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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Bächtold
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80
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Friede auf Erden.

Nachtmahltischlein am Bette der Kranken. Der Pfarrer beugte sichnieder, und wie ein starkes Geräusch keuchten die klanglosen Worte:Es ist Friede; wollt Ihr jetzt zum Nachtmahl?"

Da suchte die Frau angstvoll mit den Augen und tastete auf derBettdecke herum.Wollt Ihr?" wiederholte der Pfarrer.Seht,Ihr müßt sterben. Macht Friede mit Eurem Gott und ziehet hinin Frieden!" Die Greisin riß die Augen auf und sah den Pfarrerstarr an.Wo ist das Salzfaß?" flüsterte sie. Der Nachtwächtersagte:Sie ist irr." Da trat ein harter, verschlossener Zug aufdas Antlitz der Sterbenden.Ich will" stöhnte sie.Was wolltIhr, Mutter?" fragte der Sohn und nahm sie in den Arm.Ichwill so sterben", hauchte sie und deutete mit der Hand nach derMauer. Sie will der Wand zu sterben", sagte der Sohn.

In diesem Augenblick ging die Tür auf. Ein Haufen Männerstand draußen.Sachte, langsam", riefen sie sich zu, und halbführten, halb trugen sie den Enkelsohn der Sterbenden herein. DieKleider hingen ihm in blutigen Fetzen vom Leib, die Brust wareine Lache, aus der es dick und schwarz herausquoll. Die Männerwollten ihn in die Kammer bringen; aber mit starrem Blick sah derTodwunde nach der Großmutter Bett, und seine wankenden Beinestrebten dorthin. So leiteten ihn die Männer, wohin er wollte. Ersank nieder auf das Bett, so daß es über und über mit Blut be-sudelt ward. Er tastete nach der Hand, und als er sie gefundenhatte, drückte er ein Ding hinein, das seine Faust krampfhaft um-schlossen gehalten hatte.Da, Altmutter, da", murmelte er,EuerPatenkind läßt Euch grüßen und Euch sagen, es sei Fried' im Land.Da ist das Salzfaß zum Zeugnis der Wahrheit."

Das Pfand war ihm entfallen im Kampfe mit dem Untier.Darum war er nochmal zurückgekehrt. Darüber waren ihm dieWunden, die er mit Moos zugestopft hatte, aufgebrochen.

Die Sterbende betastete das Salzfaß. Da leuchtete es in ihremAntlitz selig auf.Gott sei Dank!" flüsterte sie,Friede, Friede!"

Sie stirbt ohne Nachtmahl", rief der Sigrist.

Sie feiert es droben", hauchte der Pfarrer.Küßt EureMutter noch einmal, raunte er dem Nachtwächter zu, und dann machtEuch bereit, von Euerm Sohne Abschied zu nehmen. Ihr bringtdem Frieden ein schweres Opfer."

Sie legten den Burschen facht auf den Boden. Frauen wuschenihm die Wunden. Der Vater legte sich neben ihn nieder und sahihm in die brechenden Augen.

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Boten, dieda Frieden verkündigen", raunte der Pfarrer. Da versagte ihm die