Capelle
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die Capa des heil. Martins (s. Capelle) in seinerVerwahrung hatte. Nachher gab man diesen Namenauch denen, welche die Reliquien verwahrten, und über»dem dieHofgeistlichkeitM großer Herren Höfen ausmachten.Zu dieser Stelle kamen aber lauter vornehme Geistliche,als Bischöfe, Aebte u. dergl. Dergleichen waren vongroßer Bedeutung. Sie waren zugleich Königl. Se-kretairs, und der Archicapellan hatte die Würde einesReichskanzlers. Auch bei den Bischöfen waren die Ca.pellane von großer Würde. Da im IX. Jahrh, aus denCapellen ein großer Mißbrauch entstand, und wohlha,bende Leute sich um ein geringes Geld einen Capellanzu halten pflegten, so kamen auch elende, »»gelehrteund schlechte Menschen dazu; und man glaubt, daßdiese CapeUane Anlaß zum Meßlesen gegeben hatten. Irrder evangelisch-lutherischen Kirche wird derjenige Capel-lan genannt, der dem Prediger zugeordnet ist, und sonstauch Diaconus heißt. — Mehlig Kirch. u. Ketz.Lex. I. 3Z4. — Gatter er Diplom, züz.
Capelle. So hieß ehedem eine kleine Kirche, welchezwar Altare, aber keinen Taufplatz, auch keine gewisseGemeinde, oder eignen Priester hakte. Die Benennungselbst kommt von dem Worte Capella her; Capellaaber hat folgenden Ursprung: Die Könige von Frank reich ließen bei dein Behältnisse, wo die Capa, Ca.pelle, oder geistliche Kleidung des heiligen Martinsaufbewahrt wurde, ein Betstübchen bauen. Von der da.selbst verwahrten Maninscape bekam dies gar bald denNamen der Capelle; und nachher erhielt jede anderekleine Kirche, Oratorium, oder Betstübchen eben diesenNamen. Im IX. Jahrhundert singen viel vornehmeLeute an, sich in ihren Pallästen Capellen zu bau-n.In einigen Concilien wurde aber verboten, in solchen