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Lesebuch für die erste Stufe der Sekundarschule / hrsg. von der kantonalen st. gallischen Sekundarlehrer-Konferenz
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Aus vergangenen Zeiten.

93. Hektors Abschied.

Hektor ging. Doch fand er Andromache nicht in der Wohnung;Denn sie war zum Söller am skäischen Tore gegangen,

Wo sie, von Tränen betaut, noch stand, mit der Magd und dem

Kinde.

Da er die Herrin im Saal nicht antraf, wandte sich HektorRasch zur Schwelle des Frauengemachs; er befragte die Mägde:Redet die Wahrheit, Mägde; wo weilt sie, meine Gemahlin?Hat sie Verwandte besucht, vielleicht die verschwägerten Frauen,Oder Athenes heiliges Haus, wo viele von unsernFrauen in heissem Gebet die Gewaltige wieder versöhnen?

Hektor, sagte die treue Verwalterin,willst du die WahrheitWissen: sie ist auf Ilions Turm an der Mauer gestiegen,

Weil sie vernahm, dass Trojas Heer, von der Macht der ver-

hassten

Feinde bedrängt, an die Mauer zurückweicht. Als sie es hörte,Eilte sie hastigen Schritts, vor Angst fast rasend, hinunterBis an das Tor; ihr eilte die Wärterin nach mit dem Kinde.

Also verliess er das Haus und ging dann eilig desselbenWeges hinab und die Strassen entlang. Doch als er die grosseStadt durchschritten und rasch zum skäischen Tore gelangt war,Wo es hinaus in die Ebene ging, da kam sie dem HeldenSchon entgegengestürzt, Andromache, seine Gemahlin,

Sie, die Milde, die Tochter Eetions, der an des PlakosAbhang über das Volk der Kilikier herrschte, zu Theben.Aber die Wärterin folgte, das Kind in den Armen; ein muntres,Noch ganz kleines Geschöpf und der Liebling Hektors, in AnmutSchimmernd, ein lieblicher Stern. Skamandrios nannte der Held

ihn,

Doch beim Stadtvolk hiess er Astyanax, weil es in HektorSeinen Verteidiger ehrte, den einzigen Schirmen der Feste.Lächelnd blickte der Vater das Kind an, ohne zu sprechen;

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