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ihres Geistes und zwang den müden Körper zum Weiterarbeiten. Nunknüpfte sie auch das geschäftliche Verhältnis zu ihrem MitarbeiterTobler fester: seit 1890 bildeten Josephine Dufour und ChristophTobler die verantwortlichen Inhaber der Firma. Eines aber machtes die Beziehungen zwischen der Herrin und ihrem Helfer ganz besonderseng: das war ihre Freundschaft mit Toblers Mutter. Diese war inden Tagen zunehmenden Alters Josephinens Vertraute in Freud undLeid. Sich gegenseitig hochachtend, kamen die beiden Frauen oft zu-sammen, tauschten die reichen Lebenserfahrungen aus und sprachen10 über religiöse und weltliche Dinge, von sozialen Aufgaben und von denpraktischen Verhältnissen, von Landwirtschaft und Geschäft. Aber auchzwischen den übrigen Familiengliedern der beiden Bruder Tobler undMadame Dufour bestanden enge freundschaftliche Beziehungen.
Doch es nahte die Zeit, da ihre körperliche Kraft abnahm, langsamis und schmerzlos — die geistige versagte niemals — obwohl sie dochins hohe Alter von 80 Jahren vorgerückt war. Da saß sie denn aufihrem einfachen Polstersessel in der Ecke eines Bureaus, wo sie las,strickte oder stickte, und von wo aus sie den Gang des Geschäftes über-blicken konnte. So nahm sie dann lebhaftesten Anteil am Kleinsten20 wie am Größten. Auch als sie nicht mehr ins Bureau kommen konnte,bekümmerte sie sich noch eingehend um den Gang des Geschäftes undwünschte alle Tage Bericht hierüber.
Und nun wurde ihr noch eine letzte Freude zuteil. Ihr Enkel hatteden Entschluß gefaßt, in Thal zu wohnen und in das Geschäft einzu-25 treten. Damit war ihr ein Herzenswunsch erfüllt. Dann nahte derTag, da sie sich zum Sterben legte. Am 15. August 1901 war es, alsder machtvolle Geist dieser bedeutenden Frau schied, ohne Kampf, imtiefsten Frieden. Ihr Bild aber lebt fort in der Gegend, in der siegewirkt, und wo sie sich den Dank vieler verdiente, weil sie vielen wohl-30 getan hat. Nach N. Bergmann in „Die Schweizerfrau".
91. Heinrich Schliemann.
Es ist in dem kleinen Städtchen Fürstenberg in MecklenburgSchwerin. Ein blasser, schmächtiger junger Mensch von etwa achtzehnJahren, in dünner Jacke und ausgeivachsenen Hosen, mit roten, auf-gesprungenen Händen mühte sich, ein schweres Faß mit Öl, das er35 aus dem Hof hereingebracht, die Stufen zum Laden hinauszuschieben.Immer wieder stemmt er sich gegen das Faß, es ist zu schwer für seineKraft; da, noch ein Ruck, das Faß hebt sich, im selben Augenblick muß