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Dr. Adolf Wartenweiler, Romanshorn : : ein Lebensbild, nach eigenen Aufzeichnungen
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Welcher Arzt sollte seinen ersten Patienten vergessen?Es war am 23. Februar 1868. Ich lag, müde von derFahrt des vorhergehenden Tages, noch in tiefem Schlum-mer, als mich mein Bruder weckte mit der frohen Bot-schaft: „Ein Patient!" Das wirkte elektrisierend. Ichhatte als poliklinischer Assistent, dann stellvertretend fürmeinen Freund Dr. Albrecht, dann auch für den nach-maligen Bundesat Or. Deucher, schon viele, viele Krankeselbständig untersucht und behandelt, aber doch nicht mitdem Gefühl des Stolzes und der alleinigen Verantwort-lichkeit wie hier.

Dieser, mein erster Patient war ein gewisser B. vonD., ein währschafter Bauer von vielleicht fünfzig Jah-ren. Als ich ihn fragte, wie er dazu komme, seineZuflucht zu einem ganz jungen Anfänger zu nehmen,während es doch hüben und drüben erfahrene Aerztegebe, antwortete er, er habe kalkuliert: „Das ist aller-dings ein Anfänger, aber gerade deshalb wird er sichalle Mühe geben, mich zu kurieren, um neue Kundenzu erhalten. Zudem kommt er gerade von den Hoch-schulen und Spitälern, wo er die neuesten Behandlungs-methoden kennen gelernt hat." Ueber diese raffinierteLogik und Schlauheit mußte ich herzlich lachen. Nachdemich ihn untersucht hatte, verlangte er, meine Ansicht zuwissen. Auf meine Erklärung, sein Leiden sei unheilbar,es werde sich jeden Frühling und Herbst störend einstellen,machte er ein etwas negatives Gesicht. Doch blieb ermein treuer Patient bis an sein seliges Ende.

Am gleichen Tage kam, wie mir mein erstes JournalZeigt, noch ein Patient, am folgenden waren es schon