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Lesebuch für das siebente Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate des Kantons St. Gallen
Entstehung
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12. Ein glänzender Streifen, mit Pnrpur bemalt,

Erschien dem beflügelten Blick;

Vom Golde der steigenden Sonne bestrahlt,

Erhob sich das winkende Glück;

Was kaum noch geahnct der zagende Sinn,

Was mntvoll der Große gedacht

Sie stürzten zn Füßen dem Herrlichen hin

Und priesen die göttliche Macht. Luise Brachnianu.

48. kleinjoüü.

Prinz Eugen von Württemberg besuchte im Jahre1765 dieHelvetische Gesellschaft im Bade zu Schinz-nach, wo sie zur Sommerszeit ihre Sitzung zu haltenpflegte. Er bezeigte das Verlangen, den berühmten JakobGuyer, sonst auch Kleinjogg genannt, zu sehen. Als dieserder Einladung folgte und ankam, so ging der Prinz, vonallen Mitgliedern der Gesellschaft begleitet, ihm entgegen,umarmte den Bauer und sagte:Es freut mich, dich zusehen, Kleinjogg, nachdem ich von dir so viel Gutes ge-hört habe.Mich freut es auch, Euch zu sehen, HerrPrinz, versetzte der Bauer.Es ist gar zu schön, wenngrosse Herren zu uns armen Bauern heruntersteigen.Ich steige nicht zu dir hinunter; du bist besser als ich.Kleinjogg ward bestürzt, sagte aber bald wieder frei-mütig :Wir sind beide gut, wenn jeder von uns tut,was er tun soll.

Nach einem langen und herzlichem Gespräche nahmKleinjogg Abschied mit kurzem und ungekünsteltem Dankefür die erzeigte Liebe, fügte seinNun behüt Euch Gott!"hinzu, bot dem Prinzen die Hand und wollte fortgehen.Der Prinz drückte ihm ein Goldstück in die Hand.Wassoll das sein? fragte Kleinjogg mit sanftem Lächeln.Ein kleines Geschenk zum Andenken an die Freude, die