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Strassburger-Schale im Besitz der Bogenschützengesellschaft, jetzt dem Landes-museuni zur Aufbewahrung anvertraut. In die getriebene Schale mit 4 Darstellungenaus der Geschichte der Hirsbreifahrt von 1576 sind 5 Denkmünzen eingelassen, wiesolche jeder der Fahrtgenossen in Strassburg erhielt. Den Schaft bildet eine etwassteife weibliche Herme, welcher durch ein vorn mit grossem vierkantigem Knopf ver-sehenes Band ein ovaler Schild mit Löwenkopf an den Rücken geschmiedet ist. DieRippen und Lisenen des Fusses zeigen grosse Aehnlichkeit mit der Unterseite derNiobidenschale. — Eine zweite Strassburger-Schale, weniger fein getrieben, aber aufanders gestaltetem Fuss, ist entweder eine Arbeit von Ludwig Heidegger (Meister 1576)oder im XVIII. Jahrhundert von Ludwig Holzhalb nach alter Vorlage erstellt. —(Vgl. die Abbildungen in den Mitt. der Antiqu. Gesellsch. Bd. XX II. 2. «Das glück-hafte Schiff von Zürich » Taf. I.)
Schale mit der verkehrten Welt. Das Innere der Schale enthält Bilder aus derverkehrten Welt, den Ochsen, welcher den Metzger ausschlachtet, die böse Frau, welcheden Hausherrn mit dem Pantoffel bearbeitet. Hinten in gut stilisirter Landschaft miteiner Burg in der Ferne werden Hunde von Hasen gejagt. Der umrahmende Wulstträgt erklärende Verse zu diesen wunderbaren Begebenheiten. Die Schale ist vorzüg-lich getrieben und kräftig ziselirt, der Fuss mit leicht getriebenem Roll werk, der ge-gossene Knauf ziemlich roh mit Masken, Muscheln und Stoffgehängen verziert.Ausserlich ist diese Schale weit einfacher und weniger zierlich als diejenige mit denNiobiden, während die getriebene Darstellung im Innern der letztem, auch in Behand-lung der Landschaft, entschieden vorzuziehen ist. (Vergl. Taf. II.) Die Zunft zum Widderhat verdienstlicher Weise dem Landesmuseum die Schale zur Ausstellung überlassen.
Der von einem Atlas getragene Globus, welchen die Stadtbibliothek als Erbe desChorherrenstiftes dem Landesmuseum zur Aufbewahrung übergeben hat, dient alsDoppelbecher, indem das Gestell des aufgesetzten Astrolabiums den Fuss der obernSchale bildet. Die getriebene und die Grabstichelarbeit an Fuss und Schale sindvorzüglich, der Wechsel von Silber und Vergoldung wirkt sehr gut. Bemerkenswertsind am Fusse die getriebenen Trachtenbilder aus den vier Weltteilen, am Sockel dieDarstellung der Elemente in Gestalt von Adler, Elephant, Delphin und Salamander.Die gegossenen Teile, der kauernde Atlas, Knauf und Verzierung des Astrolabiumgestellessind dagegen geradezu noch Rohguss, nicht durchgearbeitet, das Gesicht des Atlas zeigtnoch deutlich die Gussnat. — Gessner hat sich offenbar hauptsächlich oder ausschliess-lich in getriebener Arbeit ausgezeichnet, für die Gussteile benutzte er vorhandeneModelle, welche er nicht einmal gehörig überarbeitete.
Ein von einem stehenden Atlas getragener Globus auf dem Ratshause zu Rappolts-meiler, welchen Eberhard von Rappoltstein 1628 auf die Ratsstube verehrte, zeigtebenfalls Gessners Stempel, ohne beigefügte Zürchermarke, vielleicht als eine nicht inZürich gefertigte Arbeit Gessners aus seiner letzten Zeit. — Am ziemlich einfach ge-haltenen Fuss finden sich Darstellungen der IV Jahreszeiten in Gestalt wilder Männer,mit Ähren, Trauben u. s. w. Atlas steht, mit der Linken die auf dem Kopf getrageneKugel im Gleichgewicht haltend, während er in der ebenfalls erhobenen Rechten eine