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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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tractaten mit dem Könige in Spanien , verglich an. 1609. in-terimö-weise Churfürst Johann Sigismunden zu Branden­ burg und Pfaltzgraf Wolfgang Wilhelmen zu Neuburg wegender Jülichischen fucceßion persönlich zu Dortmund , wohnte an.rüii.dem Chur-Sächsischen und Brandcnburgischen Conventzu Jüterbock , und an. 1612. desKayscrs Matthiä crönung zuFranckfurl am Mayn, wie auch an. 1614. dem erb-verdrüde-rungs-convent zu Naumburg , zwischen den Häusern Sachsen ,Brandenburg und Hessen , bey. An. 1613. schickte er seine Ge-sandten zu beylegung des Braunschweigischen krieges , und ließsich auch sousten zu cntscheidung vieler Unruhen hin und wiedergebrauchen , gleichwie er sich selbsten mit dem Churfürsten zuMayntz , Bischoff zu Paderborn und Abt zu Fulda , wegen ei-niger grentz-streitigkeiten verglichen. In seinem lande richteteer viel neue schlösser und gedände auf, hielt einen sehr prächti-gen Hof, und machte sonderlich seine Fürsten - schule zu Casselsehr berühmt, weil er selbst kein bedencken trug, die Gräfliche undadeliche jugend mehrmals in wissenschaffren zu unterrichten.An. 1620. trat er von der oben gedachten union ab, und an.1621. nahm er den Grafen von Waldeck ihr land, unter demvorwande, daß sie die lehn bey dem Kayser und nicht bey ihm ge-suchet, ferner in grosser mißhclligkeit mit der stadt Cordach leb-ten , und endlich in dem verdacht wären, daß sie heimlich mitden Spankern colludirten. Allein die Grafen sind an. 1622.durch den Kayserlichen ausspruch restituiret worden. So fandersuch sonst bey dem Ertz - Haufe Oesterreich gar wenig gunst.Denn es wurde ihm deygemessen, als hätte er in dem Teutschenkriege die Chur-Pfältzische parken allzu deutlich ergriffen , ja alsKreis-Oberster des Ober-Rheinischen kreises dem Hcrtzog Chri-stian von Braunfchweig bey dessen einfall in die Oder - Rheini-schen lande favorisirct. Zwar brachte er wider diese beschuldi-gungen seine nothdurft vor; allein er konnte sich doch nicht al-les argwohns entladen , so daß auch an. 162z. sein Fürstenthumdurch die wmter-quartiere von dem General Tilly gar hart mit-

S enommen worden. Der Landgraf, welcher in den gedanckenund,als hielten es ftineLand-Slande mehr mit denOesterreichi-schen , als mit ihm seldsten, fieng an sie hart zu verfolgen, sodaß viele vom Adel aus dem lande zogen, die aber, als die Kay-serlichen aufs neue in die Heßischen lande eingerücket, sich gleich-falls wiederum dahin begaben. Der Landgrafhielt sichimmit-telst zu Dessau auf, und wurde endlich, da der Kayserliche Ge­ neral , Graf von Gronsfeld, an. 1626. vor Cassel selbst ge-rückt , qenöthiget, die landes - regierung seinem ältern söhn,Landgraf Wilhelm, an. 2627. abzutreten. Hierauf führte erein privat-leden in dem also genannten Obersten-Hof zu Cassel,war aber nicht dahin zu bringen , daß er zu diesem feinem söhngekommen wäre. In solchem seinem stillen leben ist er endlichan. ,6;2. den 15. mart. gestorben. Das war das ende einesder berühmtesten Fürsten in gantz Teutfchland ,. welcher bey demKayser Rudolpho II. in grossen gnaden stund, und die ehre ge-habt, an feinem Hofe nicht nur von Französischen, Engelländi-schen, Dänischen und schwedischen, sondern auch PersischenGesandte» besucht zu werden. Im übrigen hatte er zwey ge-mahlinnen: Die erstere, welche er sich an. 159$. beygelegt,hieß