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Historische Festschrift für die Centenar-Feier des Kantons Aargau 1903, verfasst im Auftrage der Centenarfeierkommission : die Geschichte des Aargaus, dem aargauischen Volke erzählt / von Ernst Zschokke
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schüttete der österreichische Erbfolgekrieg neue Prüfungen überdas unglückliche Land aus. Vorn Breisgau her rückte 1744Marschall Bellisle mit einem französischen Heere gegen dieWaldstädte vor. Die drei obern Städte ergaben sich ohne Wider-stand, Rheinfelden schloß seine Tore. Etwa 90 Btann stark hieltsich die österreichische Besatzung auf der Burg im Rheine . Nichtdie Angriffe der Feinde und ihr Geschützfeuer brachte sie zur end-lichen llbergabe, sondern ein zufällig in der Burg ausgebrochenerBrand. Die einziehenden Franzosen legten die Burg in Trümmer;seither ist sie nicht wieder aufgebaut worden. Nach dem einhalbes Jahr später geschlossenen Frieden verließen die Fran-zosen die Borlande.

Die nun folgende Friedenszeit war für das Fricktal um sogesegneter, als über Oesterreich damals Herrscher geboten, diefür ihre Länder in vorzüglicher Weise besorgt waren: Maria Theresia und ihr großer Sohn, Joseph II. Jener Kaiserin ver-dankt die Habsburgische Monarchie vor allem die Organisationdes Volksschulwesens durch das Gesetz von 1774, dessen Ver-fasser der preußische Propst Joh. Jgn. Felbiger war. JederUntertan sollte nach seinem Stande und Berufe den nötigenUnterricht erhalten. In den Dörfern und kleinen Städtensollten sog. Trivialschulen eingerichtet werden, an denen inReligion, Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet wurde.Es bestand eine allgemeine Schulpflicht vom 6. bis zum 13. Jahre,wobei die ältern Kinder nur die Winterschule zu besuchen hatten.Die Lehrer wurden in sog. Normalschnlen ausgebildet; die ausdem Fricktal hatten die Normalschule zu Freiburg i. B. zu be-suchen. Doch kam das Volk allen diesen Bestrebungen nurlangsam entgegen und zeigte ihnen deutliches Mißtrauen. Auchin kirchlichen Dingen waltete die bessernde Hand der Maria Theresia , indem sie unverkennbare Ubelstände abstellte: 1754und 1771 verminderte sie die übergroße Zahl der Feiertage,und verlegte die Prozessionen, wo es anging, auf Sonn- undFesttage. Auch den Klöstern zog sie gewisse Schranken und