XI. Augusttts. 31 v. Chr. bis 14 n. Chr.
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Verleitet hatte, wendete er sich gegen ihn. — I») Im Teutoburger-walde kam's znr entsetzlichen Schlacht. In dem weglasen, dichten Waldeund auf dem schlüpfrigen Boden hatten die durch Märsche und Regen-güsse ermüdeten Römer gegen die rachedürstenden, landeskundigen und ab-gehärteten Germanen einen schweren Stand. Drei Tage und drei Nächtekämpften sie. Endlich erlag Varus mit seinem Heere; er selbst stürztesich in sein Schwert. Sein Heer wurde größtenteils niedergehauen. DieGefangenen wurden den Göttern geopfert oder als Sklaven behalten;nur wenige entkamen. — v) Die Nachricht von dieser Niederlage setzteAugnstns in solchen Schrecken, daß er in seinem Palaste wie ein Wahn-sinniger umherrannte und jammernd ausrief: „Varus, Varus, gieb mirmeine Legionen wieder!" Sofort wurde unter Tiberius ein neues Heeran den Rhein gesandt; denn die Römer befürchteten, Hermann könnte,wie früher die Cimbern und Teutonen, gegen Italien aufbrechen. Doch dieswar nicht der Fall; Hermann wollte nicht erobern, sondern nur seineund seines Volkes Freiheit wieder erkämpfen. — ä) Als Augnstns aufeiner Reise erkrankte und dem Tode nahe war, soll er seine Freunde ge-fragt haben: „Habe ich meine Rolle gut gespielt?" Da sie es bejahten,sprach er: „Nun, so klatschet Beifall!"
Die Nachfolger des Mugustus. — a) Die nächsten Nachfolger desAugnstns waren schlechte Kaiser. Tiberius war mißtrauisch, menschenscheu undvcrfolgungssüchtig. Der kindische Calignl a, d. i. Stiefelchen, ließ sein Lieblingspfcrdzmn Mittönst,l ernennen und wünschte, daß das ganze römische Volk nur einenNacken hätte, um ihn mit einem Streiche abschlagen zu können. — b) Der schlechtestevon allen war Nero. Um sich den Brand von Troja recht vergegenwärtigen zukönnen, ließ er Rom im Jahre 64 n. Chr. anzünden und verbrennen und deklamierteim Künstlergewande Verse von Homer, die auf jenen Brand Bezug hatten. Alsdas Volk darüber murrte, schob er die Schuld auf die Christen. So entstand diemste Christenvcrfolgung. Doch bald erreichte ihn der rächende Arm der Gerechtigkeit.C'mc Empörung brach aus, die seinen Sturz herbeiführte. Aus Feigheit ließ er sichdurch einen Diener den Todesstoß geben und rief noch sterbend aus i „Welch ei»Künstler stirbt in mir!" — e) Ein wahres Gegcnbild von ihm war Titus. Erpflegte von einem Tage, an dem er keine Wohlthaten verrichtet hatte, zu sagen:„Diesen Tag habe ich verloren." Darum nannten ihn die Römer die Freude undWonne des Menschengeschlechts. Bevor er Kaiser geworden, hatte er die aufrührerische»Juden in Jerusalem eingeschlossen, und diese Stadt im Jahre 70 n. Chr. von Grundaus zerstört. Während seiner Regierung wurden im Jahre 79 n. Chr. bei einemAusbruch des Vesuv die blühenden Städte Herkulanum, Pompeji und Stabiä ver-schüttet. — ä) Unter dem guten Kaiser Traf an P 117 n. Chr., erreichte das römischeReich seine größte Ausdehnung. Es erstreckte sich vom atlantischen Ocean im Westenbis zum Perscrreich im Osten, von der Sahara im Süden bis nach Schottland imNorden. Überall führten die Römer ihre Sprache, Religion, Rechtspflege undStaatscinrichtungcn ein, erbauten prächtige Städte und gute Straßen. Durchstehende Truppen in Standlagern, um die sich oft Städte erhoben, hielten sie dieProvinzen im Zaum. An der Grenze errichteten sie überdies Wachttürme oderSchutzmauern. — s) Konstantin der Große erhob Bhzanz zur Hauptstadt desRömcrreiches und nannte sie nach seinem Namen Konstantinopel. Im Jahre 395teilte der Kaiser Thcodosius der Große das römische Weltreich unter seinebeiden Söhne; den, einen gab er Wcstrom mit der Hauptstadt Rom, dem andernOstrom mit der Hauptstadt Konstantinopel. Jenes bestand bis 476 und wurde durchdie Germanen gestürzt; dieses blieb bis 1453 und ging durch die Türken zu Grunde.