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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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XII. Die Völkerwanderung. 375—568.

4. Das Ghvistenturrr. — rr) Unter dem Kaiser Augustuswurde zu Bethlehem in Palästina Jesus Christus geboren. Als Stifterder christlichen Religion stellte er die Liebe als höchste Tugend hin. Ingeräuschloser Stille verbreitete sich rasch die neue Lehre von Volk zu Volk,wobei ihr die Beschaffenheit des römischen Reiches mit seiner allgemeinverbreiteten Sprache, dem regen Verkehr u. s. w. trefflich zu statten kam.Bei den Armen und Bedrückten fand sie um so eher Eingang, als siekeinen Standesunterschied kennt. Die Christen beflissen sich eines tadel-losen Wandels; aber gerade dadurch wurden sie die Zielscheibe des Hassesder entarteten Römer. Die Kaiser suchten mit aller Gewalt das Christen-tum auszurotten. — I») Man zählt nicht weniger als zehn großeChristen Verfolgungen, mit Nero im Jahre 64 beginnend und mitDiokletian im Jahre 301 schließend. Die Hinrichtung der Christen warmit Hohn verbunden; man hüllte sie in Felle wilder Tiere ein und ließsie von Hunden zerfleischen; man schlug sie ans Kreuz; man bestrich siemit brennbaren Stoffen und zündete sie nach Sonnenuntergang wie Fackelnan. In Wäldern, Schluchten, Katakomben (unterirdischen Begräbnis-stätten) u. s. w. kamen die Christen heimlich zu ihrem Gottesdienst d. i.zum Lesen heiliger Schriften, zum Gebet, zur Predigt und zu gegenseitigerErmahnung zusammen. — c) Doch das Blut der Märtyrer war derSame der Kirche. Die christliche Religion gewann immer mehr An-hänger. Als Konstantin der Große, der von seiner frommen MutterHelena in Duldung gegen das Christentum erzogen worden, gegen einenMitkaiser zu Felde zog, machte er das Kreuz zum Hauptzeichen des rö-mischen Heeres. Als er dann Alleinherrscher war, erhob er im Jahre 325das Christentum zur Staatsreligion.

XII. Die Völkerwanderung.

375—568.

1. Die alten Dentleherr. — In uralter Zeit warDeutschland von unermeßlichen Wäldern und Sümpfen, die mancherortsmit saftigen Wiesenflächen und fruchtbaren Ackergründen abwechselten, be-deckt. Riesige Auerochsen, hirschartige Elen, reißende Bären, Wölfe undLuchse hausteu daselbst. Das Land erzeugte wildes Obst, eßbare Beeren,schmackhafte Rettiche und unansehnliche Rinder und- Pferde. — I») DieBewohner des Landes hießen Germanen, später Deutsche. Gräberfundebeweisen, daß ihre Gestalt die Höhe von zwei Metern erreichte oder garüberschritt. Städte schienen ihnen Gefängnisse zu sein. Viele streiftennomadenartig umher. Sie liebten die Freiheit mehr als das Vaterland.Die seßhaften Germanen wohnten in zerstreuten Einzclhöfen, von denen