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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Bächtold
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Die Schlacht bei Lätze».

Bon einem fürchterlichen Feuer der Musketen und des da- .hinter gepflanzten groben Geschützes empfangen, setzen diese tapfernBataillons mit unerschrockenem Mut ihren Angriff fort; die feindlichenMusketiere verlassen ihren Posten, die Gräben sind übersprungen, dieBatterie selbst wird erobert und sogleich gegen den Feind gerichtet.Sie dringen weiter mit unaufhaltsamer Gewalt; die erste der fünfsriedländischen Brigaden wird niedergeworfen, gleich darauf die zweite,und schon wendet sich die dritte zur Flucht; aber hier stellt sich derschnell gegenwärtige Geist des Herzogs ihrem Andrang entgegen. MitBlitzesschnelligkeit ist er da, der Unordnung seines Fußvolkes zu steuern,und seinem Machtwort gelingt's, die Fliehenden zum Stehen zu be-wegen. Von drei Kavallerieregimentern unterstützt, machen die schongeschlagenen Brigaden aufs neue Front gegen den Feind und dringenmit Macht in seine zerrissenen Glieder. Ein mörderischer Kampferhebt sich, der nahe Feind gibt dein Schießgewehr keinen Raum, dieWut des Angriffs keine Frist mehr zur Ladung; Mann ficht gegenMann, das unnütze Feuerrohr macht dem Schwert und der PikePlatz und die Kunst der Erbitterung. Ueberwältigt von der Menge,weichen endlich die ermatteten Schweden über die Gräben zurück,und die schon eroberte Batterie geht bei diesem Rückzug verloren.Schon bedecken tausend verstümmelte Leichen das Land, und noch istkein Fuß breit Erde gewonnen.

Indessen hat der rechte Flügel des Königs, von ihm selbst an-geführt, den linken des Feindes angefallen. Schon der erste macht-volle Andrang der schweren finnländischen Kürassiere zerstreute dieleicht berittenen Polen und Kroaten, die sich an diesen Flügel an-schlössen, und ihre unordentliche Flucht teilte auch der übrigen ReitereiFurcht und Verwirrung mit. In diesem Augenblick hinterbringt mandem König, daß seine Infanterie über die Gräben zurückweiche undauch sein linker Flügel durch das feindliche Geschütz von den Wind-mühlen aus furchtbar geängstigt und schon zum Weichen gebrachtwerde. Mit schneller Besonnenheit überträgt er dem General vonHorn, den schon geschlagenen linken Flügel des Feindes zu verfolgen,und er selbst eilt an der Spitze des Stenbockischen Regiments davon,der Unordnung seines eigenen linken Flügels abzuhelfen. Sein edlesRoß trägt ihn pfeilschnell über die Gräben; aber schwerer wird dennachfolgenden Schwadronen der Uebergang, und nur wenige Reiter,.unter denen Franz Albert, Herzog von Sachsen-Lauenburg, genanntuvird, waren behend genug, ihm zur Seite zu bleiben. Er sprengtegeraden WegS demjenigen Orte zu, wo sein Fußvolk am gefähr-lichsten bedrängt war, und indem er seine Blicke umhersendet, irgendeine Blöße des feindlichen Heeres auszuspähen, auf die er den An-