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Historische Festschrift für die Centenar-Feier des Kantons Aargau 1903, verfasst im Auftrage der Centenarfeierkommission : die Geschichte des Aargaus, dem aargauischen Volke erzählt / von Ernst Zschokke
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besetzen und sv die Hauptstadt zu decken. Allein die Zahl derGetreuen war bedenklich zusammengeschmvlzen, an einen erfolg-reichen Widerstand war nicht zu denken, und so beschlossen dieOffiziere, ihre Leute nach Aarau zurückzuführen, wo sie dannentlassen wurden.

So stand Aarau schutzlos da. In banger Erwartung harrteman der siegreichen Aufständischen, und niemand wußte, wessenman sich zu versehen habe. Die Häuser wurden geschlossen, dieStraßen standen leer. Diele Bürger hatten sich und die Ihrenüber die nahe Solothurner Grenze geflüchtet.

Aus dem Rathause tagte indessen die Regierung, bereit gegenalle gesetzwidrigen Maßregeln feierlich zu protestieren. Sie hatteden Stadtammann Hunziker ersucht, den Aufständischen entgegenzu gehen und mit ihnen zu unterhandeln.

Es war schon Abend, als die erste Abteilung Reiter mitdem Ammann Geißmann an der Spitze die Stadt betrat. Baldfolgte die Hauptmacht und rückte über die heutige Bahnhof-straße vor das Regierungsgebäude. Dieses wie das Zeughausund andere öffentliche Gebäude wurden militärisch besetzt. Dannsuchte man die Leute bei den Bürgern einzuquartieren.

Die Führer schlugen ihr Hauptquartier imRößli" auf undberieten die Schritte, die nach glücklich erfolgten: Einzüge inder Hauptstadt nun zu tun seien. Sie einigten sich darauf,mit der Regierung in Unterhandlung zu treten und sich dienötigen Zusicherungen geben zu lassen, daß die Volkswünscheerfüllt würden.

Am 8. Dezember, vormittags traten Du Bruggiffer, der ArztI. Weibel und der Prokurator I. P. Bruggiffer von Wahlenvor den Kleinen Rat und erwirkten das Versprechen, daß derGroße Rat auf den 10. Dezember zusammenberusen werde, umdas Dekret vom 2. Dezember abzuändern; unverzüglich sollteder Verfassungsrat gewählt werden und zusammentreten, undsein Werk sollte, ohne irgendwelche Veränderung, demVolke zur Abstimmung vorgelegt werden.