Gebet. — Grenzen der Menschheit.
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9. Wenn ich einmal soll scheiden,So scheide nicht von mir!
Wenn ich den Tod soll leiden,
So tritt dn dann Herfür!
Wenn mir am allerbängstenWird um das Herze sein,
So reiß mich aus den Aengsten,Kraft deiner Angst und Pein!
10. Erscheine mir zum Schilde,Zum Trost in meinem Tod,
Und laß mich sehn dein BildeIn deiner Kreuzesnot!
Da will ich nach dir blicken,
Da will ich glaubensvollDich fest an mein Herz drücken.Wer so stirbt, der stirbt wohl.
13V. Das Gebet.
Von Gustav Falke.
Herr, laß mich hungern dann und wann,Sattsein macht stumpf und träge,
Und schick' mir Feinde, Mann um Mann,Kampf hält die Kräfte rege.
Gib leichten Fuß zu Spiel und Tanz,Flugkraft in goldne Ferne,
Und häng' den Kranz, den vollen Kranz,Mir höher in die Sterne.
131. Grenzen der Menschheit
Von Johann Wolfgang Goethe.
Wenn der uralteHeilige PaterMit gelassener HandAus rollenden Wolken5 Segnende BlitzeUeber die Erde sät,Küss' ich den letztenSaum seines Kleides,Kindliche Schauer10 Treu in der Brust.
Denn mit GötternSoll sich nicht messenIrgend ein Mensch.Hebt er sich aufwärts15 Und berührt
Mit dem Scheitel die SterneNirgends hasten dannDie unsichern Sohlen,
Und mit ihm spielen20 Wolken und Winde.
Steht er mit festenMarkigen KnochenAus der wvhlgegründetenDauernden Erde,
25 Reicht er nicht auf,
Nur mit der EicheOder der RebeSich zu vergleichen.
Was unterscheidet30 Götter von Menschen?