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103. Klein Roland.
Crau Berta sass in der Felsenkluft,
*■ Sie klagt’ ihr bittres Los.
Klein Roland spielt’ in freier Luft,
Des Klage war nicht gross.
2. „0 König Karl, mein Bruder hehr!0, dass ich floh von dir!
Um Liebe liess ich Pracht und Ehr’,Nun zürnst du schrecklich mir.
3. 0 Kilon, mein Gemahl so süss!
Die Flut verschlang mir dich.
Die ich um Liebe alles liess,
Nun lässt die Liebe mich.
4. Klein Roland, du mein teures Kind!Nun Ehr’ und Liebe mir!
Klein Roland, komm herein geschwindMein Trost kommt all von dir.
5. Klein Roland, geh’ zur Stadt hinab,Zu bitten um Speis’ und Trank!
Und wer dir gibt eine kleine Gab’,Dem wünsche Gottes Dank!“
6. Der König Karl zur Tafel sassIm goldnen Rittersaal;
Die Diener liefen ohn’ UnterlassMit Schüssel und Pokal.
7. Von Flöten, Saitenspiel, GesangWard jedes Herz erfreut;
Doch reichte nicht der helle KlangZu Bertas Einsamkeit.
8. Und draussen in des Hofes Kreis,Da sassen der Bettler viel;
Die labten sich an Trank und Speis'Mehr als am Saitenspiel.