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XVII. Der erste Kreuzzug. 1096—101)9.
und Panzerriemen bildeten ihre Nahrung. Das Elend erzeugte bald einegroße Zuchtlosigkeit. Das Kreuzheer war dem Untergänge nahe. —v) In dieser furchtbaren Not erklärte ein südfranzösischer Geistlicher, derheilige Andreas sei ihm erschienen und habe ihm verkündet, daß bei demHochaltare der Peterskirche in Antiochia die Lanze verborgen liege, mitder die Kriegsknechte einst Jesum in die Seite gestochen hätten. Beiverschlossenen Thüren wurde einen ganzen Tag lang am angezeigten Ortenachgegraben. Gegen Abend brachte der Geistliche eine in Purpur ge-hüllte Lanze aus der Tiefe. Ihr Anblick gab allen, die an ihre Echtheit glaubten, neuen Mut. Noch wirksamer aber war die Wiederherstel-lung der Ordnung durch den Fürsten Bohemund. Den Kreuzfahrern,die den Kampf verweigerten, ließ er die Quartiere über den Köpfen zu-sammenbrennen; 2000 Gebäude sanken so in Asche. — <I) Hierauf zogendie Christen unter Gebeten und Gesängen, die heilige Lanze in der Mitte,zum Angriff aus. Nach kurzem Ringen mußte der Feind weichen undden -Siegern sein reiches Lager als Beute zurücklassen. Innere Zwistig-keiten hinderten die Kreuzfahrer vorläufig, weiterzuziehen. Bohemundwarf sich trotz des Widerstandes der andern Pilgerführer zum Fürst vonAntiochia auf.
3. Gvrrtrernrng Aevirtcrlettrs. — Die Kreuzfahrerdrängten vorwärts; denn Jerusalem war ihr Ziel. Als sie endlich eineHöhe erreichten, von der aus die heilige Stadt übersehen werden konnte,erscholl der Ruf: Jerusalem! Jerusalem! sie fielen auf die Erde niederund küßten sie; denn da hatte ja der Erlöser gewandelt. Es war am7. Juni 1099, als sie endlich vor den Mauern anlangten; drei Jahrewaren sie nun auf der Pilgerfahrt. Auf 20,000 Mann war das Kreuz-heer zusammengeschmolzen. Viele hatten als Besatzungstruppen in deneroberten Städten zurückbleiben müssen; doch viel mehr hatte der Toddahingerafft. — Ii) Der erste Sturm wurde zurückgeschlagen; denn dieStadt ward von 40,000 tapfern Kriegern verteidigt und von einer dickenMauer umgebe». Es fehlten den Kreuzfahrern die nötigen Belagerung?'Werkzeuge. Zudem waren die Quellen rings um die Stadt verstopft odervon Türken bewacht, so daß jeder Wassertropfen erkämpft werden mußte.Die Kreuzfahrer bauten zwei hohe, bewegliche Belagerungstürme mitFallthüren. Auf den 14. Juli 1099 ordnete man einen allgemeine» Sturman: die Belagerungsmaschinen wurden an die Mauer geschoben; doch um-sonst. — e) Als aber der Angriff am folgenden Tage, den 15. Juli1099, mit größerer Heftigkeit erneuert wurde, konnten die Belagertennicht länger widerstehen. Es gelang Gottfried von Bouillon vom Turmaus die Fallbrücke auf die Mauer niederzulassen; er stürmte als einerder ersten darüber hinein; andere folgten ihm; es gelang, ein Thor zuöffnen. Unter dem Rufe: „Gott will es!" stürzten die wütenden Kreuz-fahrer durch die Straßen. Viele Einwohner, selbst Frauen, Kinder undGreise wurden niedergestochen. Die christlichen Kreuzfahrer waren zu