schast zu ertragen, ohne dabei knechtisch zu werden. VonFreiheitsdrang erfüllt ist es zu schwach gewesen, aus eigenerKraft die Freiheit zu erringen. Erst in der neuen Zeit hatdie mächtige Hand eines Welteroberers ihm die Selbständigkeitgeschenkt, und nun, da niemand seine Schritte lenkte, als dieEinsicht seiner Bürger, nun mnßte es zeigen, ob es fähig sei,sich selbst zu regieren. —
Hundert Jahre sind seit der Gründung unseres Staats-wesens verflossen! Hat es die Probe bestanden? Hat es seineKräfte zu entwickeln vermocht? Hat es Leistungen zu Tagegefordert, mit denen es neben die alten Kantone der Schweiz treten darf? Haben sich jene Hoffnungen erfüllt, die an seinerWiege ausgesprochen worden sind? Die vorliegenden Blätterhaben versucht, die Fragen zu beantworten. Wahrlich, wirhaben das Urteil der Geschichte nicht zu scheuen.
Es ist freilich wahr: leicht ist unserm Lande seine Aufgabenicht geworden; die größte Schwierigkeit, die der junge Kantonzu überwinden gehabt hat, ist ihm aus der Vereinigung so ver-schiedener, sich einst fast völlig fremder Landesteile erwachsen,und diese Schwierigkeit zu überwinden mußte er als seineHauptaufgabe ansehen. Daß diese Landesteile gerade auf einemder wichtigsten Lebensgebiete, dem der Konfession, nicht mit-einander übereinstimmen, hat wahrlich die Aufgabe nicht er-leichtert. Denn gerade aus diesem Gegensatze sind jene gewaltigenKämpfe entsprungen, welche die Existenz des Kantons in. Fragestellten. Fast mochte es scheinen, als ob dem jungen Staateüber den wilden Parteikämpfen keine Muße, keine Lust gebliebenwäre, daran zu denken, daß er sein Hauptziel in der Belebungund Anspannung seiner mannigfaltigen Kräfte zu friedlichemWettstreite suchen müsse. Allein allmählich ist doch das gegen-seitige Zutrauen erwacht, man hat begonnen, zu gemeinsamerArbeit sich zu einigen, welche auch für Alle von Segen seinmuß. Aus der dunklen Wetternacht ist der frohe, helle Tag