Vei' saernm.
5. Doch vor der Heimat Toren, am Altar,
Da harrten schon zum festlichen EmpfangDie Frauen und der Jungfrau'n helle Schar,
Bekränzt mit Blüte, welche heut' entsprang.
6. Als nun verrauscht der freudige Willkomm,
Da trat der Priester auf den Hügel, stieß
Ins Gras den heil'gen Schaft, verneigte frommSein Haupt und sprach vor allem Volke dies:
7. „Heil dir, der Sieg uns gab in Todesgraus!Was wir gelobten, das erfüllen wir;
Die Arme breit' ich auf dies Land hinausUnd weihe diesen vollen Frühling dir.
8. Was jene Trift, die herdenreiche, trug,
Das Lamm, das Zicklein flamme deinem Herd lDas junge Rind erwachse nicht dem PflugUnd für den Zügel nicht das mut'ge Pferd!
9. Und was in jenen Blütengärten reift,
Was aus der Saat, der grünenden, gedeiht,
Es werde nicht von Menschenhand gestreift,
Dir sei es alles, alles dir geweiht!"
10. Schon lag die Menge schweigend auf den Knien;Der gottgeweihte Frühling schwieg umher,
So leuchtend, wie kein Frühling je erschien;
Ein heil'ger Schauer waltet' ahnnngschwer.
11. Und weiter sprach der Priester: „Schon gefeitWähnt ihr die Häupter, das Gelübd' vollbracht?
Vergaßt ihr ganz die Satzung alter Zeit?
Habt ihr, was ihr gelobt, nicht vorbedacht?
12. Der Blüten Duft, die Saat im heitern Licht,
Die Trift, von nengeborner Zucht belebt,
Sind sie ein Frühling, wenn die Jugend nicht,
Die menschliche, durch sie den Reigen webt?
13. Mehr als die Lämmer sind dem Gotte wertDie Jungfrau'n in der Jugend erstem Kranz;
Mehr als der Füllen auch hat er begehrt
Der Jünglinge im erstell Waffenglanz.
14. O nicht umsonst, ihr Söhne, wäret ihrIm Kampfe so von Gotteskraft durchglüht!
O nicht umsonst, ihr Töchter, fanden wirRückkehrend euch so wundervoll erblüht!
BNchtold. Lesebuch II. 20