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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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mit grosser treue vor; vermehrte auch die anzahl ihrer schiffe,versähe ihre zeug-häuser mit allem nöthigen Proviant und am-Munition, und machte zu des landes besten heilsame gcsetze. Fer-ner verordnete er auch, daß aufdem rbeacro tragödien um diewette gespielet werden sollten, und den Poeten, so die bestengemacht, verordnete er, daß ihnen, falls sie fremde wären ,zur belohnung das bürger-recht der stadt Athen geschencket wur-de. Denen auch , so in den kamps-spiclen, welche zu ehrendeS Neptuni in dem mcer-porte von Athm Piräeo gehalten wur,den , den sieg davon trugen, machte er zum gefchencke zehrnminas geben; dem, so nach dem siege der erste war, acht, unddem dritten, sechs, alles um seine bürger zu den löblichstenÜbungen aufzumuntern, damit dadurch die Gelehrten solltenaufgewecket werden. Zu solchem ende ließ er auch Sophocli,Aeschylo und Euripidi statuen aufrichten, gleichwie er hingegenalle faule landstreicher, Müßiggänger und andere böse bnben ausder stadt jagen ließ. Zu den öffentlichen Übungen stiftete er ei»nen besondern ort. Wenn er etwas zu verwalten hatte, hielter eine genaue rechnung von allen seinen Verrichtungen, undwenn er damit fertig war, schlug er sein tage-buch an einenPfeiler an , damit jederman sehen und beurtheilen möchte,was er in während seinem amte gethan. Ja, da er auf sei-nem tod-bethc lag , ließ er sich in die Raths-vcrsammlung brin-gen , und gab daselbst von allen feinen Handlungen, die das ge,meine wesen betrafen, rechenschafft, widerlegte auch einen sei-ner ankläger Menejachmum, worauf er, nachdem man ihnwieder heimgebracht, bald seinen geist aufgab. Die Athenien-ser legten ihm den nahmen Ibis bey , und zwar wie HenricusValesius muthmasset, um dieser Ursache willen, daß wie besagtervogel die schlangen , also Lycurgus die schädlichen bürger ausder Republick vertrieben. Er hinterließ drey söhne, Lyco-phron, Lycurgus und Aphron , die mit einander nach demtode ihres vattcrs, als böse bürger , ins gefängnis geworf,fen, aber als Dcmosthcnes die Athenienser berichtet , daßman sie deswegen an andern orten übel ausschrie, wiederumlosgelassen wurden. Plutarcb. in ipüus vita. Vales. in Am-mian. stlarcellin. üb. XXII. c. 9. Paiisan. üb. I. Bayle. Fa .brieius , bibl. Grseca p. 861. seqq. *ilyc«rguö, war des Königs zu Sparta Agesipolis III.Mit-Regenke, vermöge der gewohnheit, nach welcher die La-cedämonier jeweilen zwey Könige aus zwey besondern ästen dernachkommenschafft Herculis zu erwchlen pflegten; doch wur-de mit diesem die alte ordnung nur dariun beobachtet, daßman ihn zum zweyten König machte. Dann im übrigenstammte er gar nicht von Hercule her, und hatte die Königli-che würde schlechterdingen mit geld erkauft; indem er jedemEphoro ein talcnt, nach unsrer müntze in die sechshundert ba-joirs oder fünf ortsthaler, darum verehrte. Bald nach stinererhebung überfiel er die Argiver mit krieg, ohne ihnen densel-ben anzukünden, und eroberte anfangs mit leichter müheeinige ihrer städte, >veil er sie »»gerüstet antraf. Es wardzwar sein glücke gleich anfangs ziemlich gestört durch einen ge,wissen Chilon, welcher würcklich aus dem Königlichen ge«schlechte war, und um sich wegen des vorzugs Lycurgi zu rächen,erstlich die Epbnros , welche selbigen erwehlet , auf einerMahlzeit überfiele, und sämtlich todt schlüge, auch nachmalshurtig genug auf Lycurgum selbst loSgieng. Allein, obwol erihn noch in feinem Hanfe antraf, so hatte er doch zeit gehabt,einige freunde und nachbarn zu sich zu versammeln , mit wel-chen er die gemalt des Chilons abtrieb, hoch sich nachmalsan einen sichern ort begab, von wannen er aber, als Chilonin ersehung, daß niemand aus dem volcke sich zu ihm schlagenwollte, selbst die flucht ergriffen, bald wiederum zurück kam ,und die vorige hcrrschafft fortsetzte. Er nahm auch so gar demvorgemeldten Agesipoli seine gemalt, damit er gar alleinregieren möchte; wovon jedoch nicht recht gewiß ist, ob esgleich nach der erwehlung Lycurgi oder etwas zeit hernach ge-schehen. Lycurgus mischte sich immer in mehrere kriege,nahm den Arcadiern, Tegea und Athenäum weg. Und alsder Macedonifche König Philippns, der nachmals wider dieRömer zu seinem grossen schaden in krieg verfallen, sich auchdarein mischte, kam es unfern der stadt Sparta zmn treffen,weil «hm Lyciirgris im durchzug einfallen wollte, da jedochdieser letzte den kürtzern zog. Es ward nachgehends eine an-klage wider ihn für die Epboros , welche nun von den vorge-meldten , so ihn zum Könige gemacht, gantz unterschiedenwaren , gebracht; als ob er nemlich sehr gefährliche dinge wi-der das gemeine wesen vorhätte ; wiewöl er doch in diesemstücke unschuldig soll gewesen seyn, und keine andere qedanckcngehabt haben, als sich mit der schon erlangten Königlicheirgemalt zu veranügen. Selbige liessen sich dadurch bewegen,daß sie ihn in seinem Hause zu überfallen und gefangen zu neh-men trachteten. Allein er bekam noch in zeiten bericht davon,daß er zu den Aetoliern mit allen den seinigen entfliehenkonnte. Doch nachdem die Lacedämonicr die Unwahrheitder wider ihn vorgebrachten klägden erkannt, ward er nach et-.was zeit wiederum zurück beruffen, und führte hierauf denschon zuvor wider die Messenier angefangenen krieg in gesell-schafft der Actvlier von neuem fort, konnte aber ausser dereroderung etlicher mittelmäßiger städte nicht viel sonderbaresausrichten : wie denn in der that die Spartanische machtdieser zeit schon gar sehr zur neige kommen war, und beyweitem nicht solche thaten im kriege verrichtet wurden, alsHlssor. Lextcm IV. Theil.

zu den zeiten Pausaniä, Agesilai, Lysandri und anderer ge-schehen. Vom ende dieses Lycurgi stutzet man gar nichts auf-gezeichnet. Und Pausauias, der doch anderer Lacedämoni»sehen sowol Könige als Tyrannen vor und nach Lycurgo Mel-dung thut, hat ihn gar mit stillschweigen Übergängen, Poiyb.lib. IV. V. & in exc. Legat. T. Liv. üb. XXXIV. *

lycurgus, ein König in Thracien , welcher, als er sahe 1daß seine Unterthanen dem weiusauffen sehr unmäßig ergebenwaren, alle Weinberge in seinem Königreiche ausrotten ließ.Daher nahmen die Poeten gelegenheit zu lichten, daß erBacchi feind gewesen , und nachdem er desselben ainmen ver-trieben , ihn auf die insul Naxos zu fliehen geuöthiget habe,worauf er von den göttern , um diese beleidigung zu rächen,rasend gemacht worden , in welchem zustande er sich selbst seineeigene deine abgeschnitten habe. Plutarcb. de Poet. mit. Pro -pert. lib. III.

üycuö, ein Griechischer geschicht-schreiber, von Rhegium aus dem untersten theile Italiens gebürtig, welches GraciaJVIagna genennt, und meist von Griechischen cinwohnern be-setzt war. Er führte den zunahmen Batheras, schrieb ein buchvon flüssen und brünnen, auch etwas von den geschichtenAlexandri M. sonderlich aber eine Historie von Libyen und Si-cilien. Er lebte zu Ptolemai Lag! zeiten A. R. 43 und wurdevon Demetrio Phalereo ermordet, oder kam wenigstens durchdessen heimliche Nachstellung in lcbens-gefahr , Massen Suidas ,so davon Meldung thut, die fache nicht klar genug ausdrucket.Sein söhn Lycophron , von welchem man nur noch die Cassan-dram hat, machte sich gleichfalls berühmt. Suidas . Voßus ,de Hilior. Grsec. lib. I. c. 10. *

Aydia, eine ansehnliche landschafft in Klein-Asien , so auchMövnla genennet wurde, und anjetzv Carasia heißt. Diestüsse darinnen sind Caicus, jetzt Chimachi und Chimasti ge-nannt , Hermus, so jetzo Sambat, und Pastolus, so heutzu tage Chias oder Chiari heisset, welcher letztere Lydien vonCarien absondert. Die darinnen liegende berge sind der Si-pylus, Tinolus, Mimas, rc. und die ansehnlichsten städteSardes , Philadelphia , Thyatira und andere. Josephns undSt. Hieronymus berichten , daß die Lydier von Lud , einemsöhne Sem, herstammen. Die Heydnischen scribenten aber er«zehlen , daß einer, mit nahmen Lydus , Herculis von Jolasöhn, diesem lande den nahmen gegeben , und daß der erstefitster des Lydischen Königreichs Argon, Herculis enckel gewe-sen, dessen linie bis aufCandanlus gewähret, welcher der rrsteKönig war, und A. R. 40. oder A. M. i;,y. oder ih®. undim 4000. jähr des Julianischen Periodi von Gyge getödtet wor-den , mit welchem sich der Mermnadische stamm ansieng , des-sen Nachfolger Ardis, Sadyattes, Aiyattes und Crösus wa-ren , welcher letztere in dem 14. jähre seiner regierung A. R.210. von Cyro bezwungen und gefangen wurde. Solcher ge-stalt kam Lydia unter die Persianer, nachgehends unter dieGriechen und Römer, und endlich unter die Türcken. Die Ly-dier waren die ersten ersinder des geinüntzten und geprägtengelbes, gute reutcr, aber gemeiniglich wollüstig und weibisch.Sie schickten eine colonie in Italien , welche sich in Tosca.nien niederließ. Joseph, in antiq. lib. I. c. 6. Herod. lib. I»Plin. lib. V. Strabo , lib. XI. Lcunclav. in pandect. Turc.C/uver. & Magni geogr. Patav. Scalig. Riccioli. Ceüarius , no-tit. orbis antiqui.

Lydiat, (Thomas ) ein gelehrter Engellander, chid einsöhn Christvphori, .eines reichen kaufmanns von Londcn, istzu Okerton in der provintz Oxford an. 1572. gebohren, undnachdem er in der Winchestcr-schule den ansang feiner studiengemacht, in Oxford im Gollegio Novo zu einem Fellow oderSocio angenommen. Er begab sich insonderheit auf die ma-thematischen und astronomischen wissenschafften, doch daß erdie sprachen und Theologie keineswegs verabsäumte, obschonseine neigung zu dieser letzter» durch sein schwaches gedächtniSund schlimme aussprache, in etwas gehemmet wurde. Nach.dem er eine zeitlang Printz Heinrichs GoPmograpbus gewe-sen , kam er nach dessen tobe in des Ertz-Bischoffs Üsseriibekanntschafft, mit welchem er in Jrrland gezogen, und da-selbst bey zwey jähr in dein Gollegio zu Dublin sich aufge-halten. Bey seiner Wiederkunft in Engelland , erlangte er diePfarr in Okerton; als er einmal für einen seiner unver-wandten sich verbürget, aber nicht im stände war, die schuldzu bezahlen, ward er inS gefängnis geworffen, daraus eraber durch hülffc Laudi, Usscrii und anderer guten freunde,welche die schuld abgetragen, wieder befreyet worden; daran aberJohannes Seldenus, welcher doch inständig darum ersuchtworden, gar nichts geben wollen, darum, wie inan dafürgehalten» weil Lydiat desselben Marmora ArundeÜana in einund anderm stücke angegriffen, und demselben nicht genugsa,me lobsprüche gegeben. Bey dem einheimischen kriege, musteer wegen seiner treue gegen den König viel an leib und güthernleiden, und wurde dadurch in einen solchen stand gesetzt, daßer nicht ein eigenes Hemd an seinen leib zu legen hatte. Erstarb zu Okerton den ?. april an. 1646. in grosser armuth. Soheftig als ihn auch Jos. Scaligcr wegen seiner angegriffenenChronologie durch die Hechel gezogen, so daß er anders nichtvon ihm, als von einem gantz sinnlosen und rasenden menschen,welcher an Unwissenheit seines gleichen nicht hätte, in seinenevistein und anderswo redet; so hoch schätzen im gegentheil

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