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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Bächtold
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381
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AbcMied. Z81

65 Wo ich froh, wie das Eichhorn, spielt' auf den lispelnden AestenOder ins duftende Heu träumend die Stirne verbarg.Heimatliche Natur, wie bist du treu mir geblieben!

Zärtlich pflegend, wie einst, nimmst du den Flüchtling noch aus.Noch gedeih» die Pfirsiche mir; noch wachsen gefällig70 Mir ans Fenster, wie sonst, köstliche Trauben heraus.

Lockend röten sich noch die süßen Früchte des Kirschbaums,

Und der pflückenden Hand reichen die Zweige sich selbst.Schmeichelnd zieht mich, wie sonst, in des Waldes unendliche LaubeAus dem Garten der Pfad, oder hinab an den Bach,

75 Und die Pfade rötest du mir, es wärmt mich und spielt mirUm das Auge, wie sonst, Vaterlandssonne! dein Licht;

Feuer trink' ich und Geist aus deinen: freudigen Kelche;

Schläfrig lässest du nicht werden mein alterndes Haupt!

Die du einst mir die Brust erwecktest von: Schlafe der Kindheit60 Und mit sanfter Gewalt höher und weiter mich triebst,

Mildere Sonne! zu dir kehr' ich getreuer und weiser,

Friedlich zu werden und froh unter den Blumen zu ruhn.

1V9. Ab-ndli-d.

Von Friedrich Rückert.

1. Ich stand aus Berges HaldeAls heim die Sonne ging,

Und sah, wie über»: WaldeDes Abends Goldnetz hing.

2. Des Himmels Wolken tautenDer Erde Frieden zu;

Bei AbendglockenlautenGing die Natur zur Ruh.

3. Ich sprach: O Herz, empfindeDer Schöpfung Stille nun

Und schick' mit jedem KindeDer Flur dich auch zu ruhn!

4. Die Blumen alle schließenDie Augen allgemach,

Und alle Wellen fließenBesänftiget im Bach.

5. Nun hat der müde SylpheSich Unters Blatt gesetzt,

Und die Libell am SchilfeEntschlummert taubenetzt.

6. Es ward dem goldnen KäferZur Wieg' ein Rosenblatt;

Die Herde mit dem SchäferSucht ihre Lagerstatt.

7. Die Lerche sucht aus LüftenIhr feuchtes Nest im Klee

lind in des Waldes SchlichenIhr Lager Hirsch und Reh.

8. Wer sein ein Hüttchen nennet,Ruht nun darin sich aus;

Und wen die Fremde trennet,

Den trägt ein Traum nach Haus.

9. Mich fasset ein Verlangen,Daß ich zu dieser FristHinauf nicht kann gelangen,

Wo meine Heimat ist.