Buch 
Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
Entstehung
Seite
32
JPEG-Download
 

32

X. Julius Cäsar. 4 44 v. Chr.

4. Cälcrvs AUeintievrlciiaft und Tod. — ri) Im

Jahre 45 v. Chr. kehrte Cäsar nach Rom zurück und feierte einen vier-fachen Trinmphzug. Er schenkte jedem seiner Soldaten 4000 Fr., denAnführern entsprechend mehr und jedem Bürger Roms 75 Fr. Außer-dem ließ er ungeheure Mengen von Korn und Öl austeilen und Spiele zuLand und Wasser aufführen. Einmal fochten zur Belustigung des Volkes1200 Menschen gegen 40 Elefanten; nachher bewirtete er es an 22,000Tafelm — 1») Senat und Volk überboten sich in Ehrenbezeugungen undSchmeicheleien, so daß die Menschen Cäsar ganz verächtlich vorkamen.Der Senat erklärte ihn für heilig und ließ ihn als Gott verehren. Erübertrug ihm die Diktatur, die Censur und das Oberpriesteramt aufLebenszeit. Das Purpurgewand und den Lorbeerkranz, die Hauptzierdenbeim Triumphzug, durfte er immer tragen. Im Rate, beim Rechtsprechenund bei den Spielen saß er auf goldenem Stuhl. Der Senat ließ seinBild auf Münzen schlagen und nannte den Monat, in welchem er ge-boren war, Julius. — e) Cäsar gab sich nun große Blühe, das Römer-reich aufs beste einzurichten. Er wollte alle Länder zu einer großenMittelmeer-Monarchie vereinigen, die durch das Band gleicher Religion,Sprache, Staatseinrichtung und Rechtspflege eng zusammengehalten werdensollte. Er steuerte der Üppigkeit und Sittenlosigkeit durch gute Gesetze,gründete neue Kolonien und verschaffte dem niedern Volke bei Tempel-und Straßenbauten Arbeit; auch verbesserte er mit Hilfe eines Gelehrtenden Kalender, indem er das Jahr zu 365^4 Tagen annahm; dieserheißt deshalb auch der julianische. — «i > Sein unersättlicher Ehrgeiz über-brachte ihn ins Verderben. Wohl hatte er die Macht eines Königs;doch fehlte ihm noch das äußere Abzeichen davon, nämlich die Krone.Jedermann wußte, daß er nach derselben strebte. Die Republik, durchwelche Rom groß geworden war, lief Gefahr, unterzugehen. Viele an-gesehene Männer haßten Cäsar wegen seiner Herrschsucht. Sie bildeteneine Verschwörung; an ihrer Spitze standen Cassius und Brutus;Cäsar sollte fallen; der 15. März des Jahres 44 v. Chr., an dem ersich zum König der außeritalienischen Provinzen ernennen lassen wollte,war zu seinem Todestage bestimmt. — e) Zufällig hielt an diesem Tageder Senat seine Sitzung im Theater des Pompejus. Cäsar^ wurde ge-warnt; noch auf dem Weg steckte ihm ein Freund einen Brief zu, worinder ganze Mordplan verraten ward. Cäsar konnte ihn wegen des Ge-dränges nicht lesen. Im Senat drängten sich die Verschworenen um seinenStuhl. Bald riß ihm ein Senator die Toga gewaltsam von der Schulterund ein anderer versetzte ihm von hinten den ersten Dolchstoß. „Wasbeginnst du, Ruchloser?" fuhr ihn Cäsar, von seinem Stuhle aufspringend,an. Die Verschworenen drangen von allen Seiten auf ihn ein. EinigeAugenblicke verteidigte sich der Angegriffene. Als aber der vielgeliebteBrutus den Dolch gegen ihn zückte, rief Cäsar wehmütig aus: „Auchdu, Brutus?" hüllte sein Angesicht in seine Toga und sank an der Bild-säule des Pompejus entseelt zu Boden.