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Bestürzung erfaßte die Bürger des Kantons Aargau , undihr folgte ein wahrer Entrüstungssturm. Ungern und vollerMißtrauen hatten sich 1803 die verschiedenen Landesteile zumKantone 'zusammengeschlossen, aber zehn Jahre ernsthafter undfriedlicher Arbeit hatten bewiesen, daß man sehr Wohl zusammen-gehen könne. Das Staatswesen war in kurzer Zeit gut orga-nisiert worden, man hatte gemeinsam manches schöne Werk be-gonnen, und so hatte sich doch ein lebhaftes Gefühl der Zusammen-gehörigkeit entwickelt; die ehemaligen Berner, Badener, Freiämterund Fricktaler hatten angefangen, sich als Aargauer zu fühlen.
Mit Würde wies der kleine Rat am 26. Dezember 1813das Ansinnen Berns als eine Ungerechtigkeit und Anmaßungzurück, und blieb fest, als auch einige Berner einzelne Re-gierungsmitglieder durch Aussicht auf gute Stellen in Bern umzustimmen suchten. Aber auch das aargauische Volk warfest entschlossen, aargauisch zu bleiben, und Kundgebungen ausallen Teilen des Kantons, auch aus der alten Grafschaft Badenund dem Fricktal, bewiesen diese Gesinnung auf's deutlichste.Die Regierung stellte zum Schutze der bedrohten SelbständigkeitTruppen auf, aber allenthalben regten sich auch Freiwilligen-korps, so in Rheinselden und in Aarau . Die Gesellschaft fürvaterländische Kultur sammelte Gelder zur Ausrüstung Unbe-mittelter und verbreitete zur Aufklärung des Volkes über diebevorstehende Gefahr eine von Heinrich Zschokke verfaßte Schrift:Von der Freiheit und den Rechten der Kantone Bern , Aargau und Waadt . Man dichtete Freiheitslieder und die Soldatensangen:
Zerklopfet dem Bären nur wacker das Fell,
Eh' wird es im Lande nicht heiter und heil.
Ja, das Aarauer Freikorps unternahm einen Auszug andie Berner Grenze und konnte nur mit Mühe durch die Be-hörden zurückgeholt werden. In der Waadt geschahen ähnlicheSchritte und der kleine Rat zögerte nicht, die Proklamationder Waadtländer Regierung auch unserm Volke bekannt zu geben.