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Geschichte der deutschen Literatur in der Schweiz / von Jakob Baechtold
Entstehung
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589
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Die neue Zeit.

ÜSO

heißem schöne Seele und wird vollkommen glücklich mit ihr. Auchmit der Bühne hat sich Snlzer vermengt. Für die Kochsche Schamspielergescllschaft in Berlin bearbeitete er 1771 denDeserteur" desMcrcier und begieng schließlich eine Bersündigung an dem großen Briten,indem erEhmbelline, völlig von Britannien. E>n Trauerspiel.^>'ach einem von Shakespeare erfundenen Stosse" (1772) verfertigte. Erverfuhr dabei nach dem schwächlichen Gesichtspunkte der Regelmäßigkeitund der Sittigkeit, oder - sagt er ebenso anmnßlich als lächerlich so,wie nngcführ Sophokles , wenn er diesen Stoss zu bearbeiten gehabt hätte,dir Sachen würde eingerichtet haben. Er nannte das Gold von Schlackenscheiden. Sogar sein Vvbrcdncr I. C. Hirzcl fand diesmal die SchreibartseinesWcltweiscn" allzu prosaisch und erblickte in dem Bcrsnchchendcreine menschliche Schwachheit." Und Goethe in denFrankfurter ge-lehrten Anzeigen" war gewiß, daß jeder stcscr dieses TrauerspielmitBerachtnng aus der Hand werfen wird."

Snlzer war ein ehrenfester, nüchterner Mann, schwnnglos, trüb-selig und nicht frei von hochmütiger, schulmeisterlicher Beschränktheit.Bon den sogenannten schönen Wissenschaften Hütte er besser dir Handgelassen. Sein ästhetisches Fäßchen ist doch nur trübe gelaufen. Aufden Zeitungsschreiber" Vcssing und dessen Freund, denFaden" Moses ,schaute er mit wohlwollender Berachtnng herab. Auf seiner Erholungsreise nach dem Süden begriffen, besuchte er am !i. September 1775,den jungen Goethe in Frankfurt . Er nennt ihn in seinem Tagebuchein wahres Originnlgenie von ungebundener Freiheit im Denken,sowohl über politische als gelehrte Angelegenheiten", rühmt das scharfeUnril, die feurige Einbildungskraft und lebhafte Empfindung desselben,vermißt jedoch die Reife der Erfahrung. Ueber Goethes Werke äußerteer sich in seinen Briefen mißwollcnd. Er sah weder in literarischcnDingen scharf, noch war er ein Menschenkenner. Ucbcrall zeigte er sichbefangen. In seiner Autobiographie, welche lange nach seinem Todedurch Ricolai an die Oeffentlichkeit gezogen wurde, ist z. B. das Bodmcr-Klvpstocksche Zerwürfnis, dessen Zeuge Snlzer zum Teil war, ganz einfestig zu Gunsten Bodmers dargestellt. Er versteigt sich sogar zu der Be-hauptung: Bodmcrs Charakter seiganz zu Sanftmut" geneigt gewesen.Er schwärmte für den großen Preußeukönig und machte starke Pro-paganda für ihn bei seinen schweizerischen Freunden. Bodmer, Künzli n. a.wurden durch ihn auf das genaueste über alle politischen und kriege-rischen Ereignisse unterrichtet. Er sehte eine solche Zuversicht in dieSache Friedrichs, daß er mitten in der Bedrängnis des sieben-jährigen KricgcS in unerschütterlichem Bcrtraucn auf das Glück seinesHelden sein Kind Biktaria taufte. Bodmer brach bei jeder neuen