilder-stücmen erregt, bewogen wurde, ohne vorwiffendes Churfürsten, gegen den er sich deswegen schriftlich entschul-digte, diesen ort zu verlassen, und sich wieder nach Wittenberg zubegeben, allwo er bald hernach viel mit den Wiedertäufern zuthun kriegte, denen er sich eifrig widersetzte, dabey aber in diesemund folgenden jähren auch seine Übersetzung von der Bibel zustände, und den ausserlichen gottesdienst in ordnung brachte,auch an. 15 24. den Mönchs-Habit, den er bisher noch beständiggetragen, ablegte. Indessen war er durch den zu Nürnberg an.152;. gehaltenen Reichs-tag gegen dem Wormsischen schluß nochmehr m „cherheit geletzt worden, indem die Stände vor rathfirmbefunden, an statt selbigen zu vollziehen, auf ein freyes Conci-lium zu dringen, dabey es auch, ungeachtet der Kayser nicht da-mit zufrieden war, fern verbleiben hatte. An. 1,2;. bemühele
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er sich sehr, den bauren-aufruhr zu stillen, deswegen er eine »»anstellte, dabey er die Mannsfeldischen berg-leulhe metsteJimgehorsam erhielt, auch in Thüringen hin und wieder deshalbpredigte. Wie nun dieses sehr rühmlich war, und neben mZin gleichem absehen ausgegebenen schriften, da Lutherus iow«lder Obrigkeit als den Unterthanen die ihnen bey solchem aniMobliegende pflichten gar gründlich und nachdrücklich »orteLuthcrum von der unbilligen zulage vieler Calhoiischenv»rechtfertiget, welche ihn für den urheber oder doch die utsacbfeser leidigen aufruhr ausgeben dürfen; also hätten viele vati«dige leuthe wol wünschen mögen, daß er es dabey bewende» las,sen, und nicht noch ferner durch das letzte dieserwegen aus«bene buch die Fürsten und Obrigkeiten in Teutschland zu »4gung und ausrottung dieses aufrührischen hauffens ailMch-nen, unterstanden, wiewol doch mit dem allen diesen zuietztik»unrecht geschehen ist. Zu gleicher zeit qeriethermitZmchund Oecolampadio wegen des Abendmahls in streit, daraus hei.nach die unselige trennung der Protestanten erfolgte, und mdie Unterredung, die Lutherus an. 1529. auf VeranlassungdflLandgrafen von Hessen zu Marpurg mir ihnen hielt, iv>e achviele andere bemühungen fruchtlos; obgleich in Marpurg , toLutherus bedenckcn trug, die von der andern feite verlmziibrüderschafft einzugehen, er doch wenigst eine sreundschasslge.schloffen, und sich dahin verglichen hat, daß man nicht wie v«i,wider einander schreiben , noch sich harter und bitterer wemgebrauchen solle. Zu dem an. 1530. zu Augspurg übergebe«»Protestantischen glaubcns-bckänntnis trug Lutherus das innigesofern bey, daß er 17. artickul nach befehl des Churfürsten ms,fetzte, aus welchen hernach solche bekänntnis verfett® wie.Dle zeit über, da der Reichs-tag währte, blieb er nach dcsWr-fürsten willen heimlich auf dem Coburqischen schlösse, ittiletnoch in des Papsts bann und des Kavsers acht war. Nachgeen-digtem Reichs-tage begab er sich wieder nach Wittenberg , ruthan. 15; 2. dem Churfürsten zu annehmung des sriedens, zu densich der Kayser damals geneigt erwies, und der auch durch dn>Nürndergischen vergleich zu stände kam, dabey er denn seinembeit in schreiben, lehren, reformiren und besuchunq dcr kirchni,sonderlich in Sächsischen und Meißnischen landen, beständigfortsetzte. An. 1 $ 3 7. reisete er auf erforderung der Prolestanii.schen Stände nach Schmalkalden , und setzte daselbst die söge,nannten Schmalkaldischen artickul auf, und an. izzp.hnlferden gottesdienst zu Leipzig einrichten. Er kriegte die letzten labetseines lebens ausser vielen andern Widerwärtigkeiten auch »er,druß mit den Rechtsgelehrten zu Wittenberg , adsondertichwe-gen des Päpstlichen Rechts, nach welchem er die ehesachcn nichtgern entschieden haben wollte, darüber sowol, als auch wegendes Übeln lebens, das sich bey vielen nicht wollte dämpfen lagen,er endlich ungedultig ward, und sich gar von Wittenberg weg.wenden wollte, wie er denn an. 1545. bereits nach Zeitz zulao Amsdorfio gezogen war, und seiner frau befohlen hatte, Hansund hofzn verkauffcn. Allein die Universität brachte esbqbeniChurfürsten dahin, daß selbiger seine zurückknnft verlangte, wes-wegen er sich auch wieder dahin begab. Allein im folaenden ich.iahre forderten ihn die Grafen von Mannsfeld zu ich, um einigtgrentz-und erb-streitigkeiten zwischen ihnen zu entscheiden, da erdenn zu Eisleben einige predigten hielt, den 17. sebr. aber von derkranckheit, die ihm schon längst angehangen hatte, so hart ange,griffen ward, daß er daran den folgenden morgen in tarn nn,terschiedener Gräflicher und anderer ansehnlichen perjone» ver-schied. Anfänglich zwar ward er zu Eisleben begraben, baldaber auf erforderung des Churfürsten von dar nach Wittenberg abgeführt. Er hatte sich an. 152;. mit Calharinen von Ba-ren, die vormals im kloster Nimtsch bey Grimma eine Aonnegewesen war, verheurathet, von welcher er drey sthne,Wa»nem, Martinum und Paulum hinterlassen. Er war an mannvon überaus grosser hertzhafftigkeit, arbeit, tiefer ein»®durchdringenden beredtsamkeit, von gemüth ziemlich W""?daher zur schärfe und harten redens-arten in seinen streNgedM'ten geneigt, welchen fehler er selbst öfters an sich erkannt, aoaauch grossen theils durch seiner Widersacher eigenes bezeigen Mgebracht worden. Er war von kräncklrcher leibes-beWlM«auch Ostern bekümmerniffen des gemüths unterworffen, dmyer doch immer starck genug blieb, feine schwere arbeit zu «ffw*ten. Die in vorigen zeiren ausgegebenen ungereimtenseines lebens, finden heut zu tage bey den klügsten untaE»relegions-verwandten selbst keinen glauben mehr, unbnm»«biß vielfältig widerlegt worden. Seine schriften, wel® wvielfältig sind,und sowol die auslegung der Schrift a!sio»!tw"°logische Materien betreffen, hat man zu Wittenberg iJ*rund Altenburg zusammen gedruckt, von welchen edmonm iWittenbergische die schlechteste, die Altenburgische aber w*ste ist, weil darin» auch die beyden Etslebischen wm, naey »»Jenaischen druck heraus gekommen, und noch ein mehren,^vorhin nicht gedruckt gewesen, enthalten ist. Aus bieten?*>Hermann von der Hardk noch tomos AutographorumW“Jri & CoiEtaneorum herausgegeben, so sind auch zu1702. ein band von schriften, die in den AltenburgiMN»recht gestanden , und an. 170;. ein band seiner uoch uM^gewesenen briefe ans licht gekommen. Meiancbtbm. hiit.«;
& act. Lutheri. Mattbefii predigten von dem leben zu wSelnecrerus , in vita Lutheri. Drejjeri historia Lutheri· ^vitas Theologorum. Junkeri vita Lutheri ex nummis· · ^darf. hist. Lutheran . Steidanus , de statu relig. & ^