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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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krieg anqieng, versprach zwar Mauritius dem Churfürsten, derihm seine lande bey der abreise anbefahl, alle freunbschafft, be-mächtigte sich aber dach hernach in Johann Friedrichs adwesen- 'heil des grasten theils derselben mit gemalt. Er wandle zwarvor, es geschähe solches nicht nur wegen der Kayserlichen an ihnergangcncn befehle, sondern auch aus Vorsorge, damit dieseländer nicht gar in fremde Hände kämen, weil König Ferdinandschon fertig gestanden, in dieselbe einen cinbruch zuthun, wel-ches er auch also feinen Land-ständen vortrug, und in das la-ger der dunds-verivandten schrieb. Es meynten aber viele, wel-che gemerckt hatten, daß der Fürst in diesem jähre mit dem Kay-5 er auf dem Reichs-tage zu Regenspurg, und hernach mit KönigFerdinand geheime Unterredungen gepflogen, daß er einige vonden Land-Ständen, die solchem vornehmen widersprochen, mitUngnaden angesehen, und daß einige von feinen Ministern mitdem Kayserlichen Hofe in genauem vernehmen stünden, es seyalles eine längst abgeredete und beschlossene fache gewesen, zumal,da der Kayser ihm bald darauf, und ehe noch Johann Friedrich 'völlig überwunden war, desselben länder und würden zusprach,und ihn in schriftenErtz-Marschall und Churfürsten ncnnete. Al-lein es kam ihm anfänglich Johann Friedrich eilfertig auf denhals , und weil er stch weder einer so schleunigen zurückkunft,noch auch daß die feinde in so gutem stände seyn sollten , verse-hen, auch daher einen grossen theil seiner völcker abqedanckt hat-te , verlvhr er sein gantzes land bis auf Leipzig , Dreßdcn undPirna , und ward genöthiget, sich zu König Ferdinand nachBöhmen zu begeben. Er kehrte jedoch mit der Kayserlichen ar-mer bald wieder um, und halfan. 1547. das treffen beyMühl-berg erhalten, worauf ihm der Kayser Johann Friedrichs län,der, bis auf dasjenige, was davon dessen söhnen ausgezogenwurde, nebst der Chur -würde nochmals schenckte, und die bc,lehnung darüber in dem selbe vor Wittenberg öffentlich ver-sprach , welches auch an. 1548. auf dem Rcichs-tage zuAug-spurg erfolgte, da indessen Mauritius dem Könige Ferdinandsdie unruhigen Böhmen halte hclffcn zu paaren treiben. Indes-sen muste er es vcrschmertzen, da ihn der Kayser mit dem , demLandgrafen von Hessen gegebenen Worte stecken ließ , und diesenHerrn, ohngeachtet aller seiner Vorstellungen,in gesanglicher haftbehielt. Der Kayser fetzte ihm auch mit dem Interim zu> darüberer aber so zweifelhasste crklärung that, und zum schein viele zu-sammenkünfte seiner Theologen anstellte, daß die annehmungdieses bnchs in seinen landen in die länge aufgehalten ward, bisdie religions-jachen dnrchgehends ein anderes aussehen gewon-nen. An. i c zo. übernahm er Reichs wegen die belagerung derin die acht erklärten stadt Magdeburg , welches ihm bey vielen,auch den seinigen, grossen haß zuwege brachte, weil sie biß füreine religions-verfolgung hielten, die er wider seine eigene glau-bens-genossen vornähme, weswegen die Ritter-pferde, die er auf-geboten, sich zu stellen abschlugen. Allein er mochte es wol mitallem fleiß dahin gesvielet haben, daß das Reich ihm diesen zugaufgetragen , dadurch zu verhindern , daß die stadt dem Kavsernicht in die Hände fiele, und sich zugleich den weg zu anssüh-rung seiner anschlage zu bahnen. Denn er mochte damalsschon den krieg wider den Kayser in dem sinne haben, indem ihnsowol die gefangenschafft des Landgrafen,als auch dieses verdroß,daß die Spanier sich so viel in Teutsche fachen mischten , welcheinsonderheit Mauritium bey dem Kayser zu verbringen suchten.Er fieng auch würcklich währender dieser belagerung an, auf sol-chen krieg zu dencken, und sich durch das Französische bündnisund sonst darzu in stand zu setzen, weswegen er die belagerungauch ein gantzes jähr aufhielte, und zuletzt den Magdeburgerneine capisulation gab, die gar mit desKavsers vorgehabter schär-fe nicht überein kam, und dadurch er meister von der stadt ward,welcher er noch dazu das straf-geld, so sie erlegen muste, soll vor-geschossen haben. Das volck, so wider die stadt war gebrauchtworden, verlegte er in die winter-quartierc, und behielt es alsoauf den deinen, unter dem vorwande, daß es noch sold zu for-dern habe, für dessen bezahlung er selbst sorgen wollte. So wa-ren auch die abgedanckten Magdeburgischen soldatcn unter derHand wieder angenommen worden. Nun hätten zwar die Kay-serlichen sein absehen an diesen und andern verschiedenen um-ständen mercken können , inmassen Mauritius um dieselbe zeitgar sonderlich auf die loslajsung des Landgrafen drang, und vor-gab , er wolle sich seinen söhnen sonst selber in gefangenschafftstelle»; wie er den» solches zuvor, da der LandgrafPhilippus aussorchl von dem Kayser gesanglich behalten zu werden , sich nichtanders, als aus dergleichen Versprechung die abbitte in Personbey Carolo zu thun, halte bequemen wollen , in der that schrist.lich also versichert hatte, wo Philippus nicht sogleich wieder freygelassen werden sollte. Worwider hingegen die Kavserlichenschon genug zu seyn meynten, daß manMauritium von allem ver-sprechen ledig zehlete, und selbigem, sich bey den Heßischen Prin-tzen gefäuglich einzustellen, schlechterdings verböte. So ließauch Mauritius eben üm diese zeit die Graffchaffl Catzencln-boqcn, die der Kayser dem Heßischen Hanse abgesprochenhaue, sich huldigen. Zu dem hatte Lazarus Schwendi , wel-cher von des Kaysers wegen der Magdeburgischen belagerungbeygewohnt, vieles gemerckt, so ihm den argwohn geheimerUnterhandlung beybrachte, welches alles er dem KayserlichenHose getreulich hinterbrachte. Aber man mcynte daselbstMauriln so wohl versichert zu seyn, daß sich Granvclla ver-nehmen ließ, dergleichen feine anschlüge habe man von trun»ckenen Teutschen nicht zu vermuthen, und wenn man that-Htstor. Lextcon IV. Theil.

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als ob man so etwas dem Churfürsten zutraute, würde ihndas vielleicht erst auf solche gcdancken dringen. Er ivar aberso sicher, weil zwey Lecremrii an dem Sächsischen Hofe inKayserlichcr pension stunden, und davor alles, was vorgieng,berichteten, deren untreu jedoch Mauritius zeitig gemerckt,und deswegen gethan , als ob er sich ihnen gantz vertraue, auchalle beralhschlagunqen , die aber allezeit das Widerspiel von sei-nem vorhaben enthielten , in ihrem beyseyn angestellt, dahersie denn den Kayserlichen Hof mit falschen Nachrichten erfüllten.Es that auch Mauritius noch sonst verschiedenes, die Kayserli-chen zu blenden , indem er nicht allein über abstndung seinerTheologen nach Trident handelte, und würcklich Gesandtenvoraus schickte, auch that, als wenn er auf erforderung zumKayser nach Angspurg kommen wollte, wozu er sich schön einhaus miethen Iahen , und selbst mit weniger begleitung auf demWege war. Aber ehe man fichs versähe, kehrte er uni, zog sei-ne volcker zusammen , und gieng an. auf den Kayser loS,der gantz ohne bemtfchafft war, eroberte Augsburg, undüberstieg die Ehrenberger - clause, auf deren vestigkeit sich derKayser sehr verlassen hatte, dabey jedoch Mauritius in grosselebens-gefahr kam. Denn weil etliche von den svldaren, sonder-lich von dem Reifenbergisthen regimente, welche bey der crobe-rung Ehrenberg sonderliche btenste gethan zu haben meynten,dafür eine aufferordentliche belohnung haben wollten, derChurfürst aber solche verweigerte, und 'einige von den ungestü-men forderern bey dem köpfe zu nehmen befahl, geschahen etli-che schüffe nach ihm , daß er mit genauer noth entrinnen konnte.Durch eroberung dieses passes stund ihm der weg nach Jmpruckoffen , von dar sich der Kayser bey «achtund nebel nach Villach auf die flucht begab; zu welcher er doch nach vieler muthmas-sung kaum würde genug zeit gefunden haben, wo nicht der obge-meldte aufruhr, zu dessen stiüung Mauritius sein anderes kriegs-vvlck wider die aufgelehnte hätte müssen anziehen lassen, dievorgehabte schleunigere fortrückung gehindert hätte. Jnspruckaber eroberte Mauritius , und gab seinen soldaten asses preis,was den Spaniern gehörte, da hingegen König Ferdinandsfachen nicht angerührt werden borsten , weil mit demselbenMauritius in besonderer frcundschafft stund. Durch dessen Ver-mittelung ward auch eine friedenS-handlung erstlich zu Lintz ,und hernach zu Passau vorgenommen , welche der Kavser zwaranfänglich zu verzögern bedacht war, doch aber endlich beschleu,rügen muste, weil Mauritius sich nicht wollte aufhalten lassen,sondern die stadt Franckfurt am Mayn zu belagern ansicng,worauf noch in selbigem jähre der Teutschen frcyhcit und derProtestantischen religion zum besten der Passauische vertrag er-folgte. iseine bunds-genossen, und iiisouderhett MaragrasAl-brecht, waren mit so geschwinder endigung des kriegs "nicht zu-frieden, und von seinen eigenen völckern giengen einige deswegenzu dem Marggrascn über. Er, der Churfürst, aber führte denrest König Ferdinand zu gefallen nach Ungarn , allwo er jedoch,weil sich die Türcken im selbe nicht sehen liessen, weiter nicht-that, als daß er die vestung Raab in guten stand setzte. Nachseiner Wiederkunft halte der Churfürst des kriegs zwar ziemlichgenug, ward aber doch bald in einen neuen verwickelt. Dennweil der Marggraf Albrecht die Waffen noch nicht niedergelegt,und allerley unruhe in dem Reiche anrichtete, welcher zu steurcnauch Mauritius von dem Cammer-Gerichte befehl bekam, ließ ersich dazu nm so viel eher bewegen, weil es das ansehen hatte, alswenn der Marggraf wegen des über den Passauischen vertragentstandenen Unwillens auch dem Churfürsten nichts guts zuge-dacht habe. Es vereinigte stch demnach Mauritius mit HertzogHeinrichen zu Braunschwcig.und zog dcmMarggrafcn nachNie-dcr-Sachsen entgegen. Man mcynt,cs hatte,durch Verzögerungdem kriege leicht ein ende gemacht werde» können, indem derMarggras kein geld hatte. Weil aber Mauritius besorgte, esmöchte der fctnd einen weg in Meissen zu streifen finden, trieb erauf eine haupl-schlacht,welche den y.jul.an.i 5; z.gehalten ward,in der auch der Churfürst den sieg zwar erhielt, aber gantz am en-de des tressens von hinten zu einen tödtliche» schuß bekam , anwelchem er den dritten tag hernach gestorben. Er hinterließ vonseiner obgemeldten gemahlin eine einzige tochter, nahmens An-na, die nachgehend- an den Printzen Wilhelm von Oranien ver,mahlt worden. Dieser Herr hatte seine lande unter stetigen krie-gen zu nicht geringer bcschwerung der Unterthanen regiert, wel-ches ihm auch sehr leyd gewesen, wie er selbst oft bezeugt, und denVorsatz gefaßt, bey wieder hergestellter ruhe im Reich es ihnenwieder gemessen zu lassen. Indessen hat er gethan, was er ge-konnt , und ist seinen landen mit vortreflichen ordnnngen, mitVerbesserung der Universitäten, mit anlegung der drey Fürsten-schulen zu Meiffen, Pforte und Grimma , mit stiftung ansehnli-cher stipendien und sonsten, nachdrücklich zu statten gekommen,wie er denn ein Herr gewesen, der überaus wohl erkennt, wiedes Fürsten und der Unterthanen nutzen mit einander zu vereini-gen sey. Er war sonst von einem hohen und durchdringendenverstände, in entschliessung bedachtsam, in der ausführungfertig» und hatte stets mit wichtigen absichle» zu thun. SeineNeigung trieb ihn zum kriege, dabey er aber der Staats-qeschäff-te im geringsten nicht vergaß. Im zvrne war er etwas ge-schwind , im essen und trincken aber überaus mäßig , wel,ches er zu seinen beschäfftigungen, deren er sich allezeit selbstannahm, wohl nöthig hatte. Im verstellen ist er ein grosser,meister gewesen , und hat man ihm nicht leicht abmercken kön-nen, was der zweck seiner thaten sey, bis er damit los gebrochen.

B b b b b Arnolds