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Eine Übersicht über den Besitz einer Anzahl von Gesellschaftsstuben mag zeigen,in welchem Umfange die Goldschmiede für dieselben beschäftigt waren.
Chorherrenstube. Die Stiftsherren fassten im Jahre 1548 den Beschluss, dass jederChorherr einen silbernen Becher, von den Stubengenossen je zwei zusammen ein Stück,die Stubenmeister deren vier im Namen der Gesellschaft auf die Chorherrenstube schenkensollten. Auch hatte ein jeder, welcher eine Pfründe an der Propstei-, der Abtei- oderder St. Peters-Kirche erhielt, eine ähnliche Gabe zu entrichten. — Auf dieseWeise gelangte die Stube bis 1653 zu einem Silberschatze von 142 Bechern und 49 sil-bernen Löffeln. Die Beisteuer an die Kriegskosten von 1656 brachte die Zahl derBecher auf 50 Stücke zurück. Nachher mehrten sich . die Bestände wieder, indessenlegte das XVIII. Jahrhundert, wie bereits bemerkt, mehr Wert auf Salzfässer, Leuchter,Präsentierteller. Obwohl die Kriegsnot der Jahre 1798 und 1799 umfangreiche Ver-äusserungen veranlasste, konnten die Chorherren, nach Auflösung des Stiftes, der Stadt-bibliothek im Jahre 1836 noch 12 wertvolle Trink geschirre zur Aufbewahrungübergeben. Darunter befinden sich 3 Stäufe (Arbeiten des Goldschmiedes Felix Keller),Geschenke englischer Bischöfe aus den Jahren 1563 bis 1565, ein 1673 gekaufter grosserGlobusbecher (Werk Abraham Gessners aus dem Ende des XVI. Jahrhunderts), Bul-lingers Trinkglas (1667 von Hans Ulrich Oeri in Silber gefasst) und eine Anzahl hüb-scher Schalen. Diese Becher sind nunmehr der Obhut des Landesmuseums anvertraut.— Eine 1798 veräusserte schöne Schale mit Darstellung des Kaisers Heinrich IV. vorCanossa befindet sich noch in Zürcher Privatbesitz.
Constaffel. Auf dieser Stube, zum Rüden, welche auch von den adeligen Land-sassen und den mit Zürich verburgrechteten Prälaten mit Geschenken bedacht zu werdenpflegte, flössen besonders reiche Silbergaben. Nach Mitteilungen von Herrn Tobler-Meyer im Zürcher Taschenbuch für 1895 besass die Constaffel im Jahre 1508 noch keinSilbergeschirr, 1540 dagegen schon 38 silberne Becher, infolge von Stiftungen seitensder Stubengenossen aus den Jahren 1538 und 1539. — Im Jahre 1575 beschloss dieGesellschaft, ihre Mitglieder geradezu zur Ablieferung von Silbergaben zu verpflichten.Als die Obrigkeit 1629 Einschmelzung eines Teiles der Silberschätze anordnete, besassder Rüden 264 Trinkgeschirre aus Edelmetall, darunter einen silbernen Rüden, einensilbernen Löwen, eine silberne Kugel (Wappenbild der Junker Schmid), «ein vergültSchiff, daruff ein fortuna stadt». — Hievon wurden 117 Stück, 1841 Lot schwer, in dieMünze gesandt. — Im Jahre 1656 wurde der wieder um 50 Trinkgeschirre vermehrteSchatz abermals um 44 Stück, im Gewicht von 1205 Lot, geschmälert. Unter dem bisI675 verzeichneten Zuwachs von 33 Stücken befand sich auch als Geschenk des Ge-schlechts der Escher vom Luchs deren prächtiges Wappentier. Diese kunstvolle Arbeiteines Goldschmieds Boiler, wahrscheinlich des Handwerkobmanns Hans Rudolf, ist vorzwanzig Jahren von einer Anzahl der Schildner zum Schneggen für deren Silberschrankerworben worden. — Nach Erlass der Ratsverordnung von 1675 über die Silbergabenzogen es die Mitglieder der Constaffel in der Regel vor, ihre Gebühren in baar zu ent-richten. Von 1676—1698 wurden nur noch 14 Silbergeräte eingeliefert, dann versiegtederen Zufluss. Nur noch die Äbte von Wettingen , Muri und Einsiedeln brachten bis