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Historische Festschrift für die Centenar-Feier des Kantons Aargau 1903, verfasst im Auftrage der Centenarfeierkommission : die Geschichte des Aargaus, dem aargauischen Volke erzählt / von Ernst Zschokke
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Ullter dem neuen Bunde.

im Sommer des Jahres 1824 die schweizerischen Schützenihr erstes eidgenössisches Freischießen in Aar au ab-hielten, da lag es wie drückende Gewitterluft aus den Gemütern.Die politischen Zustände waren unerträglich geworden, die Sehn-sucht nach freiem Leben erfüllte die Herzen, aber schon ver-kündete manch prophetisches Wort den nahen Anbruch einerschönern Zeit. Wer im Aargau oder im weiten Schweizerlandejedoch hätte geahnt, welch gewaltiges Wetter über unser Vater-land hereinbrechen, welch heftiger Sturm es in seinen Grund-festen erschüttern würde!

Nun war der Sturm vorüber, der Himmel begann sich zuklären, der Friede kehrte zurück. Und wiederum es war nach25 Jahren zögen die Schützen aus allen Gauen der Schweiz zum eidgenössischen Freischießen nach Aar au, das vom 1. bis8. Juli 1849 währte. Es war kein Siegesfest, es sollte ein Ver-sohnungssest sein; das war der Grundgedanke, der aus denvielen Tischreden Herausklang und die Zuhörer zwang, denBlick von den dunkeln Tagen der Vergangenheit weg und denschönen Aufgaben der Zukunft zuzuwenden.

Der Aargau war bei der Abstimmung über die neue Bundes-verfassung in den vordern Reihen der Annehmenden gestanden.Durch sein Votum hatte er gezeigt, daß er eine geeinte, starkeSchweiz haben wolle, und dieser Meinung ist er auch seithertreu geblieben.

Nun galt es, das Grundgesetz des Kantons zu revidieren;denn die Verfassung von 1841 verlangte eine Revision inner-halb der nächsten zehn Jahre, und ihre Bestimmungen warenzudem mit den Forderungen der neuen Bundesverfassung inEinklang zu bringen. Allein das Revisionsgeschäft war äußerstmühsam; es war die Nachwirkung des großen Streits der