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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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ßnulrte, und von ihm zum Auditore bey der Legation zu Avi-gnon gemacht wurde. Urbanus VIll. zog ihn völlig an ftlnenHof/ und schickte ihn alö Nuncium extraordinariura in Franck-reich wegen der gefangenschafft des Churfürsten zu Trier , undwegen der restitution des Hertzogs zu Lothringen ; da er dannau.;4. den 17. »ov. zu Paris seinen einzug hielt. Daselbstverblieb er r. jähr , und erlernte inzwischen die Staats-sachendesselbigcn Hofs, erwarb sich auch des Cardinals Richelieu völ-lige freundschafft, und des Königs Ludovici Xül. sonderbaregnade. Weil aber der Päpstliche endzweck nicht zu erhaltenwar, wurde er zurück gefordert, und zum Vice-Legale» zuAvignon ernennet. An. 1657. kam er nach Rom , und fandsehr geneigten zutritt bey dem Papst, welches aber der Cardi-nal Franciscus Barbarini mit neidischen äugen ansähe. Als ernun auch über dieses merckte, daß es ihm wegen der Spani­ schen faction sehr schwer durchzudringcn seyn würde, folgteer dem berufdes Königs in Franckreich, allwo ihn der Cardi­ nal Richelieu an. r6;y. zu seinem vornehmsten confidenten an-nahm , da er sich denn in kurtzer zeit so beliebt machte, daß ihmder König an. 1S41. von Urbano VIll. einen Cardmals-hutaus-würckle. Nach des Cardinais Richelieu tobe, so an. 1642. er-folget , wurde er zum Staats - Rath gemacht, und von demKönig zum executor seines testamenls verordnet, so daß er beywährender mmdmährigkeit des Königs Ludovici XIV. umerder Königin Anna von Oesterreich vormundschafft alle Staats-sachen regierte. Man weiß zwar gewiß, daß anfänglich diesePrintzeßin den Mazarini, als eine creatur und eifriges werck-zeug des Richelieu sehr gehasset, und er in den ersten tagenihrer regierung an nichts anders, als an seine rückreise in Ita­ lien und verlaffung des Französischen Hofs gedacht habe. Al-lein das blat wendete sich bald, theils weil die Königm, dasie auf einmal von der gantzen last der regierung überfallenwurde, gleichwol unter ihren bisherigen vertrauten gar nie-mand hatte, der solchen wichtigen und überhäuften geschäfftennur im geringsten wäre gewachsen gewesen, und also noth-wendig jemanden aus dem vorigen Staats-Rath an sich zie-hen müste; theils auch, wie einige versichern wollen , weil ergewisse Personen, so der Königin gunst und vhr besassen, mitnahmhafften summe» gelbes gewonnen, um ihn für andernvorzuschlagen; endlich auch weil feine Manieren und conver-stition, wie sie selbst sagte, ihro gleich in den ersten mit sel-bigem gehabten Unterredungen überaus wohl angestanden hat-ten. Im ansang war er sehr glücklich, und erlangte durchden fortgang der Königlichen Waffen immer grössern rühm.Denn unter andern wichtigen diensten, welche er der CroneFranckreich geleistet, wurde an. 1648. der friede zn Münster mit dem Kayser Ferdinando III. geschloffen, und dadurch eingut theil von Elsaß mit der Cron vereiniget. Allein nachge-hends beschwerten sich beydes das unterdrückte volck, und dieGrossen des Reichs, die entweder gleichfalls unter diesem jochseufzeten , oder doch sein glück und grosses ansehen beneideten.Dieses gab gelegenhcit zu dem einheimischen kriege, welcher vonan. 1649. bis an. >6;2. währte, darinnen die stabt Paris nebstihrem Parlement, wie auch der Printz von Conti, die Hertzo-ge von Beaufort und von Nemours nebst andern sich wider denCardinal erklärten , so daß dieser auch an. 1651. das Reich zumeiden sich qenöthiget befand. Jmnuttelst hielt er sich zu Brüel einem lust-schloß des Churfürsten zu Cöln auf, unb gieng inabwesenhctt der Königin mit seinen rathschlägen an die Hand.Alles unqlück, so um selbige zeit dem Königreiche zustieß, wurdevon dem gemeinen volck ihm zugeschrieben. Daher auch unter-schiedliche acten wider ihn gemacht, ia gar ein gewiß geld aufseinen köpf gesetzt, und seine bibliotheck verkauft wurde. Alleiner wußte alle diese streiche mit solcher geschicklichkeit von sich ab,zuwenden, daß er allemal mit grössern ehren wieder nach Hofekam , als er vorher gehabt hatte, und dieienigen, welche vor-hin seine gröste feinde gewesen, strichen ih!i hernach auf dashöchste heraus. So bald nun der König Ludovicus XIV. denthron bestiegen, rüste er ihn zurück nach Franckreich, allwoer an. i6;a. wiederum ankam, und von dem Könige selbst aus-serhalb der stadt Poitiers empfangen, auch in seiner carosse nachHofe geführet wurde. Allein hierüber gieng der lermcn erst rechtan, so daß sich der Cardinal nach Bouillon rctirirte. Dock-würde er an. 165;. nach gestillter unruhe aufs neue zurück be-ruffen, und zum Provisor der Sorbonne ernennet. Hieraufbrachte er das Hertzogthum Maine durch kauf an sich, undan. 1654. erlangte er das Gouvernement zu Brisach. Er be-gleitete den König in verschiedenen kriegszügen ; so schwächte erauch die Spanische macht, indem er den Protector Cromwelauf seine feite gebracht, wodurch Spanien zu einem frieden ge-nöthtget wurde. An. 1659. schloß er auch würcklich denselbenauf der sogenannten Fasanen-insul, und zugleich eine Heurathzwischen seinem Könige und der Spanischen Infantin. Alleinnachdem er sich durch seine immerwährende bemühungcn einegefährliche kranckheit zugezogen hatte, starb er zu Vincennes den9. mart. an. 1661. in dem zysten jähre seines alters, einen sehrgrossen reichthum verlassend , davon seiner schwester söhn Phi-lippus Mancini das Hertzogthum Revers, seine neffe aber, dieHortensia Mancini , die meiste güther bekommen. Er wurdesehr prächtig zu Paris in das von ihm gestiftete Collegium von4. nationen beygesetzet. Nach seinem tobe wurde ihm von demKönige qantz «»gemeine ehre erwiesen, welcher unter andern ineinem brief an den König in Spanien nachdrücklich zu verstehen

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gab, wie sehr ihn der vertust dieses Mannes schmertzte. Gualdo

Priorad, Kilt de la paix & vie du Card. Mazarin . Jußinran ,scritt. della Ligur. Dupleix , Kilt. deLoiiis XIII. Mitriß er. Otr-dtn»l. Mazw.n. Augußin. A dowus , in Kilt. Pontif. & Cardin.Vifior. Siri , in P. IV. Benjarn. Priol. de rebus Gallicis &c. Aidim. dela MmoriU de ! .nun XI F. *

Hjazarlni, ( Michael) war ein leiblicher bruder deS Cardi,nals Iulii Mazarini,und an.rüo^.gebvhren.Er begab sich in denDomtnicaner-orden, und nahm damals an statt seines tauf-nah»mens Alexandri den nahinen Michaelis an. Nachdem er seinestudia zn ende gebracht, sendete Ihn der General seines ordensNicolaus RvduIphiuS in des ordens geschafften nach Venedig .Hierauf ward er nach einander Provincial in Apulia, Vicariusder provintz von Rom , und an. i6;8. Prior ProvineiaIi8 . An.1642. ward er auf dem General-Capitul des ordens zu Genua ,an statt des abgesetzten Generals Rodulphii von einigen zu sol-cher würde erhoben, da hingegen andere gedachten Rodul-phium deyI>erse!ben erhalten, die Spanier aber Thomam Rac-camornm erwehlt wissen wollten. Dadurch nun ward derPapst Urbanus VIII. genöthigt, die zu Genua und Corniliana,wohin sich die Spanier begeben halten,crgangenen acta vor nullund nichtig zu erklären, und überhaupt das Capitul heissen voneinander zu gehen. Ob nun schon der Papst versprochen, denMazarini zu bestätigen» wollte er doch dißfalls sein gegebenesWort nicht hallen, machte ihn aber davor zum Magistro S. Pa-latii. Als er hierauf die zwischen Innocentio X. und dem Kö-nige in Franckreich sich ereignenden mißhelligkeiten glücklich bey-gelegt , ward thm zwar der Cardinals-hut versprochen, gleich-wol muste er aufselben noch ;. jähr vergebens warten. An.1644. beförderte ihn der König zu dem Ertz- Bißthum Air inProvence , und das folgende jähr gab ihm der Papst das Pal-litim , woraus er zwar nach Franckreich gieng, nach zweyenjähren aber wieder »ach Rom kehrte, unter dem vorwand, alsvb er von dem Französischen Hofe daselbst Verrichtungen hätte,in der that aber, weil ihn die Franzosen durchaus nicht leidenkonnten. Weil nun der König diesem Michael Mazarini durchseine denommation den Cardinals-hut nicht zuwege bringenkönnen, verschaffte desselben bruder Julius bey dem KönigUladtslao in Polen , daß selbiger vor unsern Michael sich imnahmen des Königreichs Polen bemühete, wodurch er auch end^lieh erlangte, daß ihn Jnnocentius X. zum Cardinale Presby-tero sub titulo S. Cecinae ernennte, wiewol einige melden , daßer solche würde mehr durch Vermittelung des Herrn de Livnne,unb der Donna Olympia, welcher er 40000. cronen verspro-chen , als durch demühung des Königs in Polen und seines bru«ders, der nicht allzuwvhl mit ihm zufrieden gewesen, zu dan-cken habe. Während seiner damaligen anwesenheit in Rom half er den Neapolitanischen anfruhr wider den König vonSpanien unterhalten, und bald, nachdem er Cardinal worden,schickte ihn an. 1648. der König , als Vice-König nach Catalo«nie», welches er aber, weil er dem volck durchaus zuwider, undbey den Grossen sehr verhaßt war, noch in eben demselbigenjähre verließ, und wenig tage nach seiner ankunft in Rom , eheer noch als Französischer Amdassador audientz bey dem Papstgehabt, im 4;. jähre seines alters, aus ärgerniS und Verdrußstarb. Palatii fast. Cardinal.

Mazarino, ein ort im Val di Noto in ©teilten, nebst demtitul einer Grafschasst, welcher dem jetztgedachten geschlechle dennahmen gegeben hat. Er wird auch bisweilen Moracini, undtat. JYLaitorium genannt.

Mazeppa, C Johann) Feldherr der Cosacken, war einPolnischer Edelmann, gebürtig aus der Ukraine . Er hielt sichin seiner jugend an dem Hofe des Königs Casimiri in Polen alsPage auf, und hatte bey dem damals verwirrten zustande diebeste gelegcnheit, die Staats-maximen zn erlernen , wovon erin dem Cosacken-kriege die ersten proben ablegte. Denn er wußtedamals seine Person so wohl zu spielen, daß er es weder mit denPolen noch mit den Cosacken verderbte, ja der Polnische Feld-herr setzte ein solches vertrauen auf ihn , daß er ihn nicht al-lein in den wichtigsten affairen zu rathe zog , sondern ihm auchgar eine Gesandlschafft zu dem Tartar-Chan auftrug. Nachdemer dieselbe glücklich abgeleget, fiel er den Cosacken in die bände,und machte sich bey deren Feldherrn, Ivan Samuelowitz , s»beliebt, daß derselbe kein bedencken trug, ihm die stelle eines ge-heimen Secretarii und Cammer-Herrn anzuvertrauen. Weil erauch nach diesem in allen actionen eine bcstmdere tapferkcitbezeigte, so erhielt er erstlich die stelle eines General-Lieute,nants, und succedirte hernach an. *68s. dem gedachten Sa-muelowitz , als derselbe seine dimißion bekam, in der würdeeines Feldherrn. In dieser qnalität ließ er sich angelegen seyn,die grentzen gegen die Tartarn zu bevestigen, und legte zu denrende Samar än. Hierauf machte er sich von Cosackermünde,Taram , Singerey und Aßlangarod Meister, that auch nichtwenig dabey, daß die vestung Afoph in des Czaars gewalt kam,welcher ihn davor an. 1698. mit dem Andreas-orden begna.digte. Endlich aber, da er als Feldherr dem Rußischen Reiche24. jähr ansehnliche dicnste geleistet, trat er, aus Hoffnung einsouverainer König über die Cosacken zu werden, an. 1708. indem 84. jähre seines alters, zu dem König von Schweden mitetlichen regimentern über, denn die übrigen von seiner armee, soaus 40000. mann bestund, hatten keine lust, mit ihm überzmgehen. Hierauf eroberten die Russen seine residentz Batiwn