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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Bächtold
Entstehung
Seite
436
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Aus dem Festakt zur Enthüllung des Telldeulinals.

Ihr feiert hier den Staub des Sonnenlichts,

Nein, weniger als Staub, denn er war nichts.Was nie gelebt, wie kann es auferstehn?

Was nie gefühlt, wie kann's zu Herzen gehn?

So löst die Reih'n und nehmt die Wahrheit mit;

Sie trägt sich schwer, doch sichert sie den Schritt,

Wie eine Bürde, die dem Sturme steht,

Den Träger beugt und festigt, wenn er geht!

Sage.

O Bücherweisheit, welche Wahrheit suchtIm Staub der Stube, auf vergilbten! Blatt,

Vom Oel betropft der trüben Flackerlampe,

Indes die Sonne flammt am Firmament,

Auf alle Fluren ihre Zeichen brenntUnd durchs Gebirge hallt ein Heldenlied,

Das heiß wie Föhn durch tausend Herzen zieht!

Sieh, freudestolz erglüht manch Angesicht!

Solch helle Züge prägt die Lüge nicht.

Geschichte.

Du schwärmest, Freundin. Streng ist mein Gericht,Und seine Schöffen dulden kein Gedicht,

Das um Vergangnes windet seine Glorie.

Kein tanzend Irrlicht blendet der HistorieNachtscharfes Aug. Sie zieht die GrabeshülleMit sichern Händen von der Borwelt Leichen,

Und ob sich nie des Volkes Wunsch erfülleUnd seine Helden nicht dem Trugbild gleichen,

Ob falsch ihr Purpur, ihre Särge leer

Den ernsten Richter macht's nicht sorgenschwer;

Der Menge Wahn muß vor der Wahrheit weichen.

Sage.

Du wühlst nach Leibern, doch die Seel entfliehtDem Wurme, welcher stets am Stoffe klebt;

Indessen gierig er nach Nahrung gräbt,

Jauchzt sie befreit ihr Auferstehungslied.

Sie sprüht Befruchtungsschauer aus die Welt,

Indes ihn Dunst und Grab gefangen hält.

Du streuest Bücherstaub aufs grüne Laub;

Dich kümmert's nicht, ob auch der Baum verdorrt.Darunter lang ein gläubig Volk geruht,