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Herbst.
10 Den Silberbach in goldne Ströme fließen.
Nicht hemmte dann den göttergleichen LaufDer wilde Berg mit allen seinen Schluchten;
Schon tut das Meer sich mit erwärmten BuchtenBor den erstaunten Augen auf.
15 Doch scheint die Göttin endlich wegzusinken;
Allein der neue Trieb erwacht;
Ich eile fort, ihr ew'ges Licht zu trinken,
Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht,
Den Himmel über mir und unter mir die Wellen.
20 Ein schöner Traum, indessen sie entweicht!
Ach! zu des Geistes Flügeln wird so leichtKein körperlicher Flügel sich gesellen.
Doch ist es jedem eingeboren,
Daß sein Gefühl hinauf und vorwärts dringt,
25 Wenn über uns, im blauen Raum verloren,
Ihr schmetternd Lied die Lerche singt,
Wenn über schroffen FichtenhöhenDer Adler ausgebreitet schwebtUnd über Flächen, über Seen30 Der Kranich nach der Heimat strebt.
lVgl. Nr. I0».>
114. Herbst.
Vo» Theodor Storni.
1. Schon ins Land der PyramidenFlohn die Störche übers Meer;Schwalbenflug ist längst geschieden;Auch die Lerche singt nicht mehr.
2. Seufzend in geheimer KlageStreift der Wind das letzte Grün,Und die süßen Sommertage
Ach, sie sind dahin, dahin!
3. Nebet hat den Wald verschlungen,Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und DämmerungenWill die schöne Welt vergeh».
4. Nur noch einmal bricht die SonneUnaufhaltsam durch
Und ein Strahl der alten WonneRieselt über Tal und Kluft.
5. Und es leuchten Wald und Heide,Daß mau sicher glauben mag,
Hinter allem WinterleideLieg' ein ferner Frühlingstag.