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Lesebuch für die erste Stufe der Sekundarschule / hrsg. von der kantonalen st. gallischen Sekundarlehrer-Konferenz
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fiter durchstudiert und die Jlias wie die Odyssee mehrmals gelesenhatte, sprach und schrieb er das Altgriechische so fließend wie einelebende Sprache. Auch Latein studierte er jetzt gründlich.

Im Jahre 1858 fand er sein Vermögen groß genug, um sichganz von seinen Geschäften zurückziehen zu dürfen. Wohl war seinBemühen darauf gerichtet gewesen, reich zu werden, aber er hatte imReichtum immer nur ein Mittel für seinen Zweck gesehen, und alsZiel seines Lebens betrachtete er es noch immer, Troja auszugraben.Ehe er sich dieser Aufgabe aber ganz und gar widmete, wollte er dieWelt sehen und bereiste dazu Skandinavien, Deutschland, Italien,Ägypten, Nubien, später Kalifornien, die Vereinigten Staaten ^Nord-amerikas, Havanna, Mexiko, Indien, China, Japan. Nachdem er dannin Paris durch zwei Jahre archäologische Studien betrieben, hielt ersich endlich für vorbereitet genug, den Traum seiner Kindheit zu ver-wirklichen und Nachgrabungen in dem Vaterland der Helden vorzu-nehmen, deren Abenteuer ihn in seiner Kindheit entzückt und begeisterthatten.

Auf der Insel Jthaka begann er seine Arbeiten. Von den Leutendort war ihm der Berg Aötos, der altertümlichen Ringmauer wegen,die seinen Gipfel umgibt, als Burg des Odysseus bezeichnet worden.Dort förderte er mit einem Eifer, der ihn die glühende Sonne und denbrennenden Durst vergessen ließ, außer Vasen und allerlei altertüm-lichen Geräten eine Anzahl schöner Aschenkrüge zutage, in denen erauch die Reste Odysseus' und Penelopes enthalten glaubte.

Nichts glich dem Entzücken, mit dem er die Örtlichkeiten der Inselmit der Beschreibung Homers verglich. Den Palast des Odysseus, diezyklopischen Trümmer der Ställe des Eumaios, die Grotte, wo dieNymphen den heimkehrenden Helden empfingen, alles glaubte er wie-derzuerkennen. Als er zumFeld des Lasrtes" kam und sich nieder-setzte, um in aller Muße Homers Schilderung davon nachzulesen,umdrängten ihn die Dorfbewohner von allen Seiten und überhäuftenihn mit Fragen. Er hielt es für das Klügste, ihnen den 24. Gesangder Odyssee laut vorzulesen und Wort für Wort in ihren Dialekt zuübersetzen. Grenzenlos war ihre Begeisterung, als sie in der wohl-klingenden Dichtung Homers, in der Sprache ihrer ruhmreichen Vor-fahren vor 3000 Jahren, die schrecklichen Leiden erzählen hörten, welcheder alte König Lasrtes gerade an der Stelle erduldet hatte, wo sieversammelt waren, und die Schilderung seiner hohen Freude, als eran demselben Orte nach zwanzigjähriger Trennung seinen geliebtenSohn Odysseus, den er für tot gehalten, wiederfand. Aller Augen

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