Buch 
Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Bächtold
Entstehung
Seite
312
JPEG-Download
 

312

Das eleusische Fest.

Wirft er den gezackten Blitz.Prasselnd fängt es an zu lohen,Hebt sich wirbelnd vorn Altar,

Und darüber schwebt in hohenKreisen sein geschwinder Aar.

14. Und gerührt zu der Herr-

scherin Füßen

Stürzt sich der Menge freudig Ge-wühl,

Und die rohen Seelen zerfließenIn der Menschlichkeit erstem Gefühl,Werfen von sich die blutige Wehre,T effnen den düstergebundenen SinnUnd empfangen die göttliche LehreAus dem Munde der Königin.

15. Und von ihren ThronenAlle Himmlischen herab; fsteigenThemis selber führt den Reigen,Und mit dem gerechten StabMißt sie jedem seine Rechte,

Setzet selbst der Grenze Stein,Und des Styx verborgne MächteLadet sie zu Zeugen ein.

16. Und es kommt der Gott der

Esse.

Zeus' erfindungsreicher Sohn,Bildner künstlicher Gefäße,Hochgelehrt in Erz und Ton.

Und er lehrt die Kunst der ZangeUnd der Blasebälge Zug;

Unter seines Hammers ZwangeBildet sich zuerst der Pflug.

l 7. Und Minerva, hoch vor allenRagend mit gewicht'gem Speer,Läßt die Stimme mächtig schallenUnd gebeut dem Götterheer.

Feste Mauern will sie gründen,Jedem Schutz und Schirm zu sein,Die zerstreute Welt zn bindenIn vertraulichem Verein.

18. Und sie lenkt die Herrscher-

schritte

Durch des Feldes weiten Plan,Und au ihres Fußes TritteHeftet sich der Grenzgott an.Messend führet sie die KetteUm des Hügels grünen Saum;Auch des wilden Stromes BetteSchließt sie in den heil'gen Raum.

19. Alle Nymphen, Oreadeu,Die der schnellen ArtemisFolgen auf des Berges Pfaden,Schwingend ihren Jägerspieß,

Alle kommen, alle legenHände au; der Jubel schallt,

Und von ihrer Aexte SchlügenKrachend stürzt der Fichtenwald.

20. Auch aus seiner grünen WelleSteigt der schilfbekränzte Gott,Wälzt den schweren Floß zur StelleAuf der Göttin Machtgebot;

Und die leichtgeschürzten StundenFliegen ans Geschäft gewandt,

Und die rauhen Stämme rundenZierlich sich in ihrer Hand.

21. Auch den Meergott sieht mau

eilen;

Rasch mit des Trideutes StoßBricht er die granitnen SäulenAus dem Erdgerippe los,

Schwingt sie in gewalt'gen HändenHoch wie einen leichten Ball,

Und mit Hermes, dem behenden,Türmet er der Mauern Wall.

22. Aber aus den gvldnen SaitenLockt Apoll die Harmonie

Und das holde Blaß der ZeitenUnd die Macht der Melodie.

Mit neunstimmigem GesängeFallen die Kamönen ein;