Die Jugendfeste der aarg. Städte sind eine recht alte Ein-richtung, die heute in veränderter Form weiterblüht. Oft sindsie in Anlehnung an alte Brauche entstanden, wie der BruggerRutenzug, und wohl auch der Aarauer Majenzug. Von einembesonders feierlichen Jugendfeste in Aarau weiß die Chronikaus dem Jahre 1551 zu berichten. Da erschienen als Gästedie benachbarten Städte, Edel- und Amtsleute, die von 160Aarauer Knaben in Wehr und Waffen, mit eigenem Hauptmannund Fähnrich, empfangen wurden. Auch später hat man dieJugend bei ähnlichen Anlässen bewaffnet, und 1780 errichteteAarau eine ständige bewaffnete und uniformierte Jugendwehr,nächst dem zu Zürich das erste Kadettenkorps der Schweiz .
Die Jugendfeste boten, wie andere Festlichkeiten später auch,der Bürgerschaft Anlaß zu dramatischen Aufführungen. Seitdem 16. Jahrhundert hatte die dramatische Kunst in deutschenbanden und zwar besonders in der Schweiz , einen gewaltigenAufschwung genommen und die Bürger der Städte hatten sichihrer bemächtigt. Diese Spiele, die ihren Stoff aus dem altenund dem neuen Testamente, auch aus der alten Geschichteschöpften, waren nicht kunstvolle Tramen im modernen Sinne;es waren dramatisierte Handlungen, die unter großem Geprängeauf öffentlichen Plätzen aufgeführt, oft einen ganzen, oft mehrereTage in Anspruch nahmen. Es beteiligten sich etwa auch herum-ziehende Berufskomödianten an den Aufführungen, deren einerder bekannte Aarauer Poet und Pritschenmeister Heinrich Wirri inachweisbar 1544—1571) gewesen ist. Mit dem großen Kriegedes 17. Jahrhunderts nahmen diese Aufführungen ab, ja diereformierte Kirche trat geradezu gegen sie auf, weil sie denUrsprung mancher Sünden daher leitete.
Es sind wahrlich nicht herrliche Bilder, die uns ein Blickauf die Kultur- und Sittenzustände unseres Landes in dembesprochenen Zeiträume enthüllt. Aber wie hätte es auch bessersein können? Das gesamte Leben in unserem Lande trug diedeutlichen Spuren der Abhängigkeit und Unselbständigkeit;.