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Nachtwanderer
wen. In Paris ist diese Einrichtung schon im JahreSY 5 gewesen, und anfänglich mußten die Bürger daselbstWechselsweise auf die Nachtwachen ziehen. Mit der Zeitschlich sich bei allgemeiner Ruhe die Gewohnheit ein, daßdie Pflicht, auf Nachtwachen zu ziehen, abgekauft wurde,bis endlich in Paris , Lion und Orleans , und mit derZeit in mehrern Städten beständige Wacht-Compagnieenerrichtet wurden. Das Alter der Einrichtung der deut schen Städte, daß einzelne Wächter alle Gassen durchge-hen und die Stunden abrufen, ist nicht zu bestimmen.In Berlin verordnete Kuhrsürst Joh. Georg 1588 dieNachtwächter, dennoch waren 1677 keine dort, und dieStadtdiener mußten die Stunden abrufen. In den deut-schen Städten fanden Reisende 1580 das Rufen derWächter sehr sonderbar, auch 1683 wurde das Abrufender Stunden noch als eine ganz eigne Sitte beschrieben.Die gemeine Formel: Höret, ihr Herren, undlaßt euch sagen, ist sehr alt. Vermuthlich hat siefolgenden Entstehungsgrund: Zuerst riefen die Stadtdie«tier, oder Hcrrendiener die Stunden ab, wie so ebenvon Berlin angeführt ist. Diese riefen es also ihrenHerren zu, und unsre Herren ist noch in den al-len Städten die altägliche Benennung der Obrigkeit.Seit Mehrern Jahren hat man in verschiedenen Städten,und seit 179» in Göttingen , die alte Formel abgeschafft;und es wird dagegen gerufen: Die Glocke hat zehngeschlagen; zehn ist die Glocke. Beckm. Erf.IV. 119. s. Hom, Stadtmusikant, Tburmwächter.
Nachtwan derer, Nachtwandler. Ein Mlerzeichnißund Beschreibung vieler hierher gehörigen merkwürdigenFälle findet man bei Krünitz . L. 370 — 434.
Nadel. Die heutige Kunst, Stecknadeln zu machen, isterst in neuern Zeiten erfunden worden. Vorher brauchte