Agnes, Graf Johann Georgens zu Solms tochter, die ihmgebohren Ottonem, Administratorem zu Hirschfeld ; Mauri-tium, der in dem zwölften jähre seines alters verstorben; Wil.hclmum, welcher ihm in der regierung gcfolget; und endlichElifabelham, Hertzog Johann Albrechts zu Mecklenburg ge-mahlin. An. 1603. hielt er mit Julian«, Graf Johann desmittlern zu Nassau-Dillenburg tochter, sein anderes beylager,und zeugte mir ihr sieben Printzcn und eben so viel Printzetzin-nen. Unter den ersten sind zu mcrcken Philippus, so an. 1026.in dem 22sten jähre seines alters in der schlacht bey Lüt­ ter das leben verlohren; ferner Hermannus Fridericus, derdem Könige in Schweden gedienet, und von den Polen an.165s. niedergemacht worden ; und endlich Ernestus, welcherdie Rheinfelsische linie aufgerichtet. Unter den Printzcßinnenwurde Agnes Fürst Johann Casimirs zu Anhalt - Dessau ;Magdalcna Graf Erich Adolphs zu Salm - Reifferscheid ; undendlich Sophia Graf Philipps zu der Lippe gemahlin. Scha.daus, in contin. Sleid. Tbuanus. Spenerus , fylloge hist. ge-neal. &c. *

Mauritius von Savoyen, ein jüngerer söhn des berühm-ten Hertzogs Caroli Emanuelis I. und Catharinä, einer tochterPhilipp« II. Königs von Spanien . Er ward gebohren den ro.jan. an. 1393. und von Paulo V. an. 1607. mltdem Cgrdinals-hut befchenckt. An. 1622. trug man ihm die protection der CronFranckreich an dem Römischen Hofe auf. Nach dem zu Chie-rascv an. i6z i. geschlossenen frieden begab er sich auf eine Zeit-lang an den Französischen Hof. An. 1634. verließ er wegen ei-niger durch den Cardinal Richelieu verursachten verdrieslichkei-ten die Französische partey, und schlug sich zu der Oesterreichs scheu. Als an. 1637. sein älterer bruder, Victor Amadeus 1 .mit lobe abgegangen,machte er dessen hinterlassener wittwe Chri-stinä, einer tochter Königs Henrici IV. von Franckreich, die vor»mundfchaffr über ihre zwey söhne, Francifcum Hyacinthnm undCaroluin Emanuelem II. mit solcher Heftigkeit streitig, daß es zueinem blutigen kriege kam , worinnen ihm die Cron Spanien,und sein jüngerer bruder Thomas , hingegen seiner schwägcrindie Cron Franckreich deystund. Nach vielen abwechfclungcn desglucks der Waffen, kam es an. 1640. zu einem vergleich, welcherHistor. Ltieiem IV. Theil.

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zwar bald wieder gebrochen, doch nach zweyen jähren, nemlichden 14. jun. an. 1642. auf solche art »erneuert ward, daß dieverwittibte Hertzoqin Christina die vormundfchafft behalten, undihre älteste tochter Louisen Marien Christinen an Mauritiumvermählen sollte. Diesem letzter» zu folge legte er noch in dem-selben jähre den Cardinais-hut ab, und hielt mit der gedachtenPrinßeßin, welche damals noch nicht das vierzehende jähr ihresalters zurück gelegt halte , würcklich beylager. Zugleich nahmer den titul eines Fürsten von Oneglia an. und ward des jungenHertzogs Carl Emanuels II. General - Lieutenant m der Graf«schafft Nizza . Weil er sich auch wieder vor Franckreich erklärte,so gab ihm der König Ludovicus XIII. eine jährliche pensionvon 100000, Französischen Pfunden, nebst der Versicherung, dassnoch ansehnlichere gratificationes darauf erfolgen sollten. Sei-ner gemahlin verehrte eben dieser König einen schönen schmuckvon edelgestemen, 100000. lhaler an baarcm aelde, und auf ih-re lebenszeit eine considcrable pension. Er starb den 4. vctob.an. 1637. ohne leides - erben; feine wittwe aber den 1;. mayan. 1692. Le Vajjbr, hist. de Louis XIII .

Mauritius , Printz von Oranien , Graf zu Nassau, einerder vornehmsten Kriegs - Helden, wurde zu Dillcnbura an.1367. den 7. septcmbr. gebohren, als sich eben sein valter Wil-helmus nebst der Mutter Anna, Churfürst Moritzens zu Sach­ sen tochter, in dem exilio bey seinem bruder an dem gedachtenorte befand. Anfänglich wurde er auf die hohe schule zu Hei­ delberg , und von bannen nach Leiden geschickt, daselbst den stu-dien obzuliegen. Nachdem aber sein vatter an. 1 c 84. durch ei-nen meuchel- mörder entleibet worden , liessen die Stande inHolland Mauritium eilend nach Delft holen, und vertrautenihm sofort die Vtatkhalterschafft über Holland , Seeland, West-Frießland und Utrecht , wie auch die Admiral-charge. Dochweil er noch etwas jung war, wurde ihm Graf Philipp von Ho-henlvh an die seile gefetzt. Die ersten jähre seines Gouverne-ments liefen sehr unglücklich vor die vereinigten Niederlande,indem ihnen die Spanier unter anführung desHertzvaS Alexan-dri Farnesii, Antwerpen , Gent, Dendermonde , Brüssel , Me-cheln, Niemägen, und viel andere platze abnahmen. Daher»trugen sie die protection über sich der Königin Elisabeth in En-gelland auf, die an. 1386. den Grafen von Lcicester nach Hol­ land abschickte, allwo ihn die Staaten zn ihrem General-Gou-verneur ernenneten. Allein weil sie nachgehends mit seiner wun-derlichen regierung nicht allzuwohl zufrieden waren, forderte ihndie Königin Elisabeth nach Engelland zurück, und befahl ihmdas bisherige Gouvernement abzulegen. Als nun solches ge-schehen , wurde dem Printzen Mauritio das höchste commandozu wasser und lande an. »587. aufgetragen, nachdem er vorherin eben demselben jähre, da der besagte Graf von Lcicester einereise nach Engelland gethan hatte, das Jnterims-General-Gou-verncmenk erhalten gehabt, auch würcklich in Brabant zu selbegezogen war. Gleich das andere jähr brachte er Nord-Holland ,allwo Dietrich Sonnoy gar zu sehr den Engelländern gewogenwar, zur devotion, eroberte Mcdendlick, und zernichtete desGouverneurs zu Vlißingen gefährliche anschlüge. Zu gleicherzeit entgieng er der gefahr, da ihn der Englische Admiral gefan-gen nehmen, und nach Engelland überführen sollte. Er verlohraber durch untreu feiner soldatcn die vestung Kertruydenbcrg,hingegen bekam er an. 1390. mit einem rorf-schiffe, worinn er70. soldatcn versteckt halte, Breda durch list ei», entsetzte auchglücklich die vestung Heusden, verlohr aber Rheinberg . Ineben diesem jähre bauete er auch die schantze Knodsenburg auf,wurde Gouverneur über Gelderland , und nahm Hemert, Cre»vccöur, Steenbergen , Terhcyden und andere platze ein. An.1391. eroberte er Zütphen , Deventer , Delffziel, Hülst undNiemägen, und trieb den Hertzog von Parma von der be-lagerung Knodsenburg ab. An. >392. eroberte er Sleenwick,Otmarfen und Cövorden , und schlug den Spanischen enlsatzzurück, wurde aber bey dem ersten orte, nemlich vor Stecn-wick , im gcsichte verwundet. Au. 159t. eroberte er Gertruy»denderg, und das folgende jähr entsetzte er Cövorden. Eenahm auch die stadt Groningen weg, davor er in den appro-schen mit einem schusse zur erde geworssen wurde, der ihm aberkeinen schade» that, weil er nicht durchgegangen. Er bcmei-sterte sich auch verschiedener kleinen schantzen. halte aber vergeb-liche anschiäge auf Hertzvgenbusth und Mastricht, und entkamzweymal einer lebens-gefahr, darein ihn etliche meuchel-mörderstürtzen wollten. Das folgende jähr wurde nichts ausgerichtet,indem er die delagerung Groll bey annäherung des Spanischen enlsatzes aufheben muste, auch da er hierauf die Spanier ange-fallen , mit Verlust des Grafen Philippt zu Nassau, und desGrafen Ernesti zu Solms repvußirt wurde. An., 396. eilte erder belagerten stadt Calais zum entfatz zu , die aber noch vor sei-ner ankunft übergeben worden. Als er diese mißliche zeitungvernommen, schiffte er nach Dovrcs in Engelland über, und stif-tete nach seiner zurückkunft ein bündnis mit dezn Könige Hen-rico IV. in Franckreich. An. '$97. war er glücklicher, indemer erstlich die Spanier bey Tournhvut, allwo sie ihre armee ver-sammelten , überfiele, und mit ziemlichem Verlust aus einanderjagte, und darauf Rheinberg , Mörs und die Spanische platzein Ober-Bffel einbekam. Man rechnet, daß er dieses jähr sie-ben flüsse paßiret, eine schlacht gewonnen, auch neun vestestädle, fünf schlösser, drey Graf-ünd eben so viel Herrschafftensich unterwürfig gemacht. An. 1,98. entkam er abermal einerB b b b b 2 iebens,