4 II. Lykurg. 800 v. Chr. Solon. 594 v. Chr.
Athän und Sparta überstrahlten an Macht und Ruhm alle andern grie-chischen Staaten. An beiden Orten lag die Hauptmacht des Staates inder Volksversammlung, an der alle Bürger teilnehmen durften. Diesemachten jedoch nur einen kleinen Teil der ganzen Bevölkerung aus. Mehrals b/« aller Einwohner waren Sklaven, welche die harten Arbeiten ver-richten mußten und meist wie eine Ware behandelt wurden.
2. Spavta. — ii.) Sparta hatte eine eigenartige Verfassung.Lykurg soll sie um 800 v. Chr. erstellt haben; doch ist manches erstspäter dazu gekommen. Lykurg wollte die freien Spartaner kriegstüchtigmachen. Obgleich sie es für entwürdigend hielten, Ackerbau, Gewerbe undHandel zu treiben, so durften sie doch nicht müßig gehen; denn sie ge-hörten nicht sich, sondern dem Staate an, der ihnen eine eigentümlicheErziehung angedeihen ließ. Jedes spartanische Knäblein wurde beiseiner Geburt untersucht; war es schwächlich oder fehlerhaft, so wurde esausgesetzt; war es aber kräftig und fehlerlos, so durften es die Elternbis zum 7. Altersjahr behalten. Von dieser Zeit an übernahm derStaat die Sorge für die Erziehung. Unaufhörlich mußte sich der Knabeauf öffentlichen Übungsplätzen tummeln, so daß er namentlich im Laufen,Springen, Ringen, Diskos- d. i. Scheibenwerfen, sowie auch im Speer-werfen große Fertigkeit erlangte. Dadurch wurde er kräftig und gewandt. —b) Die Bequemlichkeiten des Lebens, wie leckere Speisen und weichesLager, mußte er meiden. Auch sollte er gegen Kälte, Hitze und Schmerzenabgehärtet werden. Deshalb war die für Fremde ungenießbare, schwarzeSuppe, bestehend aus Schweinefleischbrühe, Salz, Blut und Essig, seinetägliche Nahrung. Nicht einmal die beiden Könige durften sich von dengemeinsamen Mahlzeiten fern halten. Der Spartaner schlief auf hartemSchilf, das er selbst am Flusse zusammensuchte. Als Knabe mußte ernicht selten ganze Nächte im dunklen Walde und unter wilden Tieren zu-bringen, damit er furchtlos werde. Alljährlich fanden Wettgeißelungenstatt, an denen derjenige den ersten Preis erhielt, der die Hiebe amlängsten aushalten konnte, ohne eine Miene zu verziehen. In der Be-herrschung des Schmerzes trieben es einige so weit, daß sie unter denHieben lautlos zusammenbrachen und starben. Auch listig sollte derSpartaner sein; deshalb wurde ihm das Stehlen erlaubt; gelang ihmaber der Diebstahl nicht, so wurde er dafür bestraft, daß er sich hatteerwischen lassen. Wer auswanderte, galt als Ausreißer; übrigens wardie Auswanderung auch dadurch erschwert, daß die Spartaner bloß eisernesGeld hatten. Ehrfurcht gegen das Alter war streng geboten. — «) Um diesenGesetzen recht lauge Dauer zu verschaffen, soll Lykurg die Spartaner-haben schwören lassen, sie so lange zu halten, bis er von einer Reise zu-rückgekehrt sein werde. Er starb in der Fremde eines freiwilligen Hunger-todes, nachdem er befohlen, daß seine Asche in das Meer geworfen werde,damit die Spartaner sich nicht ihres Eides entbunden halten möchten,wenn sie dieselbe zurückführten